Nürnbergs größte archäologische Grabung hat begonnen

Hartmut Voigt
Hartmut Voigt

Lokalredaktion Nürnberg

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11.5.2019, 05:53 Uhr
Auf diesem Gelände wird gegraben. Der Aufwand, der betrieben wird, ist gigantisch.

Auf diesem Gelände wird gegraben. Der Aufwand, der betrieben wird, ist gigantisch. © Ralf Rödel

Eine Drohne liefert Luftaufnahmen aus bis zu 30 Metern Höhe. Damit kann man genauer feststellen, wo einst Hütten auf dem weitläufigen Areal in der Nähe der heutigen Parlerstraße gestanden haben. Dunkle Verfärbungen im Boden machen Strukturen deutlich. "Der Überblick ist einfach besser, als wenn man direkt am Boden daneben steht", sagt Grabungsleiterin Andrea Schlickmann.

Mit ihrem Team von der Bamberger Firma Archäologistik erkundet sie bis Juli den zwei Hektar großen Teilabschnitt. Insgesamt überprüfen die Experten allerdings 40 Hektar. Die Wissenschaftler dürften zwei bis drei Jahre mit der größten archäologischen Grabungsfläche beschäftigt sein, die es jemals in Nürnberg gegeben hat. Eigentlich sind es drei Einsatzgebiete: Neben Wetzendorf haben auch die Arbeiten in der Schmalau begonnen, im Herbst geht es an der Marienbergstraße los.

"Es ist eine der ganz großen Stadterweiterungen"

Die Wohnsiedlung am Standort Wetzendorf hebt Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich besonders hervor: „Es ist eine der ganz großen Stadterweiterungen.“ Er ist auf einen acht Hektar großen Park stolz, der nicht nur für einen grünen Stadtteil sorgen, sondern gleichzeitig als Hochwasserpuffer dienen soll.

Andrea Schlickmann leitet die Grabungen.

Andrea Schlickmann leitet die Grabungen. © Ralf Rödel

Doch vorerst suchen die Archäologen nach Siedlungsspuren aus der Zeit 1200 bis 900 vor Christus. Spektakuläre Funde gab es noch nicht: Grabungsleiterin Schlickmann hält einfache Tonscherben in der Hand, die auf den damaligen Alltag hinweisen: der Henkel einer kleinen Tasse, aus der man damals getrunken hat, Teile einer Schale, aus der Getreidebrei gegessen wurde.

Außerdem sind die Fachleute auf Reste eines eingefallenen Ofens gestoßen, der einst zur Erzverhüttung gedient haben dürfte. Aus manganhaltigen Steinklumpen wurde Eisen gewonnen, mit dem man Sägen, Feilen, Äxte, Messer, aber auch Pflüge und Pferdegeschirr herstellen konnte.

Sondierungen dauern bis Juli

Bislang ist man jedoch nur auf Schlackereste gestoßen. Hochwertige Werkzeuge sind noch Fehlanzeige. Stadtarchäologe John Zeitler schätzt, dass in der Siedlung am Wetzendorfer Landgraben, der heute noch munter fließt, etwa 100 bis 200 Menschen gelebt haben. Es ist ein Rätsel, warum sie ihr Dorf später aufgegeben und sich auf einzelne Gehöfte zurückgezogen haben. Um sich wiederum etliche Jahrunderte später wieder zu einem Dorf zusammenzuschließen.

Die Sondierungen dauern bis Juli, dann werten die Archäologen ihre Daten am PC aus und fassen einen ersten Teilbericht ab. Weitere Grabungen auf angrenzendem Gelände stehen in den nächsten beiden Jahren an.

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