11°

Donnerstag, 13.05.2021

|

Sabotage am Zünder: Warum die Nürnberger Fliegerbombe nicht hochging

Wichtiges Bauteil wurde bei der Herstellung einfach weggelassen - 05.05.2020 06:59 Uhr

Die amerikanische Fliegerbombe stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und wiegt rund 121 Kilo.

04.05.2020 © NN


Nach der geglückten Entschärfung an der Brunecker Straße staunten die Sprengmeister um Michael Weiß, Tobias Oelsner und Bettina Jurga nicht schlecht. Die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg war ein manipulierter Blindgänger. Beim Heckzünder fehlte die Übertragungsladung, die die Bombe normalerweise entzündet. "Wir gehen davon aus, dass es sich um Sabotage handelt. Dass dieses wichtige Bauteil damals einfach weggelassen wurde", erklärt Spreng-Experte Tobias Oelsner gegenüber nordbayern.de.


Aufatmen in Nürnberg: Fliegerbombe erfolgreich entschärft


Offenbar hat jemand im Zweiten Weltkrieg bewusst verhindert, dass die Bombe explodiert. Wollte jemand auf amerikanischer Seite das NS-Regime schonen? Oder die Zivilbevölkerung? Oder war es ein heimlicher Pazifist? Die Sabotage lässt sich heute nicht mehr genau erklären. Es gibt verschiedene Theorien.

Bilderstrecke zum Thema

Bombe in Nürnberg: 125-Kilo-Sprengsatz bei Bauarbeiten gefunden

Bei Bauarbeiten wurde am Montag eine 125 Kilogramm schwere Fliegerbombe in der Nürnberger Südstadt gefunden. Anwohner mussten evakuiert werden, Die Polizei sperrte mehrere Straßenzüge sowie den Luftraum über der Fundstelle. Um 16.18 Uhr begann Sprengmeister Michael Weiß mit der Entschärfung, gegen 17 Uhr konnte er Entwarnung geben.


Spreng-Experte Tobias Oelsner vermutet Zwangsarbeiter von feindlichen Nationen hinter der Manipulation, die die Amerikaner zur Herstellung der Waffen verpflichtet hatten. "Diese könnten den Zünder bewusst weggelassen haben, damit die Bombe nicht funktioniert."

Frontzünder stark verzogen

Neben dem Heckzünder sorgte auch der Frontzünder bei den Sprengexperten für einige Herausforderungen: Er war stark verzogen, sodass das Gewinde nicht mehr gängig war. "Deshalb haben wir etwas länger gebraucht bei der Entschärfung", erklärt Oelsner. Diese war nach etwa einer Dreiviertelstunde abgeschlossen. Die Bombe wurde im Anschluss fachgerecht verladen und mit Polizeibegleitung abtransportiert.

Bilderstrecke zum Thema

Blindgänger in der Region Nürnberg: Eine Chronik der Bombenfunde

Alarmsirene und Bombenhagel: Spätestens seit 1941 bekamen die Nürnberger die Schrecken des Zweiten Weltkrieges hautnah zu spüren. Immer wieder drangen alliierte Flugzeugverbände in den Luftraum über der Noris ein, um die Stadt zu bombardieren. Der Krieg ist seit 1945 beendet, doch seine Zeugnisse liegen noch im Erdreich unter der Frankenmetropole begraben. Immer wieder tauchen bei Bauarbeiten und Erdrutschen verrostete Fliegerbomben auf.


Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Nürnberg