Exklusiver Einblick

Pocket Park: Ehemaliger Peststadel wird zur grünen Oase in Nürnbergs Altstadt

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 04.04.18..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Mitarbeiterporträt:Timo Schickler..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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12.7.2021, 10:59 Uhr
Der Peststadel soll schöner werden. Und so könnte der Pocket Park in der Sebalder Altstadt einmal aussehen: mit einem Holzdeck zum Sitzen.

Der Peststadel soll schöner werden. Und so könnte der Pocket Park in der Sebalder Altstadt einmal aussehen: mit einem Holzdeck zum Sitzen. © BOKEHdesignstudio ; www.bokehdesign.at

Es ist eine Oase mitten in Nürnberg. Ein hübsches Kleinod mit einem eher hässlichen Namen. Bis vor kurzem hat der Peststadel in Sebald seiner früheren Bezeichnung noch mehr entsprochen. Ehe der Servicebetrieb öffentlicher Raum sich der von Mauerresten umgebenen Grünfläche angenommen hat. Jetzt ist das Grün dort von Unkraut und Müll befreit, eine Bank lädt zu einer Pause ein. Wer vorbei- oder hindurchläuft, ahnt, wie schön dieser Fleck in der Altstadt sein kann.

Ein "wahnsinnig wertvoller Ort"

Auch Daniela Strasinsky hat hier Platz genommen und sich genau umgeschaut. Für sie ist der Peststadel "ein wahnsinnig wertvoller Ort". Einer, an dem sie gerne Vieles so lassen möchte, wie es ist. Dabei soll die Landschaftsarchitektin aus Freising aus der grünen Ecke einen sogenannten Pocket Park machen.

Die Dr-Erich-Mulzer-Straße wird zum Vorzimmer des Parks, dort sollen Bäume gepflanzt und Sitzbänke installiert werden.

Die Dr-Erich-Mulzer-Straße wird zum Vorzimmer des Parks, dort sollen Bäume gepflanzt und Sitzbänke installiert werden. © anzeiger-peststadel-20210709-144721_app11_00.jpg, NNZ

Neu erfinden will sie den Peststadel nicht. "Die Bäume dort sind super", sagt Strasinsky. Sie spenden viel Schatten und dennoch fällt genügend Sonne auf die Fläche. "Unser Ziel ist, alle zu erhalten." Außerdem will die Landschaftsarchitektin von der Firma StraLand die Bäume mehr schützen. Rund um die Stämme sollen viel Grün und schöne Pflanzen wachsen, damit direkt unter den Bäumen niemand mehr läuft.

Denn schon jetzt gibt es im Peststadel, in dem früher Karren untergestellt wurden, auf denen die Pesttoten hinaus auf den Friedhof transportiert wurden, viele versiegelt Flächen. Auf denen sollen Spaziergänger durch den kleinen Park laufen und sich einen Platz suchen, um auszuruhen. "Durch die Mauern und Gebäude drum herum ist es ein intimer Raum", sagt Daniela Strasinsky. Den sie aber in eine Richtung öffnen will: nach Süden.

Straße wird verkehrsberuhigt

Dort, am verbliebenen Mauerstück des Stadels entlang, führt die Dr.-Erich-Mulzer-Straße. Die will Strasinsky "in den Umbau mit aufnehmen und zu einem Teil des Parks machen". Dafür wird die Straße auf ein Niveau mit dem Gehweg gehoben und bekommt einen neuen Belag aus gebrauchten Granitsteinen. Im südlichen Teil der Straße ersetzen gepflanzte Bäume, also keine in Kübeln, und zwei Bänke einen Teil der Fahrbahn und die Stellplätze.


"Sensationsfund": Toröffner vom Pellerhaus entdeckt


In der dann verkehrsberuhigten Zone darf künftig nur noch Schritttempo gefahren werden. Oder noch schöner: gar nicht. Platz für Gegenverkehr ist ohnehin kaum. Durch Baumscheiben und Sitzgelegenheiten soll die Straße "wie ein Vorzimmer für den Park" werden, wo Fußgänger auch auf den niedrigen Mauerresten Platz nehmen.

Im Innern stellt sich Daniela Strasinsky Holzdecks zum Liegen und Sitzen vor. Die sollen auch hier einen Boden aus Granit einrahmen, der aus alten bestehende Platten gepflastert werden soll. "Das wird ein lebendiger Belag", da ist sich die Landschaftsarchitektin sicher.

Mit Leben füllen sollen die freien Flächen: die Menschen. Nachbarn, Spaziergänger, aber auch die Jungen und Mädchen des benachbarten Johannes-Scharrer-Gymnasiums. Die Schule bekommt einen eigenen Zugang zum Park, damit sich die Schüler ihre Stühle schnappen können, um auch hier mal eine Unterrichtsstunde zu verbringen.

Lärm von Tetzelgasse bleibt

Das freut Michael Schminke besonders. Der Schulleiter des Scharrer-Gymnasiums findet die Ideen für die Umgestaltung "ganz toll". Wenn die so umgesetzt werden, "wäre das für uns eine Oase", sagt Schminke. Eine, um die sich seine Schüler gerne auch kümmern wollen. Für Strasinskys angeregten Workshop, in dem frostharte bunte Keramiken für den Park gestaltet werden, meldet der Schulleiter seine Kunst-Fachschaft schon einmal an.

Auch die anderen Teilnehmer des Meinungsträgerkreises Altstadt, dem Daniela Strasinsky ihre Entwürfe vorstellt, sind von den Vorschlägen begeistert. Grünen-Stadtrat Mike Bock lobt besonders, dass auch die Straße mitgedacht wurde, und fragt sich, ob bei der Neugestaltung auch der Lärm der Tetzelgasse besser abgeschirmt werden kann. Ein anderer Teilnehmer regt an, die Geschwindigkeit dort auf zehn Kilometer pro Stunde zu begrenzen.

So hat der Peststadel ausgesehen, ehe Sör dort aktiv geworden ist.

So hat der Peststadel ausgesehen, ehe Sör dort aktiv geworden ist. © Stadt Nürnberg, NNZ

Das, sagt Daniel Ulrich, ist schon rein rechtlich hier nicht möglich, da der Lärm nicht durch das Tempo entstehe, sondern durch das Kopfsteinpflaster. Das sei zwar an dieser Stelle buchstäblich nicht in Stein gemeißelt, aber noch muss die Straße nicht erneuert werden. Ein Pocket Park aber, sagt Ulrich, hat eben Stadtlärm um sich herum. "Das ist kein ruhiger Park, aber ein grüner", sagt er. "Mehr kann und muss er auch nicht leisten."

Mit eingeplant hat Daniela Strasinsky auch eine Fläche in der Ecke des Parks, die zwar bepflanzt wird, aber auch anders genutzt werden kann. Zum Beispiel für den Wiederaufbau des "schwarzen Pellerhauses", ein schmaler gotischer Bau, der hier einst stand. Und der beispielsweise als Fassade für eine Treppe und einen Aufzug dienen kann, die nötig wären, um den fehlenden Rettungsweg für das angrenzende Haus des Spiels zu schaffen.

Aufzug: Beton vor Grün?

Da aber gehen die Meinungen auseinander. Der Bürgerverein Altstadt sieht in einer Rekonstruktion, die zu viel Platz einnimmt, eher die Botschaft "Beton vor Grün", schreiben sie in einer Pressemitteilung. Solch ein "baulicher Appendix" müsse "auf ein Minimum beschränkt werden". Auch um den Baumbestand nicht zu gefährden. Wichtig sei ihnen bei der Frage, wie es weitergeht, in jedem Fall "ein öffentlicher, transparenter Prozess".

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