Online-Gymnasium Bayern: Per Webcam zum Abitur

Johannes Handl
Johannes Handl

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12.3.2020, 05:58 Uhr
Das Lernen mit digitalen Medien ist längst Alltag. Beim Online-Gymnasium gibt es allerdings kein Klassenzimmer mehr, Schüler und Lehrer begegnen sich via Internet.

© Britta Pedersen/ZB/dpa Das Lernen mit digitalen Medien ist längst Alltag. Beim Online-Gymnasium gibt es allerdings kein Klassenzimmer mehr, Schüler und Lehrer begegnen sich via Internet.

Wer aufgrund psychischer Probleme oder einer körperlichen Erkrankung nicht in der Lage ist, eine traditionelle Abendschule zu besuchen, hat seit 2011 die Chance, online unterrichtet zu werden. Damals nahm das Online-Gymnasium Bayern für Personen mit Handicap unter dem Dach des Privaten Abendgymnasiums Nürnberg seine Arbeit auf – als erstes Angebot dieser Art in Europa.

Ursula Nagy ist seit Jahren als Lehrkraft am Privaten Abendgymnasium Nürnberg und am Online-Gymnasium Bayern tätig. "Das Besondere bei uns ist, dass wir gesunden Erwachsenen, aber auch psychisch oder physisch Kranken die Möglichkeit bieten, das Abitur nachzuholen."


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Die Erfahrungen, die die 39-Jährige an den beiden Gymnasien gesammelt hat, sind unterschiedlich. Am Privaten Abendgymnasium Nürnberg, wo gerade die Anmeldephase begonnen hat, lernen einige Schüler, die vor kurzem erst nach Deutschland geflüchtet sind. Mit Zusatzkursen, die parallel zum Unterricht stattfinden, können sie bereits vorhandene Deutschkenntnisse weiter vertiefen. Hier pauken aber auch Erwachsene, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, bei denen aber aus irgendeinem Grund die Schullaufbahn nicht so verlaufen ist, wie sie sich das gewünscht hätten.

Beim Online-Gymnasium, berichtet Nagy, sitzen die Schüler – einige autistisch oder depressiv, andere körperlich beeinträchtigt – zu Hause und kommen mit den Lehrern in einem virtuellen Klassenzimmer zusammen. Dank einer speziellen Software können sie sich über Kopfhörer und Lautsprecher austauschen. Melden können sich die
Schüler per Mausklick.

Büffeln mit Webcam

Mitarbeit ist auch bei der schulischen Online-Variante gefordert. Während des Unterrichts eine Pause einzulegen oder anderen Dingen nachzugehen, ist nicht möglich – zumindest, ohne dass es der Lehrer schnell mitbekommt. Zwar ist die Webcam längst nicht immer eingeschaltet, bei Referaten und Prüfungen ist sie aber unerlässlich, um Spicken und anderen unlauteren Hilfen vorzubeugen.

Die mindestens 17 Jahre alten Schüler aus ganz Deutschland erhalten vier Jahre lang Unterricht, wenn sie sich für den regulären Weg anmelden, also von der neunten bis zur zwölften Klasse. Wer die Aufnahmeprüfungen Ende Juli erfolgreich bestreitet, kann die vierjährige Schulzeit um ein oder zwei Jahre verkürzen. Vorbereitungskurse für die Tests finden jeweils von März bis Juli statt. Schüler, die bereits die mittlere Reife in der Tasche haben, können ohne Aufnahmeprüfung um ein Jahr verkürzen.

Inhaltlich gibt es keinen Unterschied zum Stoff, der an einer gängigen Schule vermittelt wird. Am Online-Gymnasium bekommen die Schüler auf dem zweiten Bildungsweg die Zeit, die sie brauchen.

"Sie sind alle sehr willig", betont Nagy. Ohne eine entsprechende Motivation geht es auch nicht. Der Präsenzunterricht in den Räumen der Bertolt-Brecht-Schule findet montags bis freitags von 17.45 bis 21 Uhr statt, die Online-Kurse jeweils eine Viertelstunde später. Durch den Unterricht in den Abendstunden können die Schüler tagsüber ihrer Arbeit nachgehen und sich anschließend dem Schulstoff widmen.

Viele 20-Jährige lernen hier

Zusätzlich zum regulären Unterricht werden Intensivierungskurse angeboten, um noch einmal gezielt auf Prüfungen vorzubereiten. Darüber hinaus gibt es Exkursionen und Projekte wie etwa den literarischen Abend im Februar oder den interkulturellen Tag im Juli.

Viele Schülerinnen und Schüler sind um die 20 Jahre alt, sagt Nagy, es gibt aber immer wieder Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die 60 oder 70 sind. Sie wollen das Abitur nachholen, um als Rentner ihr Wunschfach studieren zu können. Ohne das Online-Gymnasium – das betonen viele – wäre ihre schulische Laufbahn längst beendet gewesen.


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Schulträger des Privaten Abendgymnasiums Nürnberg mit dem Online-Gymnasium Bayern, für die jeweils ein monatlicher Förderbeitrag in Höhe von 75 Euro zu zahlen ist, ist die Fränkische Akademie. Sie wurde 1984 als gemeinnütziger Verein gegründet. Das Private Abendgymnasium Würzburg gehört ebenfalls dazu.

Weitere Infos unter www.abendgymnasien.de

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