Nürnberger vor G7-Gipfel verhaftet: Jetzt spricht die Mutter

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Silke Roennefahrt

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3.9.2019, 19:59 Uhr

© Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Es sollte eigentlich ein unbeschwerter Urlaub im spanischen Baskenland werden. Doch jetzt sitzen drei junge Männer aus Nürnberg in Frankreich im Gefängnis – und ihre Eltern daheim sind krank vor Sorge. "Wir haben zwölf Tage lang nichts von unseren Söhnen gehört", sagt Monika S. (Name geändert), deren Sohn, wie sie jetzt endlich weiß, in Bordeaux inhaftiert wurde. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder und acht Freunden war der 21-Jährige auf dem Weg zu einem spanischen Campingplatz. Die Gruppe war in mehreren Autos unterwegs und hatte sich während der Fahrt aus den Augen verloren.

Das Auto kam nie an

Während das Gros der Truppe wie geplant den Ferienort erreichte, kam eines der Autos dort nie an. Monika S. war mit ihrem Mann in Italien im Urlaub, als sie ein Anruf ihres jüngeren Sohnes erreichte, der in einem der anderen Autos gesessen hatte. "Wir befürchteten erst, es wäre ein Unfall passiert", sagt die Mutter. Angehörige und Freunde telefonierten diverse Krankenhäuser ab, bevor dann von der spanischen Polizei der entscheidende Hinweis kam: Das Trio aus Nürnberg sei an einer Mautstation bei Biarritz kurz vor der Grenze von den französischen Behörden verhaftet worden.

"Ich bin völlig entsetzt, dass so etwas möglich ist", sagt Monika S., die bis heute nicht genau weiß, was ihrem Sohn und dessen Freunden eigentlich vorgeworfen worden ist. Laut Medienberichten hatten die jungen Männer Pfefferspray und linke Literatur dabei, auch Sturmhauben wurden in dem Pkw gefunden.


G7-Gipfel: Drei Franken verhaftet - Linke Demo in Nürnberg


Kein Wunder, sagt S. Einer ihrer Söhne sei Motorradfahrer und wollte im Urlaub auf ein Zweirad steigen. Doch wie ihre Recherchen ergaben, leiteten die Behörden im Vorfeld des G 7-Gipfels daraus den Vorwurf ab, dass die drei Männer spontan eine Gruppe gebildet hätten, "die möglicherweise gewalttätig wird". Von einem Schnellgericht wurden die Nürnberger daraufhin zu zwei und drei Monaten Haft verurteilt, gegen sie wurde zudem ein fünfjähriges Wiedereinreiseverbot verhängt. Alle drei sitzen in verschiedenen Haftanstalten ein. "Dabei haben sie doch überhaupt nichts Verbotenes getan", sagt S.. Zwar seien die Söhne politisch aktiv, aber Protestaktionen hätten sie nicht geplant. "Das Ganze
hat sich ja ohnehin vier Tage vor dem Gipfeltreffen abgespielt."

Auch eine weitere Mutter ist fassungslos. Ihr Sohn lebe noch daheim, mache gerade eine Ausbildung und habe sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen, sagt Doris T. (Name geändert). "Es ist ein Alptraum." Mittlerweile haben die beiden Frauen immerhin Briefe von ihren Söhnen erhalten, telefonieren konnten sie bis heute nicht.

Das Auswärtige Amt ist informiert und hat mit den Angehörigen Kontakt, möchte aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes zu den konkreten Fällen nichts sagen. Über ihre Anwälte haben die jungen Männer Berufung gegen die Urteile eingelegt. Die Eltern hoffen auf gute Nachrichten.

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