Masken als drittes Standbein

5.10.2020, 18:05 Uhr
Der geschäftsführende Gesellschafter Michael Welck und seine Tochter Verena Welck (Marketing, Verkauf) an der Produktionsstätte für medizinische Gesichtsmasken.

Der geschäftsführende Gesellschafter Michael Welck und seine Tochter Verena Welck (Marketing, Verkauf) an der Produktionsstätte für medizinische Gesichtsmasken. © Foto: Armin Leberzammer

"Wir haben uns dann relativ bald Kompetenzen wie Falten und Kleben angeeignet", berichtet Michael Welck über die Anfänge seiner Vorfahren Robert und Paul Voit. Aus einem Handelsunternehmen wurde somit ein spezialisierter, verarbeitender Betrieb und das ist die Gebrüder Voit GmbH bis heute geblieben. Alleine im Segment Staubsaugerbeutel werden am Standort im Nürnberger Norden pro Schicht 20 000 Exemplare gefertigt.

Deutlich mehr, nämlich rund 2,5 Millionen Stück, gingen inzwischen von den medizinischen Gesichtsmasken an Kliniken, Apotheken und Privatpersonen. Die Idee, mit der nun allgegenwärtigen Schutzausrüstung ein drittes Standbein zu schaffen, hatten der 61-jährige geschäftsführende Gesellschafter und seine 31-jährige Tochter Verena Welck bereits Anfang des Jahres: "Als die ersten Ärzte in Italien starben, weil sie keine Schutzmasken mehr hatten", nennt Michael Welck als seine wichtigste Motivation.

Investition von einer Million Euro

Als Krisengewinner sehen sich die beiden aber keineswegs. "Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass Corona schon längst vorbei sein würde bis bei uns die Produktion anläuft", sagt Verena Welck. Rund eine Million Euro hat das Unternehmen in einen Anbau investiert, wo nun seit Mai unter hohen hygienischen Auflagen die Masken produziert werden. Dabei habe die Firma von ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich von Filtern und Vliesen profitieren können.

Blick in die Maskenproduktion: Die Gebrüder Voit haben Anfang 2020 rund eine Million Euro in einen Anbau investiert, wo die Nasen-Mund-Schutze hergestellt werden.

Blick in die Maskenproduktion: Die Gebrüder Voit haben Anfang 2020 rund eine Million Euro in einen Anbau investiert, wo die Nasen-Mund-Schutze hergestellt werden. © Foto: Stephan Sobiesinsky/Gebrüder Voit GmbH

Die Voit FaceMask besteht aus hypoallergenen, geschmeidigen Vliesstoffen. Deren Verarbeitung kenne man durch die Staubsaugerbeutelherstellung schon lange. "Das Besondere an unserer Maske ist ihr spezieller Mikro-Keimfilter, der die Atmungsaktivität verbessert bei gleichzeitig optimaler Filterleistung", sagt der Firmenchef. Deren drei Lagen sind übrigens auch ein Zeichen für europäische Zusammenarbeit: Jeweils ein Vlies kommt aus Deutschland, Belgien und Frankreich.

Zum Kundenkreis zählen neben Krankenhäusern und dem Großhandel auch Privatleute. Für sie hat das Unternehmen montags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr einen Fabrikverkauf eingerichtet. Und die Abnehmer sind offenbar zufrieden. Michael Welck jedenfalls berichtet von keinerlei Reklamationen, stattdessen werde die "FaceMask made in Nürnberg" wegen ihrer im Vergleich zu anderen Masken besseren Luftdurchlässigkeit geschätzt.

Das Geschäft mit den Staubsaugerbeuteln läuft derweil konstant weiter, hat allerdings laut Michael Welck in den vergangenen 20 Jahren einen technologischen Wandel erlebt. Es komme kaum noch Papier zum Einsatz, weil die Kunststoffe wesentlich bessere Filterleistungen erbringen und längere Einsatzzeiten ermöglichen. "Wir liefern sogar nach China", berichtet er. Dort stelle unter anderem einer der weltweit führenden Produzenten – seit langem Geschäftspartner der Gebrüder Voit GmbH – seine Staubsauger her. Den für die Auslieferung notwendigen ersten Beutel in der erwarteten Qualität zu liefern, habe jedoch keiner der chinesischen Mitbewerber geschafft.

Rund um die Schallplatte

Bleibt noch das dritte Produktsegment des Nürnberger Familienunternehmens, in das mit Verena Welck die mittlerweile fünfte Generation eingestiegen ist: Druckerzeugnisse für alles rund um die Schallplatte. Vom kreisrunden Papierlabel für die Platte selbst, über Booklets bis hin zu aufwändig gestalteten Covern. Hier ist Voit seit Jahrzehnten im Markt und profitiert nun von dem Trend zurück zum Tonträger aus Vinyl. Auf etwa 20 bis 25 Prozent schätzt Welck den Anteil seiner Firma am europaweiten Geschäft mit Papier und Pappe an der Schallplatte: "Wir beliefern Presswerke von Lettland bis Irland."

Eine Stärke der Nürnberger neben der jahrzehntelangen Erfahrung ist für ihn die Möglichkeit auch kleine Auflagen von 100 oder 500 Schallplatten kostengünstig zuliefern zu können. Pressungen in vier- oder gar fünfstelliger Höhe gebe es heute höchstens noch bei Neu- oder Wiederveröffentlichungen weltbekannter Künstler. Dabei setzt das Unternehmen unter anderem noch Maschinen oder einzelne Bauteile von diesen ein, die zum Teil noch aus den 1950er Jahren stammen. "Die lassen sich einfach viel schneller umrüsten als neue Maschinen", erläutert Michael Welck.

Mit nun drei tragenden Säulen gibt er für die Gebrüder Voit GmbH nicht vorrangig Wachstum als Geschäftsziel aus: "Statt Expansion wollen wir die Qualität unserer Produkte und des Herstellungsprozesses stetig weiter verbessern." Den Umsatz beziffert er nicht genauer, liege aber bei 45 Mitarbeitern im siebenstelligen Bereich. Mit Beginn der Maskenproduktion seien noch einmal fünf zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt worden.

Werben um Azubis

Azubis gibt es unter der Belegschaft aktuell nicht, künftig wolle man aber wieder verstärkt bei jungen Menschen für Ausbildungsberufe wie Verpackungsmitteltechnologen oder Maschinen- und Anlagenführer werben.

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