Aufbau für das Frühlingsfest

Mit neuen Attraktionen: Schausteller hoffen auf "reguläre" Saison

Ressort: Lokales Online..Datum: 18.10.16..Foto: Edgar Pfrogner..Motiv: Kreatives Frühstück, Porträt Wolfgang Heilig-Achneck, Mitarbeiterportrait
Wolfgang Heilig-Achneck

Lokalredaktion

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5.4.2022, 12:47 Uhr
Bald geht es hier wieder rund: In einem Fahrgeschäft machen Mitarbeiter die Autoscooter startklar für das Frühlingsfest. 

© Michael Matejka, NNZ Bald geht es hier wieder rund: In einem Fahrgeschäft machen Mitarbeiter die Autoscooter startklar für das Frühlingsfest. 

Mitten im Schneegestöber haben Lorenz und Heidi Kalb vor ein paar Tagen ihre warme Wohnung zugesperrt und sich auf dem Nürnberger Volksfestplatz häuslich eingerichtet. "Kein normaler Mensch zieht jetzt in den doch zugigen Wohnwagen, aber wir lieben unser Geschäft, wir wollen wieder raus und arbeiten", sagt der Vorsitzende des Süddeutschen Schaustellerverbands. Längst haben auch viele Kollegen ihr Quartier auf dem Gelände an der Kongresshalle bezogen - und den alten Fußballerspruch "die Wahrheit ist auf'm Platz" beziehen sie allemal auch auf sich.

Nun wird hier wieder eifrig gehämmert, geschraubt, gebohrt und vor allem geputzt. Denn viele Betriebe haben eine verdammt lange Pause hinter sich, nicht nur den Winter, sondern auch noch eine lange Corona-Durststrecke. Und langsam wachsen auch die ersten Belustigungs- und Fahrgeschäfte in die Höhe. Als Top-Zugpferde sind gleich drei Achterbahnen und der höchste Kettenflieger der Welt angekündigt, der als Maibaum im Riesenformat gestaltet ist, außerdem ein doppelstöckiger Gastrotempel, das "Volksfest Herzla".

Eröffnet wird der Vergnügungsreigen in zehn Tagen, traditionell an Karsamstag. Grünes Licht hatte die Politik ja schon vor einiger Zeit gegeben, sodass die Planungen Fahrt aufnehmen konnten. Und die Nase vorn beim Start in die Saison hatte diesmal das Würzburger Frühlingsfest. "Die Menschen zieht es wieder nach draußen, das war ganz deutlich zu spüren", heißt es beim Schaustellerverband. Und das erwarten die Mitglieder auch für Nürnberg - trotz des Kriegs in der Ukraine. Eine erneute Absage wollen die Verantwortlichen bei der Stadt - jedenfalls nach gegenwärtigem Stand - sowohl den Schaustellern wie den Besuchern ersparen. "Für die einen geht es um ihre Existenz, und wer kommt, soll auch ein paar Stunden Abwechslung vom Alltag und eine Auszeit erleben, das ist auch wichtig", sagt Oberbürgermeister Marcus König.

Die Schausteller setzen große Hoffnungen auf eine wieder halbwegs normale Saison. Denn so gut die Sommertage in der Nürnberger Altstadt vor zwei Jahren und das NürnBärLand im vergangenen Sommer auch angenommen wurden - sie waren nicht mehr als ein schwacher Ersatz. Dazu kam, dass die bayerische Staatsregierung auch gleich zweimal nacheinander sämtlichen Weihnachtsmärkten einen Riegel vorgeschoben hatte.

Lücken, die nicht nur, aber vor allem Corona verursacht hat, zeigen sich nun auch am Frühlingsfest: Viele Stammkunden schätzten beispielsweise die Spezialitäten der Fischbraterei Pazdera - und werden diese nun ebenso vergeblich wie die Wirtszelte der Familien Friedelsberger und Kainz suchen. Und selbst bekannte Hähnchenbrater haben dreimal überlegt, ob sie wirklich weitermachen können und wollen.

Betriebsaufgaben im Schaustellerbereich verzeichnet auch die kommunale Wirtschaftsstatistik: Gab es 2019 in Nürnberg noch 64 einschlägige Betriebe wie Karussells, Los- und andere Buden, waren es 2020 schon nur noch 46. "In unserer Branche gibt es ausnahmslos mittelständische Betriebe. Die haben inzwischen nicht nur Rücklagen, sondern teilweise auch ihre Altersvorsorge aufgebraucht", stellt Kalb fest. Am heutigen Mittwoch steht er als Gast auch den Stadträten im Nürnberger Rechts- und Wirtschaftsausschuss Rede und Antwort zur Lage des Gewerbes.

Immerhin konnten Betriebe Überbrückungshilfen von Bund und Land in Anspruch nehmen, um - je nach Umsatzeinbruch - wenigstens Zuschüsse für "förderfähige Fixkosten" zu erhalten. Noch bis Ende Mai können Schausteller und Marktkaufleute zudem Sonderhilfen aus einem Programm "Weihnachtsmärkte" für zwischen November und März abgesagte Advents- und Jahresmärkte beantragen. Für das kommende Jahr hat sich die Stadt eine Teilsanierung des Volksfestplatzes vorgenommen. So sollen die Lampen auf energiesparende LED-Technik umgestellt und Flächen befestigt werden, auf denen gewöhnlich besonders schwere Fahrgeschäfte aufgebaut.

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