Kippen am Boden: Nürnberg kämpft gegen Zigarettenmüll

3.8.2018, 14:29 Uhr
Sie sind überall, in jeder Ritze: Zigarettenkippen.

Sie sind überall, in jeder Ritze: Zigarettenkippen.

Wenn man sein Augenmerk bei einem Spaziergang durch die Stadt auf den Boden richtet, ist das Ergebnis erschreckend: Quasi im Sekundentakt entdeckt man auf den Fußwegen oder am Wegesrand einen Zigarettenstummel, meistens gleich mehrere. Christian Vogel, Sör-Chef und Zweiter Bürgermeister, spricht von einer "Plage" — wie sie eben leider in einer Großstadt üblich sei. Das größte Problem aus seiner Sicht: "Viele Menschen schnippen ihre Kippe einfach weg, ohne zu realisieren, dass es sich um Müll handelt." Dabei zersetzen sich die Filter — angereichert mit all den Problemstoffen, die eine Zigarette so bietet — sehr langsam. "Das dauert über zehn Jahre", weiß Vogel.

Die Stadt startete die

Die Stadt startete die "Trau Dich"- Kampagne Mitte 2017. © Fotos: Stefan Hippe

"Sie werden gut genutzt"

Und so sind die Sör-Mitarbeiter in der Innenstadt täglich im Einsatz und betreiben Schadensbegrenzung. "Die Entfernung der Zigarettenreste besorgen wir im Rahmen unsere Straßenreinigung mit Groß- und Kleinkehrmaschinen sowie in der Innenstadt mit handgeführten schiebbaren Geräten, die wie ein Staubsauger wirken und gleichzeitig Wasser ausbringen", berichtet Sör-Sprecherin Ulrike Goeken-Haidl. Seit drei Jahren verteilt Sör zudem kostenlos sogenannte Taschenaschenbecher, die man auch bei jeder Bürgerversammlung im Vorraum findet.

Im Sommer 2017 startete die Stadt dann ein Pilotprojekt: Um dem Problem an Verschmutzungsschwerpunkten — wie zum Beispiel am Zugang zum Hauptbahnhof-Verteilergeschoss in der Königstraße — entgegenzuwirken, hat Sör vor Ort zwei Großpapierkörbe mit Bodenaschern eingebaut. Entsprechende Hinweise "Trau Dich! Wirf deine Kippe in den Boden-Aschenbecher" machen auf sie aufmerksam. Goeken-Haidl dazu: "Sie werden gut genutzt." Vier weitere Exemplare kommen mittlerweile am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) zum Zug. Aber wenn man genau hinschaut, gibt es auch hier genügend Raucher, die diese ignorieren. Ganz neu sind vier Bodenascher, die auf dem Bahnhofsvorplatz — direkt am Haupteingang des Gebäudes — installiert wurden. Die SPD hat bereits vor Jahren vor dem Karl-Bröger-Haus ein solches Exemplar angebracht. Das war der "Prototyp" — wie Christian Vogel augenzwinkernd verrät.

Qualmende Eltern angezeigt

Vor sechs Jahren waren Zigarettenreste auf Spielplätzen ein gravierendes Problem. "Unsere Kinder buddeln im Sand voller Kippen" — titelte der Stadtanzeiger im Sommer 2012. Die Rede war damals vom Rosenau-Spielplatz. Inzwischen befindet sich am Eingang jeder Anlage eine Tafel mit Nutzungsregeln — darunter auch ein Rauchverbot. Das Problem habe abgenommen, sei aber nach wie vor existent, sagt Sör-Mitarbeiter André Winkel. "Jeder Zigarettenstummel im Sandkasten ist einer zu viel", betont er. "Wenn man sich umschaut, findet man immer noch Kippen im Sand, wenn auch nicht übermäßig viele." Am Servicetelefon von Sör sei in den letzten Jahren das Thema Kippen auf Spielplätzen "immer mal wieder" angesprochen worden. Im Vorjahr gab es diesbezüglich elf Anzeigen. Privatleute hatten sich über die Raucher auf Spielplätzen geärgert und die Polizei informiert. Die Höhe des Bußgeldes beträgt in Nürnberg 35 Euro.

"Häufiger werden allerdings Ordnungswidrigkeiten wie Alkoholkonsum oder Wildpinkeln in Grünanlagen geahndet", ergänzt Goeken-Haidl. Diese Vergehen schlagen mit 35 beziehungsweise 25 Euro zu Buche.

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