Montag, 30.03.2020

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Löhe-Schulgeld steigt rasant: Nürnberger Privatschule in der Kritik

Eltern der evangelischen Schule protestieren gegen 150 statt 95 Euro im Monat - 14.01.2020 06:00 Uhr

dpa © dpa


Der für Schulen zuständige Dekan Dirk Wessel und Löhe-Schulleiter Mark Meinhard müssen zurzeit Briefe empörter Mütter und Väter beantworten. Laut Wessel hat der Schulausschuss des Dekanats Nürnberg, dem er vorsitzt, die Erhöhung beschlossen: "Es bleibt uns nichts anderes übrig." Das 40 Jahre alte Schulhaus müsse saniert werden, es fehlten dringend Räume. Nur wenn eine neue Grundschule gebaut werde, könne man im laufenden Betrieb die Schule renovieren. Wetzel sicherte den Eltern zu, dass der Schulbesuch der Kinder "bei niemandem an Geld scheitern wird".

Auf Anfrage würden Ermäßigungen gewährt, über einen Geschwisterrabatt denke man nach. Eine große Mehrheit der Eltern habe gegen die Schulgelderhöhung nicht protestiert. Rücklagen hat die Schule laut Wessel gerade einmal in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Das liege daran, dass die Löhe-Schule in der Vergangenheit "immer vornedran gewesen ist", sagt Schulleiter Meinhard. Er meint damit die Ganztagsbetreuung, moderne Schulturnhallen, Instrumente und ein Elektronenrastermikroskop, wovon die Schüler profitierten. Die Lage würde sich entspannen, wenn die Grundschule in einem Neubau vierzügig werden könnte, hofft er.

Eltern allerdings haben jetzt auch die Evangelische Landeskirche kritisiert, sie würde zu wenig Geld in die Bildung stecken. Nach Angaben von Dekan Wessel kommen rund sechs Prozent des Schulhaushalts in Höhe von 16 Millionen von der Landeskirche. Würde man die Schule mehr unterstützen, müsse in anderen Bereichen gekürzt werden, erklärt der Dekan. Schulleiter Mark Meinhard, der mit der Löhe-Schule die bundesweit größte evangelische Gesamtschule leitet, blickt neidisch auf die katholische Maria-Ward-Schule in Nürnberg. Dort entsteht gerade ein Neubau für 70 Millionen Euro. Trotzdem liegt das Schulgeld der 1241 Schülerinnen bei 35 Euro im Monat; eine Befreiung sei möglich, das zweite Kind einer Familie zahle nur die Hälfte, das dritte gar nichts mehr, sagt Maria-Ward-Chef Nikolaus Groß.

An die letzte Erhöhung könne sich im Schulhaus niemand mehr erinnern. Das Erzbistum Bamberg investiert nach eigenen Angaben in den Neu- und Umbau all seiner Schulen bis 2022 rund 120 Millionen Euro. Die Bildung sei Erzbischof Ludwig Schick "wichtig und teuer", freut sich Nikolaus Groß. Eine solche Kirche habe man "nicht im Rücken", schreibt dagegen sein Kollege von der Löhe-Schule in der Schulzeitung. Seit der letzten Anhebung im Jahr 2016 müsse man jetzt eine Verdopplung des Schulgeldes hinnehmen, heißt es in Beschwerdebriefen von Eltern. Davor hatten die Eltern 75 Euro zahlen müssen. Trudi Götz, Mutter von zwei Kindern an der Löhe-Schule, ist der Auffassung, "die Erhöhung schließt viele Eltern aus". Sie befürchtet, dass der Obolus bei steigenden Kosten für Sanierung und Neubau weiter steigen werde und Familien ihre Kinder abmelden.

(Gymnasien: schwarze Eule - Realschulen: Brille mit Buch - Gesamtschulen: blaues Buch - Mittelschulen: grünes Buch)

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Dabei ist es gar nicht einfach, überhaupt einen Platz in der Löhe-Schule zu bekommen. Jedes Jahr übersteigen die Anfragen die Aufnahmekapazitäten, bestätigt Dekan Wessel. "Mit den Absagen frustrieren wir viele Familien." Die freie Adolf-Reichwein-Realschule im Stadtnorden verlangt für den Ganztagsunterricht 345 Euro im Monat. Das Finanzierungsmodell sei mit den kirchlichen Einrichtungen "überhaupt nicht zu vergleichen", betont Schulleiter Gerhard Helgert; ein hoher Prozentsatz der Eltern profitiere vom Ermäßigungsfonds und zahle weniger. Helgert ist auch für die reformpädagogische Jenaplan-Grundschule in der Pillenreuther Straße zuständig, wo die Eltern zwischen 215 und 305 Euro im Monat bezahlen – bei wenig Einkommen auch weniger. Man habe nicht erhöhen müssen, weil der Freistaat die Zuschüsse leicht angehoben habe, sagt Helgert.

23 Prozent der Eltern, die Kinder an der privaten Rudolf-Steiner-Schule haben, zahlen weniger als die regulären 340 Euro im Monat. Der reguläre Beitrag sinke außerdem bei zwei Kindern auf 442 Euro, bei drei auf 536 Euro, sagt Stefan Laumer, der Vorsitzende des Schulvereins. Zum Monatsbeitrag der fast 1000 Schüler kommen noch 14 Euro Baugeld für den Festsaal und 2,50 Euro für die Krippenbauten dazu.

Von Jutta Olschewski (epd) und Claudine Stauber

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