Freitag, 28.02.2020

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Nur sein Club-Shirt behält er

Jens Möller hat mit "Trikots ohne Grenzen" schon 28 000 Euro gesammelt - 08.01.2019 14:00 Uhr

Egal ob vom 1. FC Nürnberg, Hannover 96 oder dem FC Augsburg (oben): Jens Möller (re.) sammelt alle Trikots und versteigert sie. © Fotos: Roland Fengler, privat


Was war Ihr erstes Fußballtrikot?

Jens Möller: Das war ein Club-Trikot aus der Bundesliga-Saison 1993/94. In der Saison gehörten Spieler wie Andy Köpke, Marc Oechler, Michael Wiesinger oder Sergio Zárate zum Kader des 1. FC Nürnberg. Die Namen dürften auch heute noch vielen Clubberern ein Begriff sein.

 

Und haben Sie es noch?

Möller: Ja, das Trikot hängt bei mir im Schrank und passt sogar noch. In den 90er Jahren fielen die Trikots ja etwas größer aus als heute. (lacht)

 

Inzwischen haben Sie schon etliche in den Händen gehabt. Wie viele hängen momentan im Schrank?

Möller: Aktuell ist der komplette "Trikot-Schrank" wieder leer, da gerade erst unsere Weihnachtsauktion lief. Dabei wurden alle Trikots, die wir dieses Jahr als Spende erhalten haben, zu schönen Preisen versteigert.

 

Vor fünf Jahren haben Sie mit "Trikots ohne Grenzen" angefangen. Überrascht, dass es noch läuft?

Möller: Am Anfang war es mir und meinen Mitstreitern nur wichtig, "Trikots ohne Grenzen" zum Laufen zu bringen. Ich fand die Idee einfach gut und hatte den Wunsch, mich für Kinder zu engagieren, die von Krieg, Epidemien und Naturkatastrophen bedroht sind. Das sich das Projekt so toll entwickelt hat, macht mich schon ein bisschen stolz, denn gerade in der Anfangszeit war es ganz schwer an Trikots zu kommen – unsere Organisation kannte ja keiner.

Inzwischen haben Sie wie viel Geld durch die Trikotverkäufe gesammelt?

Möller: Mit unserer Weihnachtsauktion 2017 haben wir die 25 000-Euro-Grenze durchbrochen. Das hat uns riesig gefreut, weil es uns gezeigt hat, dass wir mit unserer ehrenamtlichen Arbeit tatsächlich etwas bewirken können. Aus der diesjährigen Weihnachtsauktion sind noch nicht alle Trikots bezahlt worden, aber es sieht so aus, als ob wir mit großen Schritten Richtung 28 000 Euro gehen.

 

Was passiert mit dem Geld?

Möller: Wir haben all unsere bisher gesammelten Spendengelder eins zu eins an internationale Kinderhilfsprojekte weitergegeben. Im Jahr 2014 haben wir in Afrika Nothilfeprojekte in Ebola-Gebieten unterstützt, die Kindern und deren Familien eine medizinische Versorgung ermöglichten. 2015 haben wir den Erdbebenopfern in Nepal durch die Errichtung provisorischer Klassenzimmer geholfen. Zuletzt haben wir den Bau von Fußball- und Spielplätzen für syrische Flüchtlingskinder unterstützt, die aus ihrer Heimat fliehen mussten.

 

Wie kommen Sie an die Trikots?

Möller: Ich habe mir in den vergangenen Jahren zum Glück ein gutes Netzwerk zu Vereinen, Ausrüstern, Spielern, Trainern und Agenturen aufgebaut. Um an neue Trikots zu kommen, spreche ich gezielt Kontakte aus diesem Netzwerk an und meistens klappt es dann auch. Die Trikots bleiben dann in der Regel bis zu unserer jährlich stattfindenden Weinachtsauktion im Dezember bei uns. Unterjährig versteigern wir nur noch Trikots, wenn ein außergewöhnliches Ereignis wie eine Welt- oder Europameisterschaft ansteht.

 

Hatten Sie ein Lieblingsstück?

Möller: Wir haben so viele tolle Trikots bekommen, die mittlerweile aber schon alle für die gute Sache versteigert wurden. Mein persönliches Lieblingsstück war ein streng limitiertes Sondertrikot des 1. FC Kaiserslautern, das 2013 zum Tod des 1954er Weltmeisters Ottmar Walter aufgelegt wurde. Das hat mir sehr gut gefallen.

 

Und welches ging am besten?

Möller: Das war ein DFB-Trikot, das von unserer kompletten Weltmeistermannschaft 2014 signiert wurde. In einer Auktion unmittelbar nach dem Ende der Weltmeisterschaft in Brasilien haben wir es für 3121 Euro versteigert. Das war sagenhaft.

 

Welche Vereine schicken denn viel?

Möller: Das ist wirklich ganz unterschiedlich und variiert von Jahr zu Jahr. Drei Vereine unterstützen uns aber bereits von Beginn an regelmäßig: der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum 1848 und der FC Augsburg. Dafür sind wir unendlich dankbar und hoffen, dass das auch noch viele Jahre so bleibt.

 

Bevorzugt ihr für eure gemeinnützigen Auktionen Trikots mit oder ohne Namen?

Möller: Da bin ich völlig leidenschaftslos. Jedes Trikot, das wir für unser Projekt bekommen, ist uns eine große Hilfe. Es muss auch nicht unbedingt ein Trikot sein. Wir haben auch schon persönlich signierte Fußballschuhe von Bastian Schweinsteiger versteigert. Mit Erfolg.

 

Interview: TIMO SCHICKLER

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