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Lichtenreuth: Neuer Vorzeige-Kiez in Nürnbergs Süden

Weniger Autos und mehr öffentlicher Nahverkehr für Stadtteil geplant - 07.01.2019 05:41 Uhr

Eine Brachfläche, die bald deutlich aufgewertet wird - das Areal an der Brunecker Straße © Oliver Acker/digitale-luftbilder.de


Wer sich vor Ort umschaut, braucht Fantasie, um sich die Zukunft vorzustellen. Denn noch liegt das Gelände des ehemaligen Südbahnhofs weitgehend brach. Wer sich hingegen in die Pläne für den neuen Stadtteil mit dem Kunstnamen "Lichtenreuth" vertieft, bekommt schnell eine Vorstellung davon, dass an der Brunecker Straße etwas Großes wachsen wird; und zwar auch jenseits der neuen Universität.

In dem rot umrandeten Bereich sollen einmal etwa 4000 Menschen leben - mit Schule, Kita und Einzelhandel. Hier geht es zur vollständigen Ansicht der Infografik. © NN-Infografik


"Etwas Vergleichbares hatten wir in den letzten Jahren nicht", sagt denn auch Michael Ruf, Leiter des Stabs Stadtentwicklung im Bürgermeisteramt, und meint damit nicht nur die schiere Ausdehnung des Areals. Das Gelände des ehemaligen Südbahnhofs umfasst rund 90 Hektar; 37 Hektar davon hat sich der Freistaat unlängst für die neue Technische Universität Nürnberg gesichert.

Was man zum Leben braucht

Der Rest wird stückweise entwickelt, in Modulen, wie es so schön heißt. Aktuell liegen die Pläne für den ersten, rund 33 Hektar großen Abschnitt "Hasenbuck Süd" zwischen Ingolstädter Straße, Rangierbahnhof und Brunecker Straße aus. Der Inhalt? Wohnen soll hier einmal Vorrang haben, samt Schule, Kita und Einzelhandel, was man eben so zum Leben braucht. Die Stadt und der Grundstückseigentümer Aurelis wollen einen Mix aus Geschosswohnungsbau und Stadthäusern für verschiedene Haushaltsgrößen und Lebensstile verwirklichen. Konkret sind rund 1500 Wohnungen geplant, auch einige Einfamilienhäuser sollen entstehen; dazu ein großer Park.

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Etwa 4000 Menschen könnten allein auf diesem Teilstück einmal leben, schätzt Ruf. Weil die Straßen, die das ehemalige Bahnareal umgeben, aber schon jetzt an ihre Belastungsgrenze stoßen, soll "Lichtenreuth" ein autoarmer Stadtteil werden.

Bremen als Beispiel

"Wir probieren das aus", fährt der Mitarbeiter des Bürgermeisteramts fort. Denn Vorbilder für autoarme Gebiete gibt es in Nürnberg in dieser Größenordnung nicht, da muss man schon in andere Städte schauen. Man habe sich zum Beispiel mit Bremen ausgetauscht. Dort wurde ein altes Klinikgelände zum autoarmen Wohnstandort umgewandelt. Viele Autofahrer hätten sich dort laut Ruf vom Car-Sharing überzeugen lassen.

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Weniger Autos, das heißt auch weniger Parkflächen. "Der Stellplatzschlüssel wurde im Einvernehmen mit Aurelis reduziert", sagt Ruf. Die Zahl der privaten Parkplätze soll auf dem ersten Teilabschnitt um 30 Prozent reduziert werden, und die öffentlichen Stellplätze sogar um 40 Prozent gegenüber dem, was andernorts üblich ist. Die Konsequenz daraus: Der öffentliche Nahverkehr muss ausgebaut werden. "Wir müssen die Straßenbahn verlängern, die U-Bahn allein reicht nicht", fährt Ruf fort. Es soll außerdem Car-Sharing-Stationen, Leihräder und attraktive Fuß- und Radwege geben.

Hier wächst Nürnbergs neuer Stadtteil

Bis 17. Januar kann der Bebauungsplan-Entwurf für den ersten Abschnitt "Hasenbuck Süd" im Stadtplanungsamt in der Lorenzer Straße eingesehen werden. Noch im Frühjahr soll der Stadtrat dann darüber abstimmen und Baurecht schaffen. "Der Baubeginn für dieses Gebiet müsste 2020 möglich sein", ist Ruf optimistisch. Die ersten Häuser werden im Anschluss an die Hasenbuck-Siedlung errichtet werden.

"Urbanes Gebiet"

Noch in diesem Jahr soll auch das Bebauungsplanverfahren für den zweiten Abschnitt, für "Modul 2", eingeleitet werden. "Hier müssen wir die Nutzungen noch konkretisieren", sagt Ruf. Auf dieser Fläche soll ein sogenanntes urbanes Gebiet entstehen, also eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe, sozialen und kulturellen Einrichtungen. Doch noch ist unklar, wie viele Quadratmeter für Wohnen und wie viele für Gewerbe abfallen. Klar ist, dass es "zur Uni passen muss".

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Die wird auf den übrigen 37 Hektar gebaut werden, die der Freistaat dem Unternehmen Aurelis eben für 90 Millionen Euro abgekauft hat. "37 Hektar - das ist für eine Uni ganz schön groß", findet Ruf. Er hält es für möglich, dass auf dem Uni-Gelände auch einmal gewohnt wird.

Im bayerischen Wissenschaftsministerium laufen derweil die Vorbereitungen für einen städtebaulichen Wettbewerb für das Hochschulareal. Bis zu 6000 Studierende sollen künftig auf dem neuen Campus im Nürnberger Süden einmal ein und aus gehen. Der Freistaat will hier rund 1,2 Milliarden Euro investieren.

Sabine Stoll E-Mail

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