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Kommentar: Radler brauchen eine größere Lobby

Noch denken Verkehrsplaner zu sehr an Autofahrer-Bedürfnisse - 10.05.2021 05:49 Uhr

Monate dauert es also: Dabei ist das Wetter jetzt schön, die Motivation hoch, nun soll ein neues Rad her. Doch die Händler kommen mit den Bestellungen kaum nach, wer ein neues Fahrrad möchte, muss sich oft Monate gedulden, bis es ausgeliefert wird.

Es ist das alte Spiel von Angebot und Nachfrage und eigentlich sehr erfreulich: Die Menschen haben die Lust am Fahrrad (wieder) entdeckt. Sei es, weil sie in der Pandemie Ausflüge von zu Hause starten mussten, die öffentlichen Verkehrsmittel meiden wollten - oder, weil Fridays for Future und andere mit ihren Aktionen das ökologische Bewusstsein geschärft haben.

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FFF radelt durch Nürnberg: Aktivisten machen auf mögliche Folgen von FSW-Ausbau aufmerksam

Am Freitagnachmittag schlängelte sich eine Fahrrad-Demonstration von der Nürnberger Ortsgruppe von Fridays for Future durch Nürnberg. Grund dafür sind die möglichen Folgen eines kreuzungsfreien Ausbaus des Frankenschnellwegs. Als Auslöser werden hier die aktuellen Baumaßnahmen gesehen, die für reichlich Stau, Lärm und Ärger sorgen.


Wichtig ist dies allemal, nicht nur, aber besonders aus Umweltgründen. Der Trend muss weggehen vom Auto. Die Zukunft der Verbrenner ist begrenzt und auch wenn es bei E-Autos immer mehr Fortschritte gibt, so wird das Rad (zumindest im städtischen Verkehr) eine wachsende Rolle spielen.

Schlechte Voraussetzungen

Und das, obwohl die strukturellen Voraussetzungen schlecht sind. Klar, es gibt - jüngst beschlossen - den nationalen Radverkehrsplan. Das Fahrrad, so verkündete Verkehrsminister Scheuer stolz, soll künftig beim Straßenbau von Beginn an mitgedacht werden. Dass das im Jahr 2021 als große Umwälzung verkauft wird, ist ziemlich peinlich. Es zeigt, wie gering der Stellenwert von Radlern bisher ist.

Auch Nürnberg hat einen Mobilitätspakt beschlossen, der etwa mehr Rad-Stellplätze, breitere Radwege und eine schnelle Erreichbarkeit von Radwegen vorsieht. Gleichzeitig will man andere alternative Fortbewegungsmöglichkeiten - den Öffentlichen Nahverkehr, aber auch Fußgänger - stärken. Autofahrer müssen zurückstecken. Was das bedeuten kann, sah man jüngst bei den Planungen um die Bayreuther Straße: Eine Autospur fällt weg.

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Fahrt in eine neue Epoche: So entstand die Nürnberger U-Bahn

Vor 51 Jahren entschied sich der Nürnberger Stadtrat zum Bau einer U-Bahn. 1967 haben die Arbeiten begonnen, der erste "Pegnitzpfeil" fuhr 1972 durch die Röhre. Nürnberg war damit die vierte Stadt in Deutschland - nach Berlin, Hamburg und München - mit einer Bahn unter der Erde. Unsere Bilderstrecke mit historischen Fotos nimmt Sie mit in den Untergrund.


Es sind überfällige Schritte, ob es ein echter Systemwandel ist, bleibt abzuwarten. Zu groß ist die Autofahrerlobby, zu tief verwurzelt die Annahme, dass jeder ein Auto brauche (warum bitte schreiben Kommunen ab einer gewissen Wohnungsgröße zwei Auto-Stellplätze vor?).

Viele Radler haben Angst

Letztlich muss es Ziel sein, vor allem eines zu stärken: Die Sicherheit der Radfahrer. Denn um die ist es schlecht bestellt. Trotz der Aufstockung des Radwege-Etats, trotz neuer Abmarkierungen fühlen sich zum Beispiel die Nürnberger nicht sicher, sagten 82 Prozent der Radler beim Fahrradklimatest des ADFC. Noch mehr, 85 Prozent, werden demnach beim Fahren im gemischten Verkehr bedrängt, geschnitten und ausgebremst. In vielen anderen Städten sieht es nicht besser aus.

Das ist ein Armutszeugnis und sollte Ansporn sein, schneller in Radinfrastruktur zu investieren und zu denken. Das kostet Geld und in Zeiten angespannter Haushaltslagen fehlt es natürlich an allen Stellen. Doch es ist eine lohnende, für uns und kommende Generationen wichtige Investition.


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