Gegen die SPD

Nürnberg: CSU und Grüne bilden Mehrheit für die Gartenschau

19.6.2021, 18:09 Uhr
Der Stadtgraben soll Schauplatz einer "Urbanen Gartenschau" im Jahr 2030 werden. 

© Horst Linke, NN Der Stadtgraben soll Schauplatz einer "Urbanen Gartenschau" im Jahr 2030 werden. 

Oberbürgermeister Marcus König (CSU) möchte die Bayerische Landesgartenschau nach Nürnberg holen. Allerdings hat er dabei die Rechnung ohne seinen Kooperationspartner im Rathaus gemacht. Die SPD kündigte an, am kommenden Mittwoch im Stadtrat gegen das Vorhaben zu stimmen. Eine Mehrheit dürfte König indes dennoch zusammenbekommen. Die Grünen wollen die Pläne des OB nämlich mittragen. Zählt man Königs Votum mit, kommen die Schwarzen und die Umweltpartei auf 37 von 71 Stimmen. Zudem könnte der eine oder andere Vertreter der kleineren Parteien für eine großzügigere Mehrheit sorgen. FDP-Einzelstadtrat Ümit Sormaz etwa hat bereits angekündigt, dem Vorschlag zuzustimmen.

"Das ist mein Job"

König kann die Zurückhaltung der Genossen nicht recht verstehen, zumal es bei dem Beschluss vom Mittwoch noch nicht um die eigentliche Bewerbung geht, sondern lediglich darum, fristgerecht bis 30. Juni das Interesse der Stadt an der Veranstaltung im Jahr 2030 zu bekunden; in jenem Jahr feiert die Schau ihr 50. Jubiläum. Die Bewerbung selbst müsste erst bis 8. April 2022 erfolgen.
Zudem wird die Verwaltung – falls sich besagte Mehrheit findet – beauftragt, zu prüfen, ob das Konzept einer "Urbanen Gartenschau" durchführbar ist.

Dem OB schwebt einer dezentrale Gartenschau vor, die im Stadtgraben ihren Ausgang nimmt und dann "sternförmig in die Stadt ausstrahlt" – es sollen also noch weitere Plätze begrünt werden. Vielleicht, so König, komme diese Prüfung ja auch zu einem negativen Ergebnis. "Aber es ist mein Job, für Nürnberg Ideen zu entwickeln." Diesen ersten Schritt, für den die Stadtverwaltung 70.000 Euro bereit stellen müsste, sollte man gehen.

Dauerhaft statt einmalig

"Wenn der Zug einmal aufs Gleis gesetzt ist, ist er schwer zu stoppen", kontert indes SPD-Fraktionsvorsitzender Thorsten Brehm. Eine Bewerbung würde 20 Millionen Euro kosten – Geld, das man anderswo besser investieren könnte als im Stadtgraben. Der Chef der Rathaus-SPD verweist darauf, dass an zahlreichen Plätzen in der Stadt Grünflächen politisch gefordert werden, aber weder realisiert noch finanziert sind – etwa auf dem Nägeleinsplatz, dem Bielingplatz oder dem Richard-Wagner-Platz. Die SPD verweist auch auf "das allgemeine Gründefizit" in der Südstadt. "Dauerhaftes Grün vor der Haustür statt einmaliger Schau im Stadtgraben", ist die Pressemitteilung der Genossen überschrieben.


"Ich verstehe die Bedenken der SPD, ziehe aber andere Schlüsse daraus", sagt wiederum Stadtrat Marc Schüller, der bei den Grünen für Umweltbelange zuständig ist. Er denkt, dass sich manche Begrünung von Plätzen mit dem Rückenwind der Bewerbung vielleicht beschleunigen ließe. "Wir müssen Oasen schaffen." Dass die Grünen – wie es zuletzt mitunter vorkam – am Mittwoch unterschiedlich abstimmen könnten und dadurch die knappe Mehrheit gefährden, glaubt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende nicht.

Schranke vor Freizeitfläche

Gleichwohl betont er, dass es nun nur um den ersten Schritt gehe; falls die Verwaltung ein schlüssiges Konzept vorlegen sollte und dann wirklich die Bewerbung zum Beschluss stünde, hielte er eine große Einigkeit im Rat für wichtig. "Vielleicht schaffen wir es, dass die SPD dann wieder dabei ist."

Die aber ist auch unglücklich darüber, dass man durch die Gartenschau "vor eine bisher öffentliche Fläche eine Eintrittsschranke setzen würde", so Fraktionschef Brehm. Schließlich nutzten viele Menschen den Graben zum Spazierengehen oder für Spiel und Sport.
König dagegen glaubt, dass die Eintrittspreise sehr niedrig gehalten werden könnten, da man in der Innenstadt ohnehin sehr viel Publikumsverkehr habe. Was den Mittwoch angeht, zeigt sich das Stadtoberhaupt gelassen: "Entweder es gibt eine Mehrheit oder keine."

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