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Millionengrab: Leck in der Delfin-Lagune beschäftigt die Justiz

War das Fugen-Problem bereits bekannt? - 06.10.2020 16:20 Uhr

Die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens bereitet seit Jahren Probleme. 

© News5/Grundmann


Besonders gut war der Auftritt der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten von Anfang an nicht: teuer und defekt, sanierungsbedürftig schon vor der Eröffnungsfeier im Sommer 2011 – und jetzt auch noch ein Millionengrab für die Stadt? Wie viel das Desaster mit der undichten Fuge und diversen anderen Baumängeln am Ende kosten wird, ist momentan schwer abschätzbar, aber die Größenordnung ist im Mittelfristigen Investitionsplan der Stadt festgehalten.

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Dort sind sechs Millionen Euro für die Sanierung der maroden Attraktion eingeplant. Für den wesentlichen Schaden, die undichte Fuge am oberen Beckenrand, macht die Stadt Nürnberg das Architektur- und Planungsbüro verantwortlich und hat vor dem Landgericht Klage eingereicht. Rund eine Million Euro fordert sie und scheint in dem Streit die besseren Karten in der Hand zu halten.

Keine Einigung

Die 12. Zivilkammer des Landgerichts, wo die Klage anhängig ist, hat dies Ende letzten Jahres bei einem ersten Zusammentreffen der streitenden Parteien signalisiert, eine gütliche außergerichtliche Einigung empfohlen und den Fall vorübergehend auf Eis gelegt. Doch die Einigung kam nicht zustande. "Die Verhandlungen der streitenden Parteien sind gescheitert. Es wird zum Prozess kommen", erklärt Justizsprecher Friedrich Weitner.

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Die Serie an Pannen und Baumängeln an der Delfinlagune reißt nicht ab. Rostiger Beton, Abplatzungen, undichte Fugen — mit diesen Problemen kämpft der Nürnberger Tiergarten an seinem Vorzeige-Bauwerk schon seit der Eröffnung im Jahr 2011. Gutachter untersuchen jetzt den Beton nach Schäden. Nürnbergs Baureferent sucht nach dauerhaften Lösungen.


Er rechnet damit, dass der Showdown im Gerichtssaal erst im neuen Jahr stattfinden wird. Der Trumpf, den die Stadt in der gerichtlichen Auseinandersetzung in der Hand hält, ist ein mehrere Hundert Seiten starkes Gutachten. Es wurde in einem sogenannten Beweissicherungsverfahren angefertigt, das von der Stadt angeschoben wurde und der Klage vorausging. Darin ist festgehalten, zugeordnet in Prozentgröße, welche am Bau beteiligten Firmen und Personen für welche Schäden verantwortlich sind.

Strafverfahren von "Peta"

Einblicke in die Verantwortlichkeiten beim Bau der fehlerhaften Lagune lieferte bereits ein Strafverfahren, das die Tierschutzorganisation "Peta" angestrengt hatte. Ein leitender Mitarbeiter des Planungsbüros, der das undichte Fugenmaterial alleinverantwortlich ausgewählt haben soll, erhielt wegen Umweltverschmutzung einen Strafbefehl im vierstelligen Bereich. Mehrere Millionen Liter salzhaltiges Wasser, die durch die Fuge in ein angrenzendes Waldgebiet strömten, hatten Dutzende Bäume beschädigt oder zum Absterben gebracht.


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War das Leck schon länger bekannt?

Zu den Akten dieses Verfahrens gehört auch eine umfangreiche Aussage der städtischen Lagunen-Projektleiterin. Sie ist angesichts der städtischen Schadensersatzforderungen an die Adresse der Planer nicht ohne Brisanz. Ihre Schilderung der Abläufe, wonach das Leck in der Lagune ihr und den Verantwortlichen schon Wochen vor der Eröffnung bekannt gewesen sei, steht im krassen Widerspruch zur langen Zeit, die Stadt und der Tiergarten brauchten, um das Desaster öffentlich einzuräumen.

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Juristisch ist der peinliche Blick der Projektleiterin hinter die Kulissen der Amtsstuben von eher untergeordneter Relevanz. Anders sieht es mit ihren Angaben zur frühen Bauphase der Beckenanlage im Jahr 2009 aus. Bereits als die Becken und die "berühmte" Fuge nur auf den Plänen und Zeichnungen der Architekten existierten, sei das vorgesehene Fugenmaterial längst als ungeeignet entlarvt gewesen, erklärt die Projektleiterin in ihrer Aussage.

Probleme mehrmals thematisiert

Sie verweist dabei auch auf den allmonatlichen Jour Fix, an dem alle Entscheidungsträger der Stadt, des Tiergartens, der Firmen und sonstiger Einrichtungen teilgenommen hätten, um die Weichen für das Vorzeigeprojekt zu stellen. Dort, so die damalige Projektleiterin, sei die Unbrauchbarkeit des Fugenmaterials mehrmals thematisiert worden, dann aber einfach untergegangen. Rächt sich diese "Mitwisserschaft" der Stadt Nürnberg jetzt im anstehenden Schadensersatz-Prozess?

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Allein die Wiederinbetriebnahme des alten Delfinariums, eine Grundvoraussetzung für die Sanierung der Lagune, verschlang bereits stolze 1,3 Millionen Euro. Weit davon entfernt werden am Ende auch die Gerichts- und Anwaltskosten nicht liegen. Knapp eine halbe Million städtischer Mittel kostete schon das Beweissicherungsverfahren und mindestens eine beteiligte Firma ist insolvent und fällt für Schadensersatz aus.


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Helmut Reister

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