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NZ-Klinikcheck: Bewährter Ersatz für kaputte Gelenke

Die Nürnberger Erler-Klinik siegt zum dritten Mal in der Kategorie Hüftprothesen - 08.06.2019 05:54 Uhr

Oberarzt Dr. Ambrosius Müller (l.) und Orthopädie-Chefarzt Jens anders zeigen eine Hüft-Prothese und wo sie im Körper eingebaut wird. © Roland Fengler


Schön, wenn ein Patient ganz vergisst, dass er ein künstliches Hüftgelenk hat. „Er war am Flughafen und musste durch den Metalldetektor gehen“, erzählt Ambrosius Müller, Leitender Arzt der Klinik für Orthopädie mit Schwerpunkt Hüfterkrankungen, von einem seiner Patienten. Der Fluggast wurde mehrfach durchgecheckt, ohne dass sie etwas gefunden hätten „Erst als ihm zu Hause sein Implantat-Ausweis in die Hände fiel, hat er sich daran erinnert, dass er ja eine Hüftprothese aus Metall in sich trägt.“
90 Prozent der Leute, die Müller operiert, wollen vorher wissen: „Spürt man das dann?“ Der Arzt kann sie beruhigen, das künstliche Hüftgelenk fällt genauso wenig auf wie ein gesundes. „Wenn es jemand ganz vergisst, ist das natürlich das größte Lob für mich“, sagt der Oberarzt.
Rund 1000 Hüftprothesen setzen er und seine Kollegen jedes Jahr in der Erler-Klinik in Nürnberg ein.

In der Region liegen beim diesjährigen NZ-Klinikcheck Müller und seine Kollegen vorn, wenn es um das Einsetzen künstlicher Hüftgelenke geht. Der Check vergleicht 27 Krankenhäuser in und um Nürnberg, die die Operation anbieten.

Die Patienten kämen oft hinkend – und merkten es noch nicht einmal. „Das fällt meistens eher dem Ehepartner, Familie oder Freunden auf“, sagt Müller. Ein verschlissenes Hüftgelenk tut beim Gehen in der Leiste weh. Die Schmerzen können auch bis zum Knie ausstrahlen. Manche erleben auch eher ein brennendes Gefühl an der Innenseite des Knies und verdächtigen dann kaum die Hüfte, die dahinter steckt.
„Viele denken ja, dass wir zu früh oder zu leichtfertig operieren“, sagt Jens Anders, Orthopädie-Chefarzt der Erler-Klinik. „Wir sind allerdings davon überzeugt, dass Patienten, die eine Hüftprothese brauchen, eher zu spät zu uns kommen.“

Das sind die besten Kliniken in der Region. © NZ-Infografik


Die richtige Indikation ist eines der Kriterien, die in den Klinikcheck einfließen, ebenso wie die Fallzahl und die Patientenweiterempfehlungsrate. Wer Schmerzmittel nimmt, um weitermachen zu können statt sich rechtzeitig operieren zu lassen, verschlimmert das Problem. „Das Gelenk entzündet sich, so dass der Knochen abgebaut wird“, erklärt Müller. Kurz vor der Operation machen die Ärzte ein aktuelles Röntgenbild. „Wenn zu wenig Knochen übrig ist, in den wir die Prothese einfügen können, müssen wir die Hüftpfanne künstlich überdachen.“

Das Ranking

Gesundheitswissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg haben das Ranking aus öffentlich zugänglichen Daten der Kliniken für die gesetzliche Qualitätsmessung, Fallzahlen und Patientenbewertungen erstellt. Nach der Erler-Klinik folgen auf den weiteren Siegerplätzen in der Spitzenkategorie der Hüftprothesen die Klinik Bad Windsheim und das Klinikum Forchheim.
"Ziel unserer Projekts ist es, die Versorgungsqualität in der Region insgesamt anzuheben", erklärt PD Dr. Martin Emmert, der verantwortliche Wissenschaftler am Nürnberger Lehrstuhl für  Gesundheitsmanagement. In den USA hätten ähnliche Ranglisten Kliniken zu Verbesserungen anregen können. Auch könnten niedergelassene Ärzte damit ihre Patienten gezielter beraten. Alle gerankten Krankenhäuser sehen Sie hier auf der Karte:

 

Im NZ-Klinikcheck, der in diesem Jahr in die vierte Runde geht, schneiden die Kandidaten bei den betrachteten Behandlungsarten ganz unterschiedlich ab. Große, kleine oder spezialisierte Häuser können im Wechsel punkten. Für Emmert ist das ein wichtiges Ergebnis: "Wir möchten die Menschen dafür sensibilisieren, dass man sich nicht nur generell über ein Krankenhaus informieren sollte, sondern dass es deutliche Unterschiede je nach Fachgebiet geben kann."
Obwohl das Ranking zur Krankenhauswahl beitragen könne, dürfe es nicht die einzige Informationsquelle sein, rät Martin Emmert. "Es ist natürlich weiterhin wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt darüber sprechen und gemeinsam entscheiden."


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Details, Tabellen und Hintergründe zum Forschungsprojekt Klinikcheck finden Sie hier. 

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