Pellerhaus in Nürnberg: "Der Abriss wäre ein Rechtsbruch"

17.1.2019, 05:54 Uhr
Das Pellerhaus ist markant - und seit Monaten im Fokus einer intensiven Diskussion.

Das Pellerhaus ist markant - und seit Monaten im Fokus einer intensiven Diskussion. © Michael Matejka

Frau Lehner, überrascht Sie, dass über das Pellerhaus so heftig gestritten wird?

Julia Lehner: Ich bin eher verwundert, dass man so wenig über den Denkmalschutz redet und seine Anforderungen offensichtlich nicht genug bekannt sind. Hier geht es um ein Gesetz, also um eine Rechtsgrundlage.

Sprechen sie hier die Altstadtfreunde an, die das jetzige Denkmal ausradieren und durch eine Rekonstruktion ersetzen wollen?

Julia Lehner gemeinsam mit Alt-Ministerpräsident Günther Beckstein beim Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg.

Julia Lehner gemeinsam mit Alt-Ministerpräsident Günther Beckstein beim Neujahrsempfang der Stadt Nürnberg. © Roland Fengler

Lehner: Ich denke da eher an die breite Bevölkerung, der das oft nicht so bewusst ist. Das ist überhaupt kein Vorwurf, ich will die Debatte nicht abwürgen. Aber ich sitze seit 15 Jahren im bayerischen Landesdenkmalrat und habe dort immer wieder an Beispielen gesehen, wie intensiv man sich mit dem historischen Erbe auseinandersetzen muss.

Manche Denkmäler verschwinden trotzdem von der Bildfläche.

Lehner: Dafür muss es triftige Gründe geben. Etwa, dass ein Gebäude in dieser Form nicht mehr nutzbar ist, dass es die Stadtentwicklung behindert, zum Beispiel, weil dort eine U-Bahn gebaut werden muss.

Davon kann am Egidienberg keine Rede sein.

Lehner: Deshalb wäre der Abriss des Pellerhauses auch ein Rechtsbruch. Eine Geschmackdiskussion ist etwas völlig anderes als die Überlegung, ein Objekt zu schützen und der Nachwelt zu erhalten. Und in diesem Fall war es eine ganz bewusste — und demokratisch legitimierte — Entscheidung des Kuratoriums Wiederaufbau, das Haus 1957 genau so zu bauen.

Aber die Altstadtfreunde wollen an seine Stelle ein in ihren Augen attraktiveres Denkmal aus der Renaissance stellen.

Lehner: Ich sage doch, Geschmack ist hier nicht entscheidend, auch wenn die Architektur der 50er Jahre vielen Menschen noch nicht so am Herzen liegt. Wir haben immer wieder Nostalgiewellen, jede Generation blickt anders auf die Vergangenheit und schätzt andere Dinge wert.

Das Pellerhaus — eines Tages ein Fall für den bayerischen Landesdenkmalrat?

Lehner: Wenn die Stadt als Eigentümerin anklopfen würde, sicher. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass von den Fachleuten dort eine andere Haltung vertreten wird als ich sie hier formuliere.

Die Burg: eine Rekonstruktion. Die Altstadtkirchen: wieder aufgebaut. Deshalb, so die Altstadtfreunde, könne auch das Renaissance-Pellerhaus wieder auferstehen.

Lehner: Aber für Burg und Kirchen wurde nichts abgerissen, was dort zuvor stand. Im Gegenteil, hier wurde nach dem Bombenkrieg restauriert, hier wurden Wunden geheilt, die geschlagen worden waren. Ich habe großen Respekt vor den Zuständigen nach dem Krieg, die dringend Wohnraum und Amtsgebäude schaffen mussten und sich dennoch die Mühe machten, einen Wettbewerb fürs Pellerhaus auszuschreiben.

Geht es nach der Stadt, wird am Egidienberg nicht abgerissen, sondern bald saniert und dann gespielt. Die richtige Nutzung?

Lehner: Wir wollen das "Haus des Spiels" — so der Arbeitstitel — hier ansiedeln, weil es im ehemaligen Stadtarchiv viele Depotflächen und Platz für das Deutsche Spielearchiv gibt. Das Pellerhaus ist dafür ideal, weil es Räume für Begegnung, Workshops, Spiel und das Depot gibt.

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