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Neuer Gorilla Thomas: Tiergarten klärt Sex-Gerücht auf

Silberrücken muss sich an einen neuen Tagesrhythmus gewöhnen - 31.10.2018 11:15 Uhr

Erster Blickkontakt durch die Scheibe: Thomas (vorne) und Habibu. © Tiergarten Nürnberg


Der 15-jährige Gorillamann namens Thomas war vergangenen Freitag am Schmausenbuck angekommen. Nach der langen Reise von Spanien nach Franken war der neue Zoobewohner erst mal erschöpft. "Er hat bis in den frühen Nachmittag in seinem Schlafkäfig gepennt", erzählt Tiergartendirektor Dag Encke. Sobald Thomas ausgeschlafen hatte, erkundete er sein neues Zuhause. "Er ist durch alle Schieber durchgerannt, weil er wohl damit gerechnet hat, dass irgendwo ein anderer Silberrücken hockt", sagt Encke.

Thomas hat die meiste Zeit seines Lebens in einer Junggesellengruppe verbracht. Dass er es am Schmausenbuck ausschließlich mit Weibchen zu tun hat, kam für ihn doch ziemlich überraschend. In Rotterdam, wo er das Licht der Welt erblickte, war er in einer großen Gruppe aufgewachsen. Dort lebten einige Gorillafamilien zusammen. "Deshalb ist er gut sozialisiert", sagt Encke.

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"Hält Frauen ohne Gewalt in Schach"

Weil Thomas seinen Vater und den Bruder als respekteinflößende Gruppenchefs kannte, geht der Zoochef davon aus, dass der Gorilla in Nürnberg auch ein guter Boss sein wird. Seinen "Harem" lernte der Silberrücken zunächst durch Panzerglasscheiben kennen: die beiden über 40-jährigen – und damit bereits älteren – Damen Lena und Bianka, dazu die jungen Gorillafrauen Louna und Habibu.

Dann kam der Moment des ersten persönlichen Kontakts. Laut Encke hat Thomas ihn "super souverän" gemeistert. Wie er es als Jungtier gelernt habe, "hält er die Frauen ohne Gewalt in Schach, zu 90 Prozent nur durch Körperspannung". Keine leichte Aufgabe, denn die vier Gorilladamen traten seit dem Tod ihres vorherigen Anführers Fritz als eingeschworene Weibergruppe auf, in der Lena als Stärkste im Quartett die Leitung innehatte.

Nur kleinere Blessuren

Doch es war mit Bianka die Gruppenälteste, die erst einmal einen Feldzug gegen Thomas führte, wie Encke beobachtet hat. Weil sie für Habibu und Louna eine Art Mutterrolle übernommen hat, habe sie die beiden gegen Thomas beschützen wollen. Als die Weibchen ihrem neuen Mann zu selbstbewusst und teils aggressiv gegenübertraten, biss der ein paar Mal zu. "Aber immer haben die Frauen angefangen", betont der Tiergartenchef. Es habe nur "kleinere Blessuren" gegeben. Insgesamt sei das erste Zusammentreffen eher harmlos verlaufen und entspreche "dem normalen sozialen Verhalten" in freier Wildbahn. "Bei der Zusammenführung von Gorillas ist mit viel Blut zu rechnen", so Encke, "das war hier aber nicht so."

Inzwischen haben sich die Tiere so weit aneinander gewöhnt, dass die Pfleger das Affenhaus zeitweise für Besucher öffnen. Sollte Thomas mal einen müden Eindruck machen, liege das an seinem bisherigen, typisch spanischen Tagesrhythmus: In Valencia hielt er über die Mittagsstunden Siesta, war dafür abends munter. Es könne auch keine Rede davon sein, dass er keine Lust auf Sex habe. "Gorillas sind sehr dezent und paaren sich fast nie in der Öffentlichkeit."

Ute Wolf E-Mail

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