Lichtverschmutzung: Auf der Kaiserburg wird es bald dunkel

19.10.2019, 06:01 Uhr
Ein heller Hingucker in dunkler Nacht: Im Laufe des Novembers wird die Fassadenbeleuchtung der Nürnberger Kaiserburg ab 23 Uhr abgeschaltet.

Ein heller Hingucker in dunkler Nacht: Im Laufe des Novembers wird die Fassadenbeleuchtung der Nürnberger Kaiserburg ab 23 Uhr abgeschaltet. © Roland Fengler

Noch erstrahlt das historische Bauwerk bis 24 Uhr im Lichterschein, ebenso der Weinstadel, die Egidienkirche oder das Rathaus Wolff’scher Bau. Doch damit ist es bald vorbei. Auf Anfrage bestätigt Bürgermeister Christian Vogel: "Im Laufe des Novembers, auf jeden Fall so bald wie möglich, heißt es ab 23 Uhr, Licht aus." Das sei bereits mit der Bayerischen Schlösserverwaltung besprochen worden. Gleiches gilt für die Außenbeleuchtung aller öffentlichen Gebäude in Nürnberg. "Wir machen da keinerlei Ausnahme", fährt er fort.


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Bei der Sicherheitsbeleuchtung im Bereich von Straßen und Gehwegen sieht es jedoch anders aus. Sicherheit habe immer Priorität, zeigt sich Vogel kompromisslos. Deshalb werden auch bestimmte Punkte im Stadtgebiet weiterhin bis zur Morgendämmerung erhellt. Dazu gehören etwa der Kettensteg oder der Allersberger Tunnel.

Das Thema Lichtverschmutzung liegt Christian Vogel am Herzen, "allerdings ist die zeitliche Umsetzung nicht so einfach", räumt er ein. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die technische Umstellung. Vogel unterstreicht: "Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen, gleichzeitig ist es ein Appell an die Bürgerschaft. Welche Bedeutung Insekten für unser Ökosystem haben, ist vielen leider nicht bewusst."

Die Stadt weiß um die Licht-Problematik, der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) tauscht seit 2011 sukzessive alle Leuchten aus. Von den rund 48 900 Lampen im öffentlichen Verkehrsraum wurden bislang 9900 ausgetauscht; der LED-Anteil liegt also derzeit bei 20,2 Prozent

Problem minimiert, aber nicht gelöst

"Diese Leuchten sind nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern auch aus Artenschutzgründen von Vorteil. Die häufigste Todesursache beim Insekt ist die Verbrennung. Da LED kalt ist, fällt das weg. Die andere Todesursache ist die Erschöpfung, weil die Orientierung durch die Beleuchtung verloren geht", erklärt Vogel. Und verweist auf eine Studie, die auf der Wiener Donauinsel durchgeführt wurde. "Es zeigte sich, dass bisherige Lampen fünfmal mehr Insekten anlocken als LED."

Doch auch bei den LEDs gibt es Unterschiede: "Wir setzen auf warmweiße LED-Lichter mit einer Farbtemperatur unter 3000 Kelvin, denn neutralweiße Leuchten mit höheren Kelvin-Werten ziehen Insekten an", informiert Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Sör verwendet jedoch lediglich in der Altstadt warmweiße LEDs – "aus rein gestalterischen Gründen", so Vogel. Ansonsten kommt im Stadtgebiet die neutralweiße Variante zum Einsatz, denn diese sei "noch energieeffizienter". Dass es auch anders geht, zeigt Fulda, die erste ausgezeichnete "Sternenstadt" Deutschlands: Hier leuchten ausschließlich warmweiße LEDs.

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