Landtagswahl: "Es ist ein Fehler, nicht hinzugehen"

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 04.04.18..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Mitarbeiterporträt:Timo Schickler..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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11.10.2018, 20:39 Uhr

© Foto: Edgar Pfrogner

Herr Schäfer, warum ist es wichtig, zur Wahl zu gehen?

Wolf Schäfer: Das Entscheidende zuerst: Nur wenn ich wählen gehe, bestimme ich mit, wer die Entscheidungen des Landtags in den nächsten fünf Jahren trifft – und damit auch, welche Entscheidungen getroffen werden, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Schön wäre es...

Schäfer: Ja, natürlich wähle ich in der parlamentarischen Demokratie nur Vertreterinnen und Vertreter, entscheide also nicht direkt mit. Und kein Abgeordneter und keine Abgeordnete, keine Partei kann meine individuellen Interessen, meine Meinung, meine Vorstellungen für die Zukunft und zusätzlich noch die vieler anderer vollständig vertreten. Aber das ist auch gut so. Denn es ist wichtig, dass die Vielfalt an Interessen und Meinungen groß sein kann. Die Wahl eines Parlaments ist dann die einzige - und einzigartige - Möglichkeit, mit dieser Vielfalt von Interessen und Meinungen umzugehen.

Warum?

Schäfer: Weil es mit den Abgeordneten Menschen gibt, die die vielfältigen Interessen abwägen und Entscheidungen treffen. Auf diese Art nehme wiederum ich Einfluss auf die Entwicklung der Gesellschaft und damit auch auf die zukünftigen Bedingungen, die für mein Alltagsleben wichtig sind.

Also wenn er könnte - dieser knuffige Kerl würde auf jeden Fall wählen gehen.

Also wenn er könnte - dieser knuffige Kerl würde auf jeden Fall wählen gehen. © Roland Fengler

Mancher denkt vielleicht: Bevor ich falsch wähle, weil ich mich nicht gut auskenne, wähle ich lieber gar nicht.

Schäfer: Das ist falsch. Denn Demokratie ist die Herrschaft der Bevölkerung, nicht die Herrschaft einer vielleicht nur selbst ernannten Elite oder eines Establishments. Niemand hat zu entscheiden, ob die Wahl "richtig" oder "falsch" ist. Diese Herrschaft der Bevölkerung kommt aber nur zustande, wenn die Wahlberechtigten auch zur Wahl gehen.

Dann noch ein Vorurteil: Eine Stimme ist ja nicht entscheidend...

Schäfer: Jede Stimme hat Einfluss auf das Gesamtergebnis, und zwar gleich viel Einfluss, mein Stimmzettel zählt genauso viel wie der von anderen. Kein Mensch hat mehr Einfluss auf das Wahlergebnis als ich. Vielleicht ist meine Stimme ja sogar die entscheidende. Nur wer nicht wählt, bewirkt gar nichts. Wenn ich nicht wähle, entscheiden nur die anderen.

Warum wählt man geheim?

Schäfer: Nach dem Grundgesetz und nach der bayerischen Verfassung werden die Abgeordneten in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Die Wahlbehörden und die Wahlvorstände als Beauftragte der Bürgerschaft haben dafür zu sorgen, dass diese Wahlrechtsgrundsätze eingehalten werden. Gerade das Wahlgeheimnis ist wichtig für die Freiheit der Wahl: Ich brauche meine Wahl niemandem gegenüber zu begründen, sondern kann selbst meine freie Entscheidung treffen, weil niemand erfährt, wie ich gewählt habe – das garantieren die Wahlbehörden und die Wahlorgane. Ich brauche mir von niemandem die Wahlentscheidung abnehmen zu lassen, brauche mich nicht manipulieren zu lassen, weder von Besserwissern noch von Wahl-O-Maten, die mir die Themen vorgeben wollen, die für mich wahlentscheidend sein sollen. Diese Freiheit sollte ich nutzen. Wer eine Meinung hat, sollte sie aussprechen, besonders wenn dies so frei geschehen kann wie bei unseren Wahlen.

Manche wählen ganz bewusst nicht.

Schäfer: Natürlich bedeutet die Freiheit der Wahl auch, dass es mir freisteht, zur Wahl zu gehen oder nicht. Aber nur wer wählen gegangen ist, darf hinterher die politischen Entscheidungen kritisieren.

Zum Schluss: Wie unterscheidet sich die Landtagswahl von anderen?

Schäfer: Bei der Landtagswahl bestimmen die Wählerinnen und Wähler mit der Erststimme die direkt gewählten Abgeordneten ihres jeweiligen Stimmkreises, also in Nürnberg der Stimmkreise Nürnberg-Nord, Nürnberg-Ost, Nürnberg-Süd, Nürnberg-West. Mit der Zweitstimme wird eine Person aus den Wahlvorschlägen für den Regierungsbezirk, also bei uns aus ganz Mittelfranken, gewählt.

Je mehr Nürnberger also wählen...

Schäfer: Genau. Dieses Wahlsystem bewirkt, dass über die mit der Erststimme direkt gewählten hinaus die Nürnberger Kandidatinnen und Kandidaten nur dann eine Chance haben, in den Landtag zu kommen, wenn die Nürnbergerinnen und Nürnberger auch zur Wahl gehen. Deshalb hoffe ich als Nürnberger natürlich auf viele Nürnberger Wählerstimmen.

 

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