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Kling, Glöckchen, kling

Der Nürnberger Handglockenchor - 07.02.2008

Vier Kilo wiegt die größte Handglocke, die Chorleiter Tom Keeton liebevoll «Big Ben» nennt. © Sippel


Seit etwa 3000 Jahren gibt es solche Glocken - zunächst vor allem in der chinesischen und indonesischen Kultur. Die Kreuzzüge brachten die Handglocken schließlich auf den europäischen Kontinent. In den Kirchen kamen die Klangkörper erst im sechsten Jahrhundert zum Einsatz: Sie riefen die Gläubigen zum Gottesdienst und wurden als rituelle Instrumente bei Begräbnissen gespielt. Im 17. Jahrhundert wandelte sich ihre Funktion vom Rufzeichen zum Instrument. Die Engländer erfanden das Change Ringing (Wechselläuten), bei dem mindestens drei Glocken in mathematischer Reihenfolge angeschlagen werden. Damit die Musiker nicht in den zugigen Kirchtürmen üben mussten, entwickelten sie kleinere Glocken.

Keeton gründete den Nürnberger Handglockenchor 1995. Seither ist er Leiter des Chors. Als «Big Ben» stellt der 65-Jährige die größte Glocke vor. Die wiegt fast vier Kilo und ist daher als Instrument eher für dickere Muskeln geeignet. Die kleinste Glocke wiegt dagegen kaum 200 Gramm.

Seine Vorliebe für Handglocken hat der pensionierte Krankenpfleger bereits in der 70ern in seiner Heimat Denver (Colorado) entdeckt. Zehn Jahre später stieß er während seiner Tätigkeit in der ehemaligen Darby-Kaserne Fürth durch Zufall auf einige Handglocken, die dort gelagert wurden. Das musikalische Feuer begann wieder zu lodern, und Keeton erwarb peu à peu ein Arsenal an eigenen Glocken. Ein kostspieliges Vergnügen, denn die Instrumente werden in den USA hergestellt und kosten bis zu 1000 Dollar pro Stück. Die Chorproben werden im Gemeindesaal der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in der Nürnberger Südstadt abgehalten, seit Gründung arbeitet der Chor eng mit dem dort tätigen Kirchenmusikdirektor Markus Nickel zusammen.

«Vor ein paar Jahren hatten wir noch 16 Mitglieder, heute sind wir auf die Hälfte geschrumpft», sagt Keeton mit Bedauern. Das Repertoire des Chors umfasst Kirchenmusik, Gospels, klassische Musik und Musicals. Die Bewegung der Arme, der Anschlag, das kurze Dämpfen der Glocken auf Schaumstoffmatten, diese Handhabungen entlocken jeder Glocke zwar nur einen einzigen Ton, jedoch verschiedene Stimmungen.

Wer Handglocken im Chor spielt, braucht kein Musikstudium, sagt Keeton, sondern nur Notenwissen und ein gutes Taktgefühl. «Die wichtigste Fertigkeit ist aber eigentlich richtiges Zählen. Denn nur so weiß man, wann der nächste Ton kommen muss», weiß Keeton aus Erfahrung. Gern spiele man mit Sängern zusammen, und auch andere Instrumente wie Orgel, Klavier oder Streichinstrumente werden manchmal integriert.

Der nächste Auftritt des Handglockenchors Nürnberg ist am 17. Februar in der Thomaskirche, Schwaig, während des Gottesdienstes. Chorproben finden jeweils mittwochs zwischen 20 und 21.30 Uhr statt. 

suse

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