Satzung gegen Betongärten

Nürnberg soll grüner werden - nur wie? Stadt nimmt neuen Anlauf

7.9.2021, 05:55 Uhr
Grüne Oase in der Großstadt: ein bepflanzter Hinterhof in der Denisstraße.

Grüne Oase in der Großstadt: ein bepflanzter Hinterhof in der Denisstraße. © Stadt Nürnberg/Umweltamt, NNZ

Triste Schotterwüsten in Reihenhaussiedlungen, zubetonierte Vorgärten, triste Hinterhöfe und Flachdächer: „Gärten des Grauens“ sind im Internet und sozialen Netzwerken ein beliebtes Spottobjekt. Dem Klima- und Artenschutz sind sie sicherlich nicht zuträglich. Deshalb wollen mehrere Stadtratsfraktionen mit einer „Freiflächengestaltungssatzung“ mehr Grün ins Grau bringen.

Wetterextreme nehmen zu

„Gärten des Grauens sind ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte. Da investieren Bürgerinnen und Bürger viel Geld in vermeintlich pflegeleichte Außenanlagen, die dem Stadtklima mehr schaden als nutzen“, sagt Thorsten Brehm, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Wetterextreme nehmen zu, in den Sommermonaten wird es in der Stadt immer heißer.

Deshalb werden Flächen gebraucht, die die Hitze absorbieren und die auch Wasser aufnehmen können, erklärt Brehm. Es gehe in erster Linie nicht um ästhetische Aspekte, sondern um Lebensqualität und Gesundheitsschutz. „Wir müssen alle Potenziale nutzen“, appelliert Brehm sowohl an Privatleute als auch an Gewerbetreibende.

Er denkt nicht nur an entsiegelte Vorgärten und Hinterhöfe, sondern auch an Dächer, auf denen nicht nur Grün sprießt, sondern zum Beispiel auch Photovoltaikanlagen installiert werden. Bepflanzte Fassaden könnten an Orten für mehr Grün sorgen, wo in der horizontalen Fläche nicht genügend Platz ist.


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Die Bayerische Bauordnung, erklärt der SPD-Politiker, beinhalte schon heute Vorgaben. Die viel diskutierten Schottergärten seien demnach eigentlich gar nicht mehr erlaubt. Bei städtebaulichen Verträgen achte die Stadtverwaltung bereits auf klimagerechte Gestaltung.

Grünanteil: 30 Prozent

Weiterhin sehe der Baulandbeschluss des Stadtrats bei Neubauvorhaben nicht nur mehr geförderten Wohnungsbau, sondern auch einen Grünanteil von 30 Prozent vor. Von einer zusätzlichen städtischen Satzung verspricht sich Brehm mehr Möglichkeiten bei der Durchsetzung.

Angst, dass sie ihre Einfahrten aufreißen oder ihre Dächer und Fassaden umgestalten müssen, bräuchten Hausbesitzer nicht zu haben: „Die Regelungen gelten ausschließlich für Neubauten, ansonsten haben wir Bestandsschutz.“

Die CSU-Stadtratsfraktion würde eine Freiflächengestaltungssatzung unterstützen. Ihr umweltpolitischer Sprecher, Otto Heimbucher, will aber eines nicht: Kontrolleure, die durch die Siedlungen streifen und nicht regelgerechte Gartengestaltungen ahnden. „Wir müssen die Leute motivieren und aufklären“, findet er. Ein Mittel könnten Förderprogramme sein. Auch Architekten und Planer will er für ein grüneres Nürnberg gewinnen.

Fördertöpfe reichen nicht

Einige Mittel für den Wohnbaubestand stehen schon bereit: Die „Initiative Grün“, die bislang nur in Stadterneuerungsgebieten griff, gilt jetzt für das gesamte Stadtgebiet. Privatleute können hier bis zu 15.000 Euro abrufen, wenn sie ihre Grundstücke entsiegeln und begrünen. Thorsten Brehm könnte sich auch Subventionen für Baumpflanzungen auf Privatgrundstücken vorstellen.

Fördertöpfe allein reichen nicht, ist Andrea Bielmeier, stadtentwicklungs- und wohnungspolitische Sprecherin der Grünen im Stadtrat, überzeugt. „Es braucht mehr Einfluss, ohne geht es nicht“. Ihre Fraktion hat bereits 2019 einen Vorstoß für klimagerechte Freiflächengestaltung gerade in Bezug auf die sogenannten Schottergärten gemacht und 2020 erneut gefordert, dass Dach- und Fassadenbegrünung bei der Bauleitplanung berücksichtigt werden. Bisher flossen diese Forderungen eher als Optionen denn als verbindliche Vorgaben ein, etwa in den vom Stadtrat im Juli beschlossenen Klimabaukasten, bedauert sie.

Belastungen für Bauherren?

Vor allem Investoren müssten in die Pflicht genommen werden. Und von der Stadt und ihren Töchterunternehmen erwartet sie eine Vorbildfunktion. NürnbergStift und die wbg gingen mit gutem Beispiel voran – etwa bei der Planung für eine neue Senioreneinrichtung im Stadtteil Großweidenmühle. Bei dem Bauvorhaben ist unter anderem ein begrüntes Dach vorgesehen.

In Erlangen, wo 2020 eine Freiflächengestaltungssatzung verabschiedet wurde, protestierte der Haus- und Grundbesitzerverein. Es kämen finanzielle Belastungen auf Bauherren zu. Das Argument lässt Andrea Bielmeier nicht gelten. Sie verweist auf die Kosten durch Starkregenereignisse und gesundheitliche Schäden, die Menschen von der Hitze in der Stadt davontragen.

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