NN-Leser blickten hinter die Kulissen von Staedtler

26.8.2017, 10:24 Uhr

© Fotos: Stefan Hippel

Immer wieder schießen die Roboter den Gang auf und ab. Schnappen sich eine blaue Box, legen sie ab, holen die nächste und fahren sie blitzschnell nach vorn. Was für die NN-Leser wie das reinste Chaos aussieht, hat System, erklärt Eberhard Rüdel. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei Staedtler zuständig. Ein Computer entscheidet, welche Kiste mit Schreibwaren ein Roboter an welcher Stelle eines Regals ablegt. Produkte, die oft verkauft werden, sind im vorderen, andere im hinteren Teil zu finden. Damit Stifte, Radiergummis und Spitzer nicht zu lange liegen bleiben, greifen die Maschinen zunächst nach den Boxen, die früher eingetroffen sind.

Im Raum vor dem vollautomatisch betriebenem Lager stellt eine Kommissioniererin Päckchen mit Bunt-, Filzstiften und anderen Schreibwaren zusammen. Für welche Kunden sie bestimmt sind, muss die Frau gar nicht wissen. Wenn sie einen Fehler macht, wird ihr das am Bildschirm umgehend angezeigt. Der Computer kennt das Gewicht jedes Produkts und weiß daher genau, um welche Schreibwaren es sich handelt. Dass ein Kunde falsche Ware erhält, ist daher nahezu ausgeschlossen, sagt Rüdel: "Die Fehlerquote geht gegen null."

Das Eurologistikzentrum, in dem sich neben dem Behälterlager für Einzelkunden auch ein Hochregallager mit riesigen Kartons für Großkunden aus aller Welt befindet, ging vor zehn Jahren in Betrieb. Es komplettierte die Anlage an der Moosäckerstraße in Neunhof, in der das Traditionsunternehmen seit 1988 produziert.

"Das riecht hier schon nach Stiften", sagt eine Teilnehmerin, als die Gruppe die nächste Fertigungshalle betritt. Am Boden stehen Boxen, die ein teigiges Graphit-Ton-Gemisch enthalten. Damit keine Feuchtigkeit entweicht, sind sie mit Folien überzogen.

1000 Meter Minen-Spaghetti

An einer hydraulischen Presse bleibt Rüdel stehen. Man müsse sich das vorstellen wie eine große Spritze, sagt der Experte, der jedes Jahr unzählige Schulklassen und technikbegeisterte Studenten durch die Anlagen führt. Wenn das Gemisch durch ein Loch gepresst wird, würden etwa einen Kilometer lange Minen-Spaghetti entstehen. Damit es nicht so weit kommt, werden die noch recht biegsamen Minen nach je knapp 20 Zentimetern abgeschnitten. Ihre Härte erhalten sie später, unter anderem durch einen langwierigen Brennprozess.

Der Ursprung des 1835 von Johann Sebastian Staedtler gegründeten Unternehmens geht ins 17. Jahrhundert zurück. Im firmeneigenen Museum bekommen die NN-Leser einen Eindruck davon, wie aufwendig die Handarbeit des Bleistiftpioniers Friedrich Staedtler 1662 gewesen sein muss. Er war der Erste, der Bleistifte komplett von der Mine über das Zuschneiden des Holzstabes bis zum fertigen Stift produzierte und so den Weg für das gesamte Bleistiftmacherhandwerk ebnete. "Wenn er am Tag 50 bis 60 Bleistifte hergestellt hat, war das viel", sagt Rüdel: "Heute produzieren wir etwa 60 Stifte pro Sekunde."

Der Begriff Bleistift ist übrigens falsch, erklärt Rüdel. Denn Bleistifte enthalten gar kein Blei. Insofern sieht es Rüdel auch ein bisschen als seine - wenn auch erfolglose - Mission an, den Begriff Graphitstift unter die Leute zu bringen.

 

Keine Kommentare