Personaldienstleister: Durch den Nebeneingang zum Traumberuf

26.4.2019, 20:27 Uhr

Die Besten werden schon an den Hochschulen von ihre künftigen Arbeitgebern umgarnt. Alle anderen Ingenieurabsolventen schreiben dagegen durchschnittlich rund zehn Bewerbungen, bis es mit einer Anstellung klappt. Wenn die Unterlagen abgeschickt sind, heißt es zum Teil: warten. Die Mühlen überlasteter Personalabteilungen mahlen oft langsam.

Bis es zu einem ersten Bewerbungsgespräch kommt und danach zu einem zweiten oder gar dritten, gehen unter Umständen Wochen ins Land. Und wenn dann auch noch eine Absage kommt, war das Ganze reine Zeitverschwendung.

Solch holprige Berufseinstiege kennt Werner Neumüller, Inhaber der gleichnamigen Unternehmensgruppe mit Sitz in Nürnberg, zur Genüge. "Bei uns läuft der Bewerbungsprozess anders und schneller ab: kurzfristige Terminvereinbarung und Vorstellungsgespräch innerhalb weniger Tage", verspricht er. Und dabei kämen auch Bewerber mit weniger guten Abschlüssen zum Zuge, die anderswo möglicherweise eine Absage kassierten.

Insbesondere Ingenieure hätten Angst, beim Berufseinstieg Fehler zu machen, stellt der Personaldienstleister immer wieder fest. Er kenne die Strukturen der Unternehmen seiner Kunden. Deshalb sei es für ihn einfach, die Bewerbungen an der richtigen Stelle landen zu lassen und so Fachabteilung und Bewerber ohne Umweg zusammenzubringen.

"Wir befassen uns intensiv mit jedem Einzelnen und versuchen, seine Stärken herauszuarbeiten." Dabei entwickelten sich unter Umständen völlig neue Ideen für den künftigen Berufsweg. So könne sich beispielsweise herauskristallisieren, dass jemand, der sich als Entwicklungsingenieur beworben habe, viel eher im Vertrieb glücklich würde oder umgekehrt. Wer bei Neumüller im Vorstellungsgespräch patzt, ist nicht automatisch aus dem Rennen. Er bekommt vielmehr Tipps, wie er es besser machen kann.

Hilfe bei Rekrutierung

Kerngeschäft von Neumüller Ingenieurbüro ist es, Kunden insbesondere aus der Industrie über den Weg der Personalüberlassung bei der Rekrutierung von Technikern, Ingenieuren und Naturwissenschaftlern zu unterstützen. Die Arbeitsgebiete sind vielfältig, ebenso die Branchen: Sportbekleidung, Banken, Pharmazie, Versicherung, Lebensmittel. Und eben die Industrie – egal ob Kraftwerke, Autobauer, Luftfahrt oder auch Anlagenbau.

Die Mitarbeiter – derzeit sind es rund 200 – werden aus der Festanstellung bei Neumüller Ingenieurbüro heraus auf Zeit den Kundenunternehmen überlassen, die sie dann ebenfalls in Festanstellung übernehmen können. Das geschieht laut Firmenchef derzeit bei 92 Prozent.

Im kaufmännischen Bereich mit rund 50 Mitarbeitern liegt die Übernahmequote bei 70 Prozent. Neumüllers Ehefrau Regina, Chefin der Neumüller Personalberatung sieht hier als Haupthindernis für eine Übernahme die fehlende Akzeptanz durch das angestammte Team. "Es sind durch die Bank hoch motivierte und qualifizierte Zeitarbeitskräfte, die es trifft."

Der Personaldienstleister selbst beschäftigt in seiner Verwaltung in Vollzeit einen internen Coach, einen Rentner mit Vertriebshintergrund. Seine Aufgabe: Wertekanon und Lebenserfahrung an die junge Belegschaft weitergeben und Spiritualität und Ruhe vermitteln nach dem Motto: "Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird."

Gestartet ist die Neumüller Unternehmensgruppe 2003 "mitten in der Rezession", erinnert der Firmenchef. Erstaunlicherweise sei es gleich steil nach oben gegangen. "Wir konnten binnen vier Wochen schwarze Zahlen schreiben." 2011 habe die Firma ihren bisherigen Höchststand erreicht an Umsatz, Rendite und Anzahl der Mitarbeiter: 240 im akademisch-technischen und 70 im kaufmännischen Bereich. Seitdem stagnierten Umsatz und Ertrag.

Damit steht Neumüller nicht allein. Die Zeitarbeitsbranche verzeichnete im Januar 2019 sinkende Beschäftigungsraten. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres minimierte sich die Zahl der Arbeitnehmer um 1,3 Prozent von 773 200 auf 763 500. Im Vorjahr war sie bereits um 9,2 Prozent (77 300) zurückgegangen.

Nichtsdestotrotz betonen Regina und Werner Neumüller, dass sie nicht gewillt seien, Geschäfte um jeden Preis zu machen und leeren Versprechungen und Verhandlungstricks auf den Leim zu gehen. "Wir sind Spezialisten und liefern hohe Qualität und dabei bleibt es", erklären sie.

Um mit der Zeit zu gehen, streckt die Unternehmensgruppe Neumüller ihre Fühler in andere Betätigungsfelder aus. Dazu gehören beispielsweise Beteiligungen an Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI), Nanoelektronik, Übersetzungssoftware, neuartige Hubschrauberkonzepte (Volocopter) und Crowdtesting zum Testen von Websites, Apps, digitalen Produkten und sonstigem durch eine große Gruppe von Versuchspersonen.

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