Vandalismus

Nürnberg kämpft mit Schmierereien, umgeknickten Bäumen und Müll

Irini Paul

Lokalredaktion

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9.9.2021, 07:07 Uhr
Vandalismus im öffentlichen Raum. Allein für die Reinigung und das Entfernen von Schmierereien hat die Stadt einen zusätzlichen Topf von 100 000 Euro - der immer voll ausgeschöpft werden muss.

Vandalismus im öffentlichen Raum. Allein für die Reinigung und das Entfernen von Schmierereien hat die Stadt einen zusätzlichen Topf von 100 000 Euro - der immer voll ausgeschöpft werden muss. © privat

Er war lange Zeit ein äußerst hässlicher Platz an zentraler Stelle in der Stadt. Gleich hinter dem Hauptbahnhof wartete der Nelson-Mandela-Platz mit einem unübersichtlichen Parkplatz und einem Meer ungezählter abgestellter Fahrräder ohne jedes Grün. Nach zehn Jahren der Vorplanung wurde das Sorgenkind schließlich in Angriff genommen und innerhalb von zwei Jahren für 10,5 Millionen Euro komplett umgestaltet - inklusive Fahrradparkhaus.

Doch seit der Eröffnung im vergangenen September wird die Anlage immer wieder Opfer von Vandalen. Genauer gesagt: Die dort 70 angepflanzten Bäumen werden regelmäßig bewusst beschädigt. Immer wieder werden Äste abgerissen, die Baumzäune, die eigentlich als Schutz für die Bäume dienen, erweisen sich als ungewollt hilfreich für die noch unbekannten Täter, die die Balken als Steighilfen nützen, um auch die Kronen beschädigen zu können.

Es ist nur ein Fall von Vandalismus, mit dem die Stadt ständig und das in zunehmenden Maße zu kämpfen hat: Öffentliche WC-Anlagen werden regelmäßig mit Graffiti beschmiert - zudem Lampen, Türen, Sanitärgegenstände beschädigt und Fremdgegenstände in die Toiletten gestopft, was unter anderem zu Überschwemmungen führt. Aber auch Papierkörbe werden besprüht, beklebt, abgerissen, verschmort oder gleich ganz gestohlen.

Im jüngsten Fall wurden zum Beispiel an der Fürther Straße die drei Papierkörbe „Abfallhai“ aus der Verankerung gerissen. Bürgermeister Christian Vogel (SPD), in dessen Zuständigkeitsbereich auch der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) fällt, macht aus seinem Unmut und seiner Verständnislosigkeit ob der blinden Zerstörungswut keinen Hehl. "Da stellt man sich dann schon die Frage, was das soll."

Auch auf dem Nelson-Mandela-Platz wird das ganze Ausmaß des Problems deutlich. Denn es sind nicht nur Bäume, die hier beschädigt werden. "Auch hier gibt es leider regelmäßig Verschmutzung durch To-go-Verpackungen, außerdem werden die Papierkörbe beschmiert und beklebt. Auch die Blindenschrift-Markierungen an den Treppengeländern wurden teilweise beschädigt oder entfernt", berichtet Vogel. Zudem ist der Rasen an manchen Stellen beschädigt worden. Warum auch immer, glaubten Menschen, hier Löcher graben zu müssen und zu grillen.

Der Schaden von solch Vandalismus ist enorm - die Folgekosten sind es auch. Allein für die Reinigung und das Entfernen von Schmierereien hat die Stadt einen zusätzlichen Topf von 100.000 Euro, der laut Vogel immer voll ausgeschöpft werden muss. Darüber hinaus musste die Stadt in den vergangenen drei Jahren im Schnitt jährlich etwa 120.000 Euro allein für die Beseitigung der unterschiedlichen Vandalismus-Schäden im Bereich Straßenreinigung und öffentliche WC-Anlagen ausgeben.

Zu ahnden sind solche Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum nur schwer, da die Täter meist längst verschwunden sind, wenn der Schaden auffällt. Doch jede Sachbeschädigung wird zur Anzeige gebracht, wie Vogel betont. Er sagt aber auch, dass es mit Strafen alleine nicht getan sei. "Wir brauchen mehr Rücksichtnahme - und die fängt im Kopf an. Es darf einem eben nicht gleichgültig sein, ob der Baum abstirbt, weil er mutwillig zerstört wurde."

Die geschädigten Astpartien auf dem Nelson-Mandela-Platz wurden inzwischen entfernt. Der Kommunale Außendienst der Stadt Nürnberg (ADN) hat dort mittlerweile seine Kontrollen verstärkt. Dabei hat die Beschädigung der Bäume eine besonders bittere Note: Die gepflanzten 39 Silberlinden und 21 Schnurbäume sollen nicht nur einen optischen Effekt haben und den Platz schöner machen. Sie haben große Kronen, spenden gut Schatten, sind stadtklimatauglich und hitzebeständig.

Diese Sorten waren eine bewusste Wahl. "Man kann sie in Nürnberg als neuere Klimabaumarten sehen, die gerade in den heißen Innenstadtbereichen gut funktionieren und relativ schnell wachsen, wenn ihnen der Standort gefällt", so Vogel. Ideal also für das Ökosystem in einer Großstadt in Zeiten der Erderwärmung - wenn man sie denn lässt.