Mega-Projekt: Nürnbergs neue Spitzen-Uni startet deutlich früher

21.7.2020, 17:30 Uhr
Auf diesem Areal an der Brunecker Straße soll der neue Uni-Campus entstehen.

Auf diesem Areal an der Brunecker Straße soll der neue Uni-Campus entstehen. © Bischof & Broel

Es sind nur wenige Zeilen, die allerdings Sprengstoff bergen. "Der Freistaat", heißt es in einem Kabinetts-Bulletin, das den Nürnberger Nachrichten vorliegt, "beschleunigt den Aufbau der Technischen Universität Nürnberg". Bislang war der Start für das Jahr 2025 geplant, im Hintergrund laufen die Planungen. Doch jetzt soll alles ganz schnell gehen.

"Der Gründungsprozess der Universität schreitet auf allen Ebenen mit großen Schritten voran", heißt es in dem Papier. Personal sei angeworben worden, erste "hochqualifizierte Bewerbungen" eingegangen. Sie zeigen, "dass die TUN als bedeutendes Wissenschaftsprojekt der Staatsregierung in der Fachwelt auch international positiv wahrgenommen wird".


Nürnbergs neue Uni: So geht es bei den Planungen voran


Auch einen konkreten Zeitplan legt die Regierung vor. Schon 2021 soll der Forschungs- und Lehrbetrieb schrittweise aufgenommen werden, im Wintersemester 2023/2024 das erste Master-Programm an der TUN angeboten werden.

Schon zum 1. Januar des kommenden Jahres wird die Universität formell eingerichtet werden - noch im selben Jahr dürften erste Onlineangebote an den Start gehen. "Damit kann der Studienbetrieb schon vor der Fertigstellung der ersten Gebäude schrittweise aufgenommen werden", heißt es in dem Bulletin.

Flache Hierarchien und Digitalisierung im Fokus

Nürnbergs neue Universität, da sind sich Staatsregierung und die Stadt einig, soll Maßstäbe setzen. Flache Hierarchien, keine klassischen Lehrstühle, Digitalisierung, mit diesen Schlagworten arbeiten die Verantwortlichen. Der Alt-Oberbürgermeister Ulrich Maly sprach von einem "Segen für die Stadt", die Wirtschaft erwartet einen gewaltigen Schub für die ganze Region. Der Freistaat investiert rund 1,2 Millarden in den Aufbau der Uni an der Brunecker Straße, einem Areal im Süden Nürnbergs. In den kommenden Jahren sollen bis zu 6000 Menschen aus aller Welt gleichzeitig an der TUN studieren können.

Die Verantwortlichen betonen: Die Corona-Pandemie hat die Planungen nicht ausgebremst. Eine Verschiebung des Starttermins, das sagte Wisssenschaftsminister Bernd Sibler vor Wochen, komme nicht in Frage. Stattdessen jetzt der neue ehrgeizige Zeitplan. Schon 2021 solle es erste gemeinsame Forschungsprojekte mit "Partnern aus Wissenschaft und Industrie" geben, heißt es in dem Bulletin. "Bei der baulichen Umsetzung arbeiten der Freistaat und die Stadt Nürnberg zielorientiert Hand in Hand zusammen".

Planungsauftrag bereits erteilt

Der Planungsauftrag für die Umwidmung des Grundstücks sowie das sogenannte Verfügungsgebäude, in dem die Verwaltung untergebracht werden soll, seien bereits erteilt worden. "Damit wird in Nordbayern komplementär zu den bestehenden Einrichtungen langfristig Wissenschaft und Forschung auf Spitzenniveau aufgebaut", so die Staatsregierung in dem Bulletin.

"Da nützen Leuchttürme nichts, wenn Schiffe zerschellen"

Auch Nürnbergs Oberbürgermeister jubelt. Marcus König spricht von einem "der großen Zukunftsprojekte für die Stadt". Der CSU-Politiker verspricht sich Impulse für Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft. "Die Stadt Nürnberg freut sich, dass die Staatsregierung die Gründung und den Aufbau der Technischen Universität mit großem Engagement vorantreibt."

Kritik kommt von den Grünen - sie kritisieren die Hochschulpolitik in Bayern scharf. Dass die Staatsregierung bei der TUN voranschreitet, begrüße man zwar, heißt es in einer Mitteilung. "Dennoch sehen wir mit Sorge, dass die versprochenen 1,5 Milliarden Euro für die Sanierung der FAU Erlangen bislang noch reine Luftschlösser sind. An den Universitäten bestehe ein Sanierungsstau von rund fünf Milliarden Euro. "Da nützen die ganzen Leuchttürme nichts, wenn andernorts überall die Schiffe zerschellen", sagt die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Verena Osgyan.

Ein haltloser Vorwurf, sagt Bayerns Wissenschaftminister Sibler. "Wir müssen das Eine tun und dürfen das Andere nicht lassen." Gerade in den vergangenen Wochen habe man für die Friedrich-Alexander-Universität wichtige Projekte vorangebracht. "Wir haben die Sanierung und den Umbau des Himbeerpalasts im Erlanger Zentrum genehmigt und werden die Unterbringung der Erziehungswissenschaften in Nürnberg durch einen Bestellbau lösen."

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