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Rumpelkammer Nürnberg - Kein Konzept für Bäume und Bänke

Kommentar: Wenn Bäume wie beschwipste Wandergesellen wirken - 15.05.2021 06:00 Uhr

Die mobilen Bäume wurden im Umfeld der Lorenzkirche offenbar beliebig verteilt.

09.05.2021 © Stefan Hippel, NNZ


Sollten wir Glück haben und die Corona-Pandemie entlässt die Menschen in den nächsten Monaten wieder in Freiheit, dann sind die Hoffnungen in Nürnberg groß, dass viele Touristen in diesem Sommer und im Herbst nach Nürnberg streben. Die fränkische Großstadt ist zum Glück immer noch eine Industriestadt und sie ist dabei, eine Hochschulstadt zu werden.

Darüber hinaus lassen aber Messegäste und Touristen sehr viel Geld in der Stadt. Deshalb muss die Innenstadt im Vergleich zu anderen Großstädten auch attraktiv bleiben. Es beschleichen einen Zweifel, ob das der Stadtspitze bewusst ist. Wie sieht es denn vor Ort aus? Wenn es schönes Wetter ist, dann sollte der Spaziergang am Tiergärtnertor beginnen. Allerdings traut man derzeit den eigenen Augen nicht: Vor dem Dürerhaus wurden zwei mobile Bäume aufgestellt, die von ihrer Neigung her eher an beschwipste Wandergesellen erinnern als an Bäume.

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Bomben, Industrieaufschwung und eine glorreiche Vergangenheit: Kaum eine Stadt in Deutschland hat eine so bewegte Geschichte wie Nürnberg. Eine Geschichte, die das Erscheinungsbild der Stadt stetig verändert hat. Wir versuchen, sie sichtbar zu machen.


Eine Wasserwaage zum Geburtstag

Wer das Ensemble aufgestellt hat, der muss sich zum Geburtstag eine Wasserwaage wünschen. An diesem Standort braucht es keine Bäume: Es gibt im Umfeld sehr schöne fest verwurzelte Exemplare. Wer Richtung Hauptmarkt läuft, der hat die Wahl zwischen Pest und Cholera: Auf der östlichen Route muss der Obstmarkt passiert werden. Seit 20 Jahren ein Trauerspiel ohne Erlösung, weil nichts saniert wird.


Horch amol: "Nürnberg hat exzellente Plätze"


Jetzt soll es auch noch eine Obstmarkt-Werkstatt auf Vorschlag der CSU geben. Bastler in der Noris, vereinigt euch und schafft einen Obstkistenturm, der auf dem Grünen Markt am Hauptmarkt aufmerksam macht, oder installiert die goldene Haarschneidemaschine, um auf die vielen Friseurgeschäfte im Umfeld zu verweisen!

Mobile Bäume ersetzen kein fest verwurzelten Bäume.

09.05.2021 © Stefan Hippel, NNZ


Es gibt kein Halten mehr

Wer die westliche Route wählt, der kann sich auf dem Weinmarkt die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Sitzbänke stellen. Soll das ein Hotspot an warmen Sommertagen werden, der die Anlieger sicher zur Verzweiflung bringen wird? Sollten es nur einige wenige Sitzbänke sein? Wenn man in Nürnberg schon einmal am Bänkebasteln ist, dann gibt es offenbar kein Halten mehr.

Schlendern wir doch anschließend zum Klima-Camp auf dem Sebalder Platz, einem der schönsten Plätze Nürnbergs. Aber man muss sich auf ihn einlassen. Das Camp ist eine Art symbolische Dauerversammlung, bestehend aus guten Absichten, Ideologie, Campingutensilien und Abenteuerspieplatz. Die an sich nicht sehr überraschende Botschaft lautet: Es muss etwas gegen den Klimawandel getan werden. Touristen werden jedenfalls nicht wegen so einem Camp nach Nürnberg reisen.

Ohne Sinn

Die Wahrnehmung der Einheit von Sebalder Chörlein, Schürstabhaus und Sebalder Kirche wird jedenfalls erheblich beeinträchtigt. An der Lorenzkirche lässt sich dann die vorerst letzte Großtat der Stadtverwaltung besichtigen. Beliebig und ohne erkennbare Sinnhaftigkeit wurden mobile Bäume und eine Bank aufgestellt. Bäume sind halt derzeit wichtig, gell? Eine Zweigstelle des Klima-Camps? Wahrscheinlich soll Einkaufen zum Erlebnis gemacht werden.


Nürnberg: Lorenzer Platz wird grüner


Bloß, was für ein Erlebnis? Das hat der darbende Einzelhandel in Nürnberg nicht verdient. Da braucht es schon mehr gestalterische Qualität, um die Innenstadt aufzuwerten. Wenigstens sind es mobile Bäume, die können auch wieder weggefahren werden.

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