SPD und CSU für ersten Pop-up-Radweg in Nürnberg

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Alexander Brock

Lokales

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7.6.2020, 05:53 Uhr
Am 22. Mai schwangen sich rund 200 Aktivisten auf den Sattel, um auf der Bayreuther Straße für einen Pop-up-Radweg zu demonstrieren.

Am 22. Mai schwangen sich rund 200 Aktivisten auf den Sattel, um auf der Bayreuther Straße für einen Pop-up-Radweg zu demonstrieren. © Foto: Michael Matejka

Ein Radweg, der plötzlich auftaucht? Gemeint sind Fahrstraßen für Radler, die temporär auf einer Straße eingerichtet werden, dabei wird eine komplette Spur (rund drei Meter breit) dem Autoverkehr genommen. Der Hintergrund: Durch die Corona-Krise steigen mehr Menschen aufs Fahrrad, weil sie Sorge haben, sich in Bussen und Bahnen zu infizieren. Die Stadtverwaltungen in Brüssel, Berlin, Mailand und Paris haben solche Pop-up-Radwege schnell entschlossen aus dem Boden gestampft.


Noch mehr Parkhäuser für Räder in Nürnberg?


In Nürnberg soll das nun auch Wirklichkeit werden. In einem gemeinsamen Antrag der CSU und SPD beauftragen die Parteien die Stadtverwaltung, einen Pop-up-Radweg auf der Rothenburger Straße in die Realität umzusetzen, im Abschnitt zwischen der Bertha-von-Suttner-Straße und der Wredestraße – etwa drei Meter breit, rund einen Kilometer lang und in beiden Richtungen. Hinter dem ambitionierten Antrag stehen die beiden verkehrspolitischen Sprecher ihrer Parteien, Max Müller (CSU) und Nasser Ahmed (SPD).

Auch darin sind sich beide Stadträte einig: "Der Radweg soll keine Eintagsfliege werden", sagt Ahmed. Bei Max Müller klingt das so: "Wir halten nix von Schnellschüssen." Gemeint ist, dass die Pop-up-Radwege in anderen Städten im Zuge der Pandemie rasch aus dem Hut gezaubert wurden, dann aber irgendwann wieder verschwinden, weil man nicht davon ausgeht, dass langfristig so viele Radler auf den Straßen zu sehen sind.

Vorläufer für Radschnellweg

Der erste Pop-up-Radweg in Nürnberg soll provisorisch mit Baken vom Autoverkehr abgetrennt werden. Er soll dann in ein größeres Konzept eingebunden werden, sozusagen als Vorläufer des beschlossenen Fahrradschnellweges auf der Rothenburger Straße. Denn den hat der Stadtrat in der Sitzung des Verkehrsausschusses am 30. Januar 2020 mehrheitlich beschlossen. Geplant ist der Bau im Verlauf des Jahres 2021, so lange soll auf diesem Abschnitt der Pop-up-Radweg bestehen. "Wir von der SPD wollen nachhaltig und dauerhaft gute Radwege bauen", erklärt Ahmed.


Pop-Up-Radwege bald auch in Fürth?


Die Stadtverwaltung erwartet mit Blick auf die Verlängerung der U-Bahnlinie 3 nach Nürnberg-Gebersdorf, die parallel zur Rothenburger Straße verlaufen wird, einen spürbaren Rückgang des Kfz-Verkehrs. So könne man auf eine komplette Fahrspur zugunsten des Radverkehrs verzichten.

 

 

 

 

 

Max Müller sieht da keinen Widerspruch zur Haltung der CSU, die von Kritikern gelegentlich als "Autofahrerpartei" tituliert wird, und dass das Projekt zulasten des Autoverkehrs geht. "Das ist ein sinnvolles Projekt. Wenn der Straßenraum neu aufgeteilt wird, geht es uns darum, das Gleichgewicht zu halten. Und das hat die Stadtverwaltung überzeugend vermittelt", sagt der CSU-Stadtrat.

So seien die geraden Strecken nicht das Problem. Engpässe und Staus entstünden vor allem an den Kreuzungen und Verkehrsknotenpunkten. Diese müssten im Zuge des Baus eines solchen Radschnellwegs leistungsfähig, also breit ausgebaut werden. Das heißt, an den Kreuzungen müsse es wieder zwei Spuren für Kraftfahrzeuge plus jeweils einen Links- und einen Rechtsabbieger-Streifen sowie den Radweg geben – der aber dann keine drei Meter mehr breit sein kann, sonder schmaler wird.

In der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses am 19. Juni stimmen die Räte über den Pop-up-Radweg ab.

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