Nürnberg: So viel zusätzlicher Müll fiel im Corona-Jahr an

16.1.2021, 05:57 Uhr
Den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 nutzten viele Nürnbergerinnen und Nürnberger für einen ausgiebigen Frühjahrsputz - und sie überrannten die Wertstoffhöfe. 

Den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 nutzten viele Nürnbergerinnen und Nürnberger für einen ausgiebigen Frühjahrsputz - und sie überrannten die Wertstoffhöfe.  © Arno Burgi, NNZ

Keller entrümpeln, Schränke ausmisten, Haus und Garten renovieren: Mit einem ausgiebigen Frühlingsputz vertrieben sich viele Nürnbergerinnen und Nürnberger im ersten Lockdown 2020 die Zeit. Die Folge: Vor den sechs Wertstoffhöfen bildeten sich lange Autoschlangen. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK), das die Wertstoffhöfe im Auftrag der Stadt Nürnberg betreibt, kam kaum noch nach mit der Arbeit. In den Frühlingsmonaten falle generell mehr Sperrmüll an, aber der Andrang sei enorm gewesen, erinnert sich Reinhard Arndt vom städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb (ASN).

Diese Bilder habe es seit den erneuten Lockdown-Maßnahmen seit November zum Glück nicht gegeben, zeigt sich der 2. ASN-Werkleiter erleichtert: "Die Leute waren vernünftig." An die "Blockabfertigung" mit Ampelschaltungen hätten sich die Leute gewöhnt. Um Abstände einhalten zu können, darf nämlich immer nur eine gewisse Anzahl Menschen auf die Höfe.

Reinhard Arndt verzeichnet für fast für alle Abfallarten im privaten Bereich im Jahr 2020 eine Zunahme: Egal ob Haus- oder Biomüll, Altpapier, Altkleider oder Verpackungen – ASN oder Dienstleister fuhren deutlich mehr ab.

Kein Wunder, analysiert Arndt: "Restaurants und Kantinen sind geschlossen. Die Menschen müssen portioniert einkaufen und es wird mehr selbst gekocht." Im Winter sind die Biotonnen seiner jahrelangen Erfahrung normalerweise weniger gefüllt – unter anderem weil kaum Gartenabfälle anfallen. Jetzt entsorgen die Nürnberger deutlich mehr welke Salatblätter und andere Küchenabfälle. Auch wenn es noch keine detaillierten Zahlen für 2020 gibt: Arndt rechnet mit einer zehnprozentigen Steigerung.

Folgen des Versandbooms

Auch die Altpapiertonnen waren im vergangenen Jahr oft voll – weil die Menschen mehr im Versandhandel bestellten und so mehr Pappschachteln anfielen. Er appelliert an die Verbraucher, Kartonagen nicht einfach in die blaue Tonne zu stopfen sondern zu falten oder zu zerkleinern. Die größeren Mengen passen dann auch locker in die Tonnen, ist Arndt überzeugt.

Den größten Zuwachs gab es seiner Einschätzung nach bei den Verpackungen: Etwa zehn bis 15 Prozent mehr Gewicht und rund 40 Prozent mehr Volumen hätte die Firma Hofmann, die die gelben Tonnen im Zwei-Wochen-Rhythmus für das "Duale System" leert, abgefahren.

Nach Informationen des Dienstleisters stehen im Stadtgebiet derzeit rund 75.000 der schwarzen 240-Liter-Tonnen mit gelben Deckel und etwa 11.000 Container mit einem Volumen von 1.100 Litern. Im Jahr 2019 fuhr Hofmann im Stadtgebiet 10.694,57 Tonnen Verpackungsmüll ab, 2020 waren es 13.350,82 Tonnen, also 24,84 Prozent mehr.

Kaum Veränderungen gibt es bei der derzeit noch laufenden Christbaum-Sammelaktion des ASN. Die Mitarbeiter fahren ähnlich viele Bäume ab wie in den Vorjahren. Und auch getrunken wurde offenbar im Krisenjahr nicht mehr: Die Altglas-Container waren ähnlich gut gefüllt wie in den Vorjahren – mit Spitzen vor allem um die Weihnachts- und Silvesterzeit.

Das Problem mit den Altkleidern

Mit großen Mengen Altkleidern waren Sozialverbände, vor allem das BRK, konfrontiert. Auch hier misteten die Nürnberger im vergangenen Jahr offenbar rigoros aus. Leider seien die Kleider oft in einer Qualität, in der sie nicht weiterverkauft oder weiterverarbeitet werden können, beklagt Arndt. Und auch die Verwertungsmärkte seien eingebrochen.

Das höhere Aufkommen im privaten Bereich macht ASN und der Müllverbrennung keine Schwierigkeiten, betont der 2. Werkleiter, der von einer Verschiebung spricht. Im Jahr 2020 fiel nämlich deutlich weniger Gewerbemüll an.

Alle Hände voll zu tun hatten im vergangenen Jahr die Mitarbeiter vom Service Öffentlicher Raum (Sör): Während des ersten Lockdowns versorgten sich viele Menschen mit Mitnahme-Produkten und Sör sammelte 50 bis 70 Prozent mehr Müll in Grünanlagen, öffentlichen Mülleimern und Straßen ein, rechnet Sör-Sprecher André Winkel vor. Auch im sonnigen Frühsommer und Sommer waren die Nürnberger viel in den Grünanlagen unterwegs und hinterließen ihre Spuren.

Ein Müllbehälter speziell für Pizza-Kartons an der Nürnberger Norikusbucht.

Ein Müllbehälter speziell für Pizza-Kartons an der Nürnberger Norikusbucht. © André Winkel/Sör

Vor allem Pizza-Kartons stapelten sich. Ein findiger Sör-Mitarbeiter schweißte deshalb vier stählerne Sammler, die am Wöhrder See aufgestellt wurden. Diese seien sehr gut angenommen worden. Derzeit überlege man, ob weitere Ablage-Boxen für Pizza-Schachteln an anderen belebten Orten aufgestellt werden können.

Im Herbst 2020 gab es nach der erneuten Schließung der Gastronomie erneut einen Abfall-Anstieg von 20 bis 30 Prozent im öffentlichen Raum. Dafür sorgten der ausgefallene Christkindlesmarkt und das sehr eingeschränkte Silvesterfest für Entlastung.

Was Sör Ärger bereitet

Ärgerlich sind laut Sör wilde Müllablagerungen zum Beispiel an Altglas- und Altkleidercontainern und in Grünanlagen: Hier entsorgten einige Zeitgenossen Sperrmüll. In diesem Zusammenhang erklärt Reinhard Arndt vom ASN, dass derzeit alle sechs Wertstoffhöfe geöffnet sind und auch die Abholung von Sperrmüll möglich ist.

Einen Überblick über Sammelstellen und Hinweise zur Sperrmüllabfuhr gibt es hier.

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