Lustvolles Laub-Labyrinth

8.8.2007, 00:00 Uhr
Die Pforte zum Reich der Poesie: Der Irrhain bei Kraftshof lockt mit Alleen und lauschigen Labyrinthen.

© Eduard Weigert Die Pforte zum Reich der Poesie: Der Irrhain bei Kraftshof lockt mit Alleen und lauschigen Labyrinthen.

Dort, wo der monströse Heuwender gerade Staub aufwirbelt, lädt eine schmucke Sandsteinpforte ein ins barocke Reich der Poeten. Die Wehrkirche von Kraftshof im Kreuz, betreten wir eine dunkel überwachsene Allee, dann kiesbestreute Wege, die sich in der kaum gezähmten Wildnis zu verlieren scheinen.

1676 hat sich der Pegnesische Blumenorden, ein bürgerlicher Literaturklub, den Irrhain geschaffen. Er löste den ursprünglichen Treffpunkt der Dichter ab, der am Pegnitzufer in der Nähe des heutigen Westbads lag. Der Fluss gab dem Klub den Namen. Blumig war man selbst, alle Mitglieder trugen antike Schäfernamen. Ein Johann Augustin Dietelmair etwa nannte sich Irenäus, Georg Wolfgang Panzer hieß Theophobus und Johann Friedrich Cramer wurde zart Irenander gerufen.

Noch heute gehört das schattige Areal dem Orden, nach Jahrzehnten des Verfalls wieder hergerichtet, steht es heute unter Naturschutz. Nicht weil hier die Poesie vorm Aussterben bewahrt werden müsste. Es ist der selten gewordene schwarze Eremitenkäfer, der hier ungestört krabbeln darf.

Es bietet sich an, den Irrhain mit dem Fahrrad von der Nordstadt aus über die Dörfer anzusteuern. Vom Kleinreuther Weg her leiten Schilder die Radler nach Norden. Doch Vorsicht, die Irrhainstraße führt nur ungefähr zum Ziel. In Kraftshof muss man sich nach rechts über die Felder durchschlagen, bis man vor den Gedenksteinen verblichener Dichter steht.

Auf den Ausflug einstimmen kann man sich auf der Internetseite des Pegnesischen Blumenordens (www.irrhain.de), auf der sich auch zeitgenössische Literatur findet. Auch die Geschichte der Literaturgesellschaft kann hier nachgelesen werden. c.s.