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NZ-Klinikcheck: Das sind die Experten bei Prostatakrebs

Häufigste Krebserkrankung bei Männern - Klinikum Fürth hat die Nase vorn - 13.07.2019 05:58 Uhr

Bei Prostatakrebs muss nicht immer operiert werden. © Wolfgang Thieme/dpa


Fällt die Entscheidung für eine radikale Entfernung der Prostata, bietet im regionalen Vergleich von drei Krankenhaus-Standorten im Großraum Nürnberg das Klinikum Fürth die beste Behandlungsqualität. Es liegt damit zum vierten Mal in Folge seit Beginn des NZ-Klinikchecks an der Spitze. Auf Platz 2 und 3 im Ranking folgen das Klinikum Nürnberg und das Krankenhaus Martha-Maria Nürnberg.

Prof. Andreas Blana, Urologie-Chefarzt am Klinikum Fürth © Klinikum Fürth, René Icgen


Das Klinikum Fürth ist seit 2011 ein zertifiziertes Prostatakarzinomzentrum der Deutschen Krebsgesellschaft. Seit 2018 entfernen die Urologen hier die Prostata nur noch mit dem Operationsroboter "Da Vinci". Chefarzt Prof. Andreas Blana stellt aber klar: Nicht die Methode entscheide über den Erfolg, sondern die Erfahrung des Operateurs. Der Eingriff zählt in der Urologie zu den anspruchsvollsten, da auf engem Raum Rücksicht auf Blase, Darm, Harnröhre und Nerven genommen werden muss, der Tumor aber restlos zu entfernen ist. "Es ist eine Operation, bei der es um sehr viel geht." Während sich die Inkontinenz als eher seltene und gut beherrschbare Folge erweise, fürchten sich viele Patienten vor einer häufigeren Auswirkung, dem Verlust der Erektionsfähigkeit. Doch auch für sie gebe es mittlerweile gute medizinische Hilfsmittel.

 

"Die Gleichung ,Krebs ist gleich OP‘ gilt heute nicht mehr", stellt Blana fest. "Wir können viele individuelle Angebote machen", sagt der Chefarzt. Das gelte allerdings nur dann, wenn der Betroffene früh genug komme. Da Prostatakrebs erst sehr spät Beschwerden verursacht, rät er Männern klar dazu, mit 45 Jahren – bei Prostata- oder auch Brustkrebsfällen naher Verwandter schon ab 40 – die Früherkennungsuntersuchung zu nutzen. "Habt keine Angst, denn je früher man etwas erkennt, desto mehr Möglichkeiten der Behandlung stehen zur Wahl. Und die allermeisten Männer haben nichts."

Das sind die besten Kliniken in der Region in Sachen Prostatakrebs. © NZ-Infografik


Befindet sich der Tumor in einem sehr frühen Stadium, kommt das sogenannte aktive Zuwarten in Betracht. Darunter verstehen Mediziner eine Beobachtung ohne Behandlung. So wollen sie eine Übertherapie von Tumoren verhindern, die nicht lebensbedrohlich werden. Für die meisten Krebsstadien hat sich die Bestrahlung in Studien als ähnlich erfolgreich wie eine Operation erwiesen, was die Überlebensraten betrifft. Außerdem bietet das Klinikum Fürth seit 2014 auch die fokale Therapie an: eine Behandlung, bei der nur der Krebsherd entfernt, das Organ aber erhalten wird. Dafür eignen sich aber nur wenige ausgewählte Patienten.

Das Ranking

Gesundheitswissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg haben das Ranking aus öffentlich zugänglichen Daten der Kliniken für die gesetzliche Qualitätsmessung, Fallzahlen und Patientenbewertungen erstellt.

"Ziel unseres Projekts ist es, die Versorgungsqualität in der Region insgesamt anzuheben", erklärt PD Dr. Martin Emmert, der verantwortliche Wissenschaftler am Nürnberger Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement. In den USA hätten ähnliche Ranglisten Kliniken zu Verbesserungen anregen können. Auch könnten niedergelassene Ärzte damit ihre Patienten gezielter beraten. Die in Bezug auf die Prostata-Entfernung gerankten Krankenhäuser sehen Sie hier auf der Karte: 

Im NZ-Klinikcheck (er geht in diesem Jahr in die vierte Runde) schneiden die Kandidaten bei den betrachteten Behandlungsarten ganz unterschiedlich ab. Große, kleine oder spezialisierte Häuser können im Wechsel punkten. Für Emmert ist das ein wichtiges Ergebnis: "Wir möchten die Menschen dafür sensibilisieren, dass man sich nicht nur generell über ein Krankenhaus informieren sollte, sondern dass es deutliche Unterschiede je nach Fachgebiet geben kann."

Obwohl das Ranking zur Krankenhauswahl beitragen könne, dürfe es nicht die einzige Informationsquelle sein, rät Martin Emmert. "Es ist natürlich weiterhin wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt darüber sprechen und gemeinsam entscheiden."

Der NZ-Klinikcheck-Talk zum Thema "Wie werden unserer Krankenhäuser besser?" findet am 24. Juli um 19 Uhr in der Findelgasse 7-9, in Nürnberg statt. Eintritt: 12 Euro (Zac-Karte: 8 Euro), Karten in den NZ-Geschäftsstellen, Ticketcorner.de., Abendkasse. Der Verkaufserlös geht an den Ambulanten Kinderhospizdienst des Hospiz-Teams Nürnberg. 

Details, Tabellen und Hintergründe zum Forschungsprojekt Klinikcheck finden Sie hier.

Die ausführliche Berichterstattung finden Sie in der Printausgabe der Nürnberger Zeitung. Verpassen Sie keine Folge und sichern Sie sich Ihr Klinikcheck-Abo.

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