Kommentar: Glauben heißt nicht wissen

7.9.2020, 18:16 Uhr

Augen zu und durch. Verkehrspolitik nach diesem Muster ist verantwortungslos. Das heißt konkret: Den Frankenschnellweg trotz aller Ungewissheiten weiterzuplanen, wäre eine Wette auf die Zukunft, die extrem kostspielig werden könnte. Wie die Gerichtsverfahren ausgehen, die das gigantische Projekt auf Jahre ausbremsen, kann niemand ahnen. Glauben heißt nicht wissen. Da hilft es wenig, wenn Bürgermeister Vogel überzeugt ist, dass am Ende alles gutgehen wird. In einem Punkt scheint der Optimist an der Sör-Spitze die Gegner des Ausbaus aber gründlich missverstanden zu haben: Sie wollen das 660-Millionen-Projekt nicht verteuern oder verzögern. Sie wollen es verhindern. Dass sie dazu den Klageweg beschreiten, der dem BN, dem Privatmann und dem VCD gleichermaßen offensteht, ist klar. Andere Mittel haben die Kritiker nicht mehr, die sich dem Beschluss des Stadtrats entgegenstemmen. Derweil wachsen die Zweifel an der heilenden Wirkung eines Ausbaus weiter. Laut Umfragen sinkt die zunächst relativ hohe Zustimmung langsam. Dass er über so viele Jahre nicht vorankommt, verstärkt die Zweifel noch. Dazu kommt: Die Welt hat ein Klimaproblem, das schicksalhaftere Fragen stellt als die nach möglichst flüssigem Verkehr. Für dieses anachronistische Projekt zukunftsfähige Argumente zu finden, wird immer schwerer.

 

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