Pegnitztalweg überlastet? ADFC will Pop-up-Radweg in der Fürther Straße

4.9.2020, 05:55 Uhr
Fürths OB Jung will die Radroute Fürth-Nürnberg weiter verbessern.

Fürths OB Jung will die Radroute Fürth-Nürnberg weiter verbessern. © Jo Seuß

Wer an einem sonnigen Sommertag durch das Pegnitztal zwischen Nürnberg und Fürth radelt, muss auf viel Verkehr gefasst sein. Fußgänger, Walker, Rollschuh- und Radfahrer sind hier unterwegs – und das in steigender Anzahl. Weshalb es zum Beispiel in Schniegling kurz nach der Stadtgrenze, wo sich der asphaltierte Weg eher schmal am Flussufer entlangschlängelt, oft eng zugeht. Vor allem, weil zu den Hauptverkehrszeiten auch verstärkt Pendler auf E-Bikes oder Rennrädern in hohem Tempo entlangdüsen.

Auch Markus Stipp, Vorsitzender des ADFC Nürnberg, hat diese Entwicklung registriert – und er ist besorgt: "Der Pegnitztalweg ist an der Grenze des Belastbaren angekommen", findet er. Vor allem die Fußgänger sieht er bedroht. Mit Blick auf das grüne Naherholungsgebiet hält er Überlegungen für ein alternatives Radwegekonzept für notwendig, um gerade die schnellen Radler anderweitig umzuleiten.

Abhilfe über die Fürther Straße?

Über den "Runden Tisch Radverkehr" schlägt der ADFC grundsätzlich ein "spinnennetzartiges Routensystem" vor, das die Belastungen besser verteilt. Während die Stadt einen Radschnellweg über die Muggenhofer Straße plant, plädiert Stipp für die Nutzung der breiten Fürther Straße. Dort drängt der ADFC, wie andere Fahrradverbände auch, auf einen Pop-up-Radweg, um die vorhandenen Lücken zügig zu schließen. Ein Vorstoß, der momentan im Baureferat geprüft wird.

Beim Pegnitztalweg ist die Stadt Fürth schon einen guten Schritt weiter. Vor wenigen Wochen wurde hier der frisch sanierte Fuß- und Radweg zwischen Karl- und Röllingersteg freigeben. Der rund ein Kilometer lange Abschnitt war auf vier Meter Breite ausgedehnt, die marode Asphaltdecke erneuert worden. 27 neue LED-Beleuchtungsmasten weisen in der Dunkelheit den Weg. Dank insektenfreundlicher Bewegungssensoren schalten sie sich nur an, wenn sich ein Radler oder Fußgänger nähert.


Pop-up-Radweg in Nürnberg kommt schlecht an


Die Resonanz auf den Ausbau ist laut Fürths OB Thomas Jung so positiv gewesen, dass er nun daran denkt, den nächsten Schritt zu tun: Er will den schönen neuen Radweg bis zur Stadtgrenze verlängern. "Ein Gedanke, der sich geradezu aufdrängt", findet Jung mit Verweis auf den schmalen, kurvenreichen und teils unübersichtlichen Weg bis zur Stadtgrenze.

An manchen Stellen geht es entlang des Pegnitztalwegs gefährlich eng für Radler und Fußgänger zu – wie hier in Schniegling kurz nach der Nürnberg-Fürther Stadtgrenze.

An manchen Stellen geht es entlang des Pegnitztalwegs gefährlich eng für Radler und Fußgänger zu – wie hier in Schniegling kurz nach der Nürnberg-Fürther Stadtgrenze. © Foto: Jo Seuß

Da man sich im Pegnitztal aber im Landschaftsschutzgebiet befindet, gibt es nicht nur beim Fürther Bund Naturschutz Widerstände gegen ein weiteres "Asphaltband im Talraum". Und beim BN hält man den Pegnitztalradweg zwischen Fürth und Nürnberg ebenfalls schon heute für "hoffnungslos überlastet", weshalb man auch auf Fürther Seite eher anderweitig eine Alternativroute fordert.

Was einen Ausbau des Pegnitztalradwegs auf Nürnberger Seite angeht, erklärt Bürgermeister Christian Vogel, dass es dazu bisher "weder eine Planung noch einen Vorgang" gebe. Beim regelmäßigen Austausch der gegenseitigen Verkehrsplaner sei das bisher auch kein Thema gewesen. Ansonsten betont Vogel: "Auch wenn eine Verbreitung an mancher Stelle durchaus wünschenswert und auch sinnvoll sein könnte, hätte ein solches Projekt aktuell keine Priorität. Unser Ziel ist es, mit den vorhandenen begrenzten Mitteln vordringlich möglichst neue Radwege zu schaffen."

"Strecken sind sehr heterogen"

Innerhalb der Verwaltung ist es derweil kein Geheimnis, dass es zwischen Verkehrsplanern und Umweltbehörden seit längerem "Zielkonflikte" beim Umgang mit Anlegen und Asphaltieren von Radwegen in Landschaftsschutzgebieten gibt. Dass die Streckenverläufe im Pegnitztal "sehr heterogen" sind, ist dabei auch Umweltamt-Chef Klaus Köppel durchaus bewusst. Er wünscht sich eine "frühzeitige Einbindung" in Planungsprozesse, falls Gefahrenstellen entschärft werden sollen.

Manche Engstellen wie am Fuchslochsteg oder bei der Großweidenmühle seien aus baulichen Gründen aber schwer zu ändern. Mit Blick auf die gewünschte Mobilitätswende sei aber klar, dass die Infrastruktur für den Radverkehr an manchen Stellen verbessert werden müsse – mit Kompromissen beim Schutz der Natur.

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