Kunstwerk verschwunden

Nürnberg: Beliebter Bronze-Frosch im Stadtpark wurde gestohlen

15.7.2021, 05:45 Uhr
Das Kunstwerk

Das Kunstwerk "Faun und Frosch" von Gudrun Kunstmann stand seit 1953 in einer lauschigen Ecke des Stadtparks. © Hochbauamt Stadt Nürnberg

Generationen von Kindern haben sich über den knuffigen Bronze-Frosch im Stadtpark gefreut, aus dessen Maul Wasser sprudelte. Jetzt wurde das Kunstwerk der Bildhauerin Gudrun Kunstmann gestohlen. "Es ist wirklich ärgerlich, wir haben bereits bei der Polizei Anzeige erstattet", sagt Andreas Wissen, der bei der Stadt für die öffentlichen Brunnen zuständig ist.

Faun greift ins Leere

Zu dem Brünnlein "Faun und Frosch" gehört ein behaartes Fabelwesen, das seine Hand nach der Amphibie ausstreckt. Nun greift der Waldgeist ins Leere. Einem Spaziergänger war aufgefallen, dass die putzige Erdkröte in der kleinen Nische fehlt.

Das Kunstwerk wurde 1953 im Stadtpark aufgestellt. Die Bildhauerin Gudrun Kunstmann hatte ein ausgeprägtes Faible für die Tierwelt. Löwen, Affen, Robben, Kraniche: Zahllose Skulpturen hat die gebürtige Erlangerin im Großraum Nürnberg geschaffen. Am bekanntesten ist der stehende Delfin im Tiergarten unterhalb des Delfinariums.

Urgroßnichte des Philosophen Friedrich Nietzsche

Nach ihrem Tod 1994 ging ein großer Teil ihres künstlerischen Nachlasses an den Zoo am Schmausenbuck. Rund 20 Plastiken hat man dort aufgestellt, weitere Skulpturen sind im Naturkundehaus eingelagert. Damit ist ihr Oeuvre in Nürnberg sehr präsent. Dennoch schmerzt der Verlust des Frosches im Stadtpark, den viele seit ihrer Kindheit kennen.


Neues Kunstwerk erinnert in Nürnberg an Corona-Opfer


Gudrun Kunstmann, eine Urgroßnichte des berühmten Philosophen Friedrich Nietzsche, hat in ihrem Selbstverständnis geäußert: "Nicht die Kunst für Millionäre, sondern die Kunst für Millionen von Menschen zu schaffen, ist die logische Funktion von engagierter Kunst in unserer Gesellschaft." Diesen Appell, dass die Kunst der Allgemeinheit erhalten bleiben möge, sollte der unbekannte Täter berücksichtigen und den Frosch an seinen Standort zurückbringen.

Einschusslöcher in Stele

Dass Kunstwerke demoliert oder demontiert werden, ist leider keine Seltenheit. Hochbauamts-Mitarbeiter Wissen erinnert an eine Stele aus dem Cramer-Klett-Park, die beschmiert und zerkratzt wurde und sogar Einschusslöcher aufwies. "Mit ihr ist man wirklich sehr rabiat umgegangen", meint der städtische Mitarbeiter. Vor zwei Jahren wurde sie im Zuge der Sanierung des Parks abgebaut, soll aber gründlich restauriert wieder aufgestellt werden.

Das Epitaph von Conrad Wagner aus dem Jahr 1607 ist eines von 42 Bronze-Kunstwerke die vor einigen Jahren auf dem Nürnberger Rochusfriedhof gestohlen wurden.

Das Epitaph von Conrad Wagner aus dem Jahr 1607 ist eines von 42 Bronze-Kunstwerke die vor einigen Jahren auf dem Nürnberger Rochusfriedhof gestohlen wurden. © Richard Dietz

Eine Auswahl weiterer Beschädigungen: 42 wertvolle Bronze-Epitaphien auf dem Rochusfriedhof wurden 2014 gestohlen, die Polizei nahm zwei Kriminelle fest. Sie wollten die teilweise 500 Jahre alten Kunstwerke als Altmetall verscherbeln. Ein Teil der Beute blieb verschwunden.

Der Teufelskopf am

Der Teufelskopf am "Schusserbub-Brunnen" von St. Lorenz musste schon mehrfach ersetzt werden, weil Passanten ihn abgebrochen und mitgenommen haben © Harald Sippel/VNP

Der Teufel am "Schusserbub-Brunnen" an der Lorenzkirche hat schon mindestens fünf Mal seinen Kopf verloren. Offenbar ist er ein beliebtes Souvenir. Der Tugendbrunnen in unmittelbarer Nachbarschaft hatte Schwert und Waagschalen der Figur Justitia eingebüßt.

Wegen zerrissener Hose Schadensersatz verlangt

Das Ehekarussell am Weißen Turm wird trotz der Verbotsschilder als Klettergerüst missbraucht: Die Marmorflosse eines Fisches ist abgebrochen, ansonsten erwies sich das Kunstwerk als ziemlich robust. Eine gehörige Portion Unverschämtheit und Gedankenlosigkeit bewies ein Anrufer allerdings, der von der Stadt Schadenersatz verlangte: Seine Tochter hatte sich beim Herumsteigen auf den Skulpturen ihre Hose zerrissen.

Besonders hartnäckig wurde der "Wegweiser" des Symposiums Urbanum von 1971 attackiert. Unbekannte hatten den 14 Meter langen, in den Himmel aufragenden Zeigefinger an der Zufahrtsstraße zum Flughafen bis 1976 dreimal zerstört. Der innere Stahlrohrmast stand noch bis 1979, dann baute die Stadt den Torso ab.

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Der "Fingerzeig in die Zukunft" aus dem Jahr 1971 stammte von der Düsseldorfer Künstlergruppe Haus-Rucker-Co. Die 14 Meter lange Skulptur stand an der Marienbergstraße beim Flughafen und war ein Beitrag zum Symposium Urbanum. © Peter Vrbata/VNP

Was steckt hinter den mutwilligen Beschädigungen? Manchmal ist es nur Lust am Kaputtmachen, manchmal aber auch ein politisches Statement. In der "Straße der Menschenrechte" am Germanischen Nationalmuseum wurde vor einigen Jahren eine Säule in der Silvesternacht mit einem Hakenkreuz beschmiert.

Mit roter Farbe übergossen

Sonja Mißfeldt, Pressesprecherin des Germanischen Nationalmuseums, erinnert sich an einen weiteren Vorfall: "Im vergangenen Jahr wurde der in Hebräisch abgefasste Satz "Du sollst nicht töten" mit roter Farbe übergossen. Der Spruch ist an dem weißen Torbogen der ,Straße der Menschenrechte' eingelassen." Wenige Tage zuvor war es im Nahen Osten zu massiven Konflikten zwischen Israel und Palästinensern gekommen.

Die Liste malträtierter Nürnberger Kunstwerke ließe sich beliebig fortführen. Es soll aber nicht der Eindruck entstehen, dass Kunst im Stadtgebiet ständig den Angriffen von Rabauken ausgesetzt ist. Schließlich stehen viele Brunnen und Skulpturen seit langer Zeit ohne Beschädigung im Freien.

Die Künstlerinnen Ute Vorkoeper (links) und Andrea Knobloch halten ihr Modell des 1,83 Meter hohen Kunstwerks. Ein in einem Acrylglasblock eingebetteter Diamant soll den neu gestalteten Nelson-Mandela-Platz schmücken.

Die Künstlerinnen Ute Vorkoeper (links) und Andrea Knobloch halten ihr Modell des 1,83 Meter hohen Kunstwerks. Ein in einem Acrylglasblock eingebetteter Diamant soll den neu gestalteten Nelson-Mandela-Platz schmücken. © Roland Fengler/VNP

Allerdings dürfte sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit im September auf ein ganz besonderes Exponat richten. Dann bekommt der neue Nelson-Mandela-Platz einen transparenten Acrylglas-Block. Darin eingelassen ist ein Rohdiamant im Wert von 20.000 Euro. Das Modell von Ute Vorkoeper und Andrea Knobloch hatte 2016 den Kunstwettbewerb für die Grünfläche am Rand der Südstadt gewonnen.

Bangen um den Edelstein

Damals kamen große Bedenken auf, dass der Edelstein in kürzester Zeit brachial herausgesägt oder herausgebrochen werden könnte. Andere Befürchtungen gingen dahin, dass die empfindliche Acryl-Oberfläche bald Kratzer und Scharten bekommen dürfte. Künstlerin Vorkoeper äußerte, dass das Acryl nicht rein bleiben müsse. Wahrscheinlich werde sich "die Stadtgesellschaft in ihn einschreiben."

Lange Zeit hat man nichts mehr von dem Kunstwerk mit Namen "Rolihlahla", dem ersten Vornamen Nelson Mandelas, gehört, das unter 127 Vorschlägen ausgewählt worden war. Doch die Stadtverwaltung bestätigte nun, dass das Kunstwerk im Herbst aufgestellt wird, nachdem technische Probleme beseitigt sind.

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