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Obdachlosen in der KöPa verprügelt: Haftstrafen für Schläger

Überwachungskameras nahmen die Tat im April 2017 auf - 30.01.2018 15:52 Uhr

"Dieser Fall ist das beste Plädoyer dafür, Videoüberwachung an Brennpunkten einzusetzen", sagte der Vorsitzende Richter der 16. Strafkammer, Dieter Seyb, in seiner Urteilsbegründung.

Kein Wunder, denn der Gewaltausbruch, der sich am 21. April 2017 kurz nach Mitternacht in der Königstorpassage und am sogenannten Balkon in Richtung Sterntor ereignete, ist bis ins kleinste Detail dokumentiert.

Gestochen scharfe Bilder

Mehrere Überwachungskameras nahmen das Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln auf und lieferten gestochen scharfe Bilder. "Man sieht die Tatbeiträge der beiden Angeklagten. Das ist wichtig, um eine gerechte Strafe zu finden", erklärte Richter Seyb.

Angesichts dieser drückenden Beweislast blieb den beiden Angeklagten nichts anderes übrig, als zu gestehen. Die beiden Männer hatten sich in einer Flüchtlingsunterkunft in Zirndorf kennengelernt und am Vorabend des Tattags heftig gezecht. Der 27-Jährige soll laut einem Sachverständigen über 3,6 Promille im Blut gehabt haben, sein 25-jähriger Zechkumpan brachte es auf über zwei Promille.

Fausthiebe und Fußtritte

Auf den Videobildern, die auch im Gerichtssaal vorgeführt wurden, war zu sehen, wie der ältere Angeklagte auf einen Mann einsprach. Irgendwann fing er an, auf ihn mit Fäusten einzuprügeln. Als das Opfer zu Boden ging, trat er mit den Füßen zu. Dann kam sein 25 Jahre alter Mitangeklagter hinzu und verteilte ebenfalls Hiebe.

Als sich zwei Passanten näherten, flüchteten die beiden Männer. "Zwei gegen einen: Das war in höchstem Maße unfair", kommentiert der Vorsitzende Richter das Geschehen. Er betonte, dass die Tritte gefährlich waren und der Geschädigte nur mit viel Glück mit leichten Verletzungen im Gesicht davonkam.

Anwalt forderte Freispruch

Beide Männer wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der 27-jährige Angeklagte, der auch noch einen der Zeugen schlug, kassierte am Ende drei Jahre und neun Monate Gefängnis. Sein Verteidiger Martin Gelbricht hatte, weil sein Mandant total betrunken war, von Schuldunfähigkeit gesprochen und deshalb einen Freispruch gefordert.

Der jüngere Angeklagte (Verteidiger: Maximilian Bär) muss für zweieinhalb Jahre hinter Gitter. Der abgelehnte Asylbewerber kündigte an, nach seiner Haftentlassung wieder nach Weißrussland zurückkehren und dort in seinem Beruf als Kunstschmied arbeiten zu wollen. 

Clara Grau

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