Sanierung der Kapelle auf dem Johannisfriedhof dauert an

17.8.2020, 05:57 Uhr
Julia Reeckmann und Ewald Weschky in der Holzschuherkapelle: Ein Teil der berühmten Figurengruppe von Adam Kraft wird vor Ort restauriert.

Julia Reeckmann und Ewald Weschky in der Holzschuherkapelle: Ein Teil der berühmten Figurengruppe von Adam Kraft wird vor Ort restauriert. © Stefan Hippel, NN

Im Inneren der Holzschuherkapelle auf dem Johannisfriedhof herrscht nach wie vor Baustellenatmosphäre. Den großen Holzaltar kann man hinter der weißen Plane nur erahnen, die Ahnentafeln, die ehemals die Wände zierten, sind ausgebaut und eingelagert worden. Die drei Sandsteinfiguren in der kleinen Kapelle wirken etwas verloren und zerbrechlich – inmitten der Baustelle. Sie sind Teil des berühmten Kunstwerks des Bildhauers Adam Kraft von 1508: die Grablegung Christi.

Wie berichtet, war die Restaurierung aufgrund von Schäden durch Salzausblühungen an jener Grablegungsgruppe notwendig geworden. Die Figuren wurden im Herbst 2018 abtransportiert, in einer Werkstatt entsalzt und restauriert. Der liegende Christus und zwei Figuren, die ihn halten, blieben zurück. "Bei ihnen war die Gefahr, dass sie beim Transport Schaden erleiden, einfach zu groß", informiert Julia Reeckmann vom Hochbauamt der Stadt. Und so wurden die drei Figuren vor Ort mit Kompressen entsalzt. Das dazugehörige Hintergrundgemälde zeigt das "Himmlische Jerusalem" und gibt den Zeitraum des letzten Abendmahls bis zur Himmelfahrt Christi wieder. Das wertvolle Bild wurde bereits vor Jahren restauriert.

Die derzeitigen Sanierungsarbeiten starteten Ende 2016, ursprünglich sollte die Holzschuherkapelle zum 500-jährigen Jubiläum des Johannisfriedhofs im Jahr 2018 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Statt der geplanten Wiedereröffnungsfeier gab es damals eine Baustellenbesichtigung.

Unerwartete Schwierigkeiten

Die Dacharbeiten sind längst abgeschlossen, die Fassade saniert. Unerwartete Schwierigkeiten – etwa der Wechsel des Restaurators – und vor allem jene Figurengruppe sorgen für Zeitverzögerung. "Das Problem ist, dass man nicht weiß, wie in früheren Zeiten restauriert wurde und mit welchen Mitteln", sagt Ewald Weschky vom Bürgerverein St. Johannis. So entdeckte man etwa neben rostenden Eisenstäben auch einen Kupferstab als Halterung in dem Fuß einer Figur der Grablegungsgruppe.

Nach Abschluss der Salzreduzierungs- und Restaurationsarbeiten soll die Figurengruppe diesen Monat wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren, so Reeckmann. Dann folgen Restarbeiten im Inneren der Kapelle. "Je nach Witterung sind wir bis Frühjahr 2021 fertigt", kündigt sie an. Und betont: "Wir sind auf einem guten Weg." Sie zeigt sich optimistisch, dass trotz der Zeitverzögerung die ursprüngliche Kostenschätzung von 485 000 Euro für die Sanierung an der Fassade und im Innenraum eingehalten werden könne.

Modernste Technik in alten Gemäuern

Es finden weiterhin Klimamessungen statt. Um künftig zu verhindern, dass Feuchtigkeit den Sandstein angreift und für Schäden im Inneren der Kapelle sorgt, müsse man die Raumlufttemperatur und Raumluftfeuchtigkeit regeln, berichtet die Mitarbeiterin des Hochbauamts. Mit Hilfe neuester Technik werden sich künftig bei Schwankungen automatisch die Kapellenfenster öffnen beziehungsweise schließen. Diese Idee sei im Vorjahr entwickelt worden, so Reeckmann.


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Von dem ursprünglichen Plan, die kleine Kapelle zu festen Öffnungszeiten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, musste sich die Stadt jedoch verabschieden. Das sei mit Blick auf die klimatische Situation nicht möglich. Weschky: "Wir hoffen, dass der Bürgerverein hier regelmäßig Führungen anbieten kann."

Ein Blick zurück

Das Bauwerk im östlichen Bereich des Johannisfriedhofs befand sich ursprünglich außerhalb des Gottesackers. Angehörige der zahllosen Pesttoten sollten hier der Verstorbenen gedenken können. Um 1523 erwarb die Patrizierfamilie Holzschuher das Gebäude, 1925 kaufte es die Stadt. Entsprechend erfolgt die jetzige Planung und Ausführung der Sanierung durch das städtische Hochbauamt in Zusammenarbeit mit den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg, der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie Restauratoren.

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