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«Manche denken, ich brauche illegale Drogen«

Thorsten Weber alias DJ Rewerb über das Schubladen-Denken - 18.04.2009

"Die meisten halten mich für einen Bankangestellten" - Thorsten Weber hinter den Plattentellern.

10.02.2011 © Eduard Weigert


Herr Weber, Sie tragen weder Hut noch Sonnenbrille und sehen auch sonst ganz normal aus, Sie können doch unmöglich DJ sein?

Weber: Ich bin mit Sicherheit nicht typisch für das Gewerbe, von mir erwarten die wenigsten, dass ich in Clubs hinter dem Plattenteller zu finden bin. Die meisten halten mich für einen Bankangestellten.

So falsch liegen Sie damit gar nicht, oder ?

Weber: Ich habe Medienwissenschaft studiert und arbeite jetzt als Systemprogrammierer in der Internetadministration. Musik aufzulegen, ist bloß ein Hobby, das derzeit immer weiter ausufert.

Hat Ihr Arbeitgeber keine Probleme damit, dass sie nach Dienstschluss vom seriösen Umfeld in die Club-Szene wechseln?

Weber: Mein Arbeitgeber weiß natürlich Bescheid, die Reaktionen der Kollegen fallen recht unterschiedlich aus. Ich versuche, diese beiden Welten zu trennen, obwohl das schwer ist. Kollegen, denen das, was ich mache, gefällt, wollten mich schon mal für eine Firmenveranstaltung engagieren. Andere schütteln den Kopf und können vor allem nicht begreifen, dass ich für Leute auflege, die halb so alt sind wie ich.

Und, warum tun Sie das?

Weber: Es ist ein unglaublicher Adrenalin-Kick, auf einer Bühne zu stehen und aufzulegen. Es ist ein bisschen wie beim Bungee-Jumping. Ich lege am liebsten den ganzen Abend alleine auf, da komme ich in einen richtigen Flow hinein und kann die Stimmung mit der Musik beeinflussen. Es schaut zwar ganz einfach aus, aber es ist eine Kunst, die richtigen Übergänge zu schaffen und das Publikum auf eine musikalische Reise mitzunehmen.

Wie wird man denn DJ?

Weber: Eine Ausbildung gibt es nicht. Ich habe ganz klassisch auf Schulpartys angefangen. Wir waren damals zu fünft und jeder hat irgendwelche Cassetten mitgebracht. Dann habe ich entdeckt, dass man die Musik Takt in Takt mischen und so nahtlose Übergänge schaffen kann. Mitte der neunziger Jahre habe ich das erste Mal richtig offiziell vor Publikum aufgelegt, und dann ging das so weiter.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Auftritte vor? Sortieren Sie die Songs vorher auf dem Computer?

Weber: Es gibt zwar Kollegen, die mit dem Laptop arbeiten, aber ich käme damit nicht zurecht. Da hätte ich dann 5000 Titel zur Auswahl, das ist viel zu viel! Lieber versuche ich, mir vorab das Publikum und die Stimmung des Abends vorzustellen und treffe dann eine Vorauswahl. Mit zwei jeweils gut 30 Kilo schweren Taschen ziehe ich los, da sind rund 200 Schallplatten und 100 CDs drin. Zu Hause habe ich Tausende, ich habe es aufgegeben, sie zu zählen.

Hatten Sie mal Probleme, weil sie nicht dem Klischee des flippigen Partylöwen entsprechen?

Weber: Wer mich bucht, weiß in der Regel, was ich auf einer Tanzfläche bewegen kann. Die Leute, die hinter der Bar arbeiten, stecken mich schon mal in die BWLer-Ecke; manche Gäste wiederum können sich nicht vorstellen, dass man den nächtlichen Stress ohne illegale Drogen aushalten kann. Doch das ist eine Frage der Gewöhnung.

Und zum Hauptberuf wollten Sie das DJ-Dasein nie machen?

Weber: Das wäre mir zu unsicher und auch zu gefährlich, denn auf die Dauer gehen die langen Nächte doch an die Substanz. Ich genieße meine normale Arbeit und die Sicherheit, die sie mir gibt. Sie gibt mir auch die Freiheit, mir auszusuchen, wo ich auflege und wo nicht.

Merken Sie immer, ob Ihre Musikmischung ankommt?

Weber: Wenn die Tanzfläche voll ist und alle Hände nach oben gehen, muss ich mir keine Sorgen machen. Und das ist für mich auch die Bestätigung, die ich brauche. Man hat ja als DJ eine ziemlich große Verantwortung für das Gelingen des Abends, deshalb bin ich auch immer im Vorfeld nervös.

Haben Sie manchmal Vorurteile gegenüber Ihrem Publikum?

Weber: Es gibt schon Leute, die man in Sekundenbruchteilen in eine Schublade steckt – und dann merkt, dass man sich getäuscht hat. Frauen sind auf jeden Fall einfacher auf die Tanzfläche zu bekommen. Das Schlimmste wäre wohl ein Firmenfest für Systemprogrammierer. Da sind dann zu 99 Prozent Männer, und die in Bewegung zu bringen, ist vermutlich schwer. Aber vielleicht ist das auch nur ein Vorurteil – und ich würde es auf jeden Fall ausprobieren.

Die nächsten Termine mit DJ Rewerb: 30.4. Paisley Erlangen, 9.5. E-Werk Erlangen, 23.5. Parkcafé Nürnberg.

Silke Roennefahrt

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