Knoblauchsland ganz unter Glas?

30.9.2014, 05:58 Uhr
Im Freiland — wie hier in Kraftshof — wächst Erika, in vielen Gewächshäusern des Knoblauchslands werden gerade die Kürbisse reif und geerntet. Dass die Glashäuser im Nürnberger Norden so stark zugenommen haben, sorgt für rege Diskussionen.

Im Freiland — wie hier in Kraftshof — wächst Erika, in vielen Gewächshäusern des Knoblauchslands werden gerade die Kürbisse reif und geerntet. Dass die Glashäuser im Nürnberger Norden so stark zugenommen haben, sorgt für rege Diskussionen. © Günter Distler

Zusätzliche Gewächshäuser sind in den vergangenen Jahren zwischen Großgründlach und Buchenbühl aus der Erde geschossen wie die Pilze an einem feuchten Herbsttag: Waren 2008 erst 57 Hektar unter Glas, so sind es fünf Jahre später 79,3 Hektar. Zu diesen 22 Hektar kommen weitere 7,3 Hektar für Maschinen- und Lagerhallen. Der rasante Flächenfraß für den Gemüseanbau im Gewächshaus geht weiter. Es gab daher schon mehrfach Streit, ob das traditionelle Erscheinungsbild allmählich zerstört wird.

"Einzigartige Kulturlandschaft"

Die SPD hatte vor einem knappen Jahr ein Konzept eingefordert, wie die Ansprüche an den Gemüsegarten der Region mit den Notwendigkeiten der modernen Marktwirtschaft in Einklang gebracht werden können. „Diese einzigartige Kulturlandschaft vor den Toren der Stadt ist etwas Besonderes", betont der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Brehm. Allerdings ist ihm auch bewusst, dass das Knoblauchsland von verschiedenen Ecken angeknabbert wird: „Landwirtschaft, Wohnen und Gewerbe benötigen Platz. Dabei gibt es natürlich unterschiedliche Interessenlagen, die nicht immer leicht unter einen Hut zu bekommen sind."

Auch der CSU ist bewusst, dass sich auf den wenigen Quadratkilometern im Stadtnorden viele „Themen mit erheblichen Konfliktpotenzialen“ konzentrieren. Die drei großen Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen, die mögliche Neubaugebiete suchen, die Nähe des Gemüseanbaus zum Flughafen, die zentrale Lage an drei Bundesfernstraßen sowie die noch bessere Erschließung durch öffentlichen Nahverkehr mit der Stadt-Umland-Bahn - die vielfältigen Interessen machten einen Strukturplan zur geordneten Entwicklung des Knoblauchslands notwendig, argumentiert CSU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Brehm.

Die Stadtverwaltung regt an, eine neutrale, externe Studie zu den Entwicklungsperspektiven der Landwirtschaft zu vergeben. Ein Agrarstruktur-Gutachten dürfte etwa 100.000 Euro kosten, schätzt die Verwaltung, die bei der Staatsregierung dafür bereits einen Zuschuss beantragt hat. Der Stadtrat debattiert im Stadtplanungsausschuss am Donnerstag über die Perspektiven für das Knoblauchsland. Wichtig ist allen Beteiligten, die Öffentlichkeit rechtzeitig in die Diskussion miteinzubeziehen.

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