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Spiel mit ernstem Hintergrund

Das Verhältnis von Nürnberg und Fürth ist nicht nur beim Fußball angespannt - 23.08.2015 19:10 Uhr

So sieht Rivalität aus: Ein grün-weißer SpVgg-Schriftzug zieht ein rot-schwarzes FCN nach sich. Gesehen am Rand des Pegnitzgrundes in Fürth.

23.08.2015 © Foto: Seuß


Literat Ewald Arenz, 1965 in Nürnberg geboren, musste 13 Jahre alt werden, bis ihm bewusst wurde, dass ein Fußball-Derby zwischen dem 1. FCN und der SpVgg Fürth kein Spaß ist. Kaum war der Pfarrerssohn nach der Kinderzeit in Weißenburg nach Fürth gezogen, erlebte er hautnah, wie sich grün-weiße und rot-schwarze Jugendliche mit Fahne auf offener Straße heftig beschimpften. Es dauerte trotzdem noch ein paar Jahre, bis er als Lehrer am Scharrer-Gymnasium fußballerisch Farbe bekannte und Fürth-Fan wurde. Schuld waren Nürnberger Kollegen, die ihn regelmäßig spitz auf Kleeblatt-Niederlagen ansprachen.

23.08.2015


Arenz hält die Städte-Zwistigkeiten „eher für ein Spiel“, das es etwa auch zwischen Kölnern und Düsseldorfern gebe. Dass manche Leute aber kleine Provokationen sehr ernst nehmen, hat er vor ein paar Jahren bei der letzten Aufführung seiner Revue „Schickedance & Petticoat“ erlebt: Weil Schlagzeuger Yogo Pausch eine Club-Fahne auf die Bühne mitgebracht hatte, wollten die Fürther Fan-Statisten nicht auftreten. Nur langes, gutes Zureden habe den Eklat doch noch verhindern können.

Andererseits hört Arenz von Nürnberger Schülern immer wieder, dass sie „nie nach Fürth gehen würden“. Ein Zeichen von tiefsitzenden Aversionen? Jenen ist der aus Fürth stammende und mit 26 Jahren in die „Ostvorstadt“ umgezogene Liedermacher Günter Stössel 1992 mit dem Buch „Nürnberg bei Fürth“ auf den Grund gegangen. Mit süffisantem Spürsinn macht er klar: Zwischen Bier, Handwerkerzünften und Verkehrsplanung gibt es auch abseits des Fußballs genug gewachsene Gründe, sich zu zoffen. Ganz zu schweigen vom direkt an die Stadtgrenze gebauten Klärwerk, das das Vorurteil „Aus Färdd kummt nix Gscheits!“ stinkend bestätigt.

Trotzdem bewegte man sich immer wieder aufeinander zu. 1922 hatte der Stadtrat des armen Fürth schon den Anschluss an Nürnberg beschlossen, wurde aber durch einen Bürgerentscheid zurückgepfiffen. Als wegweisendes Signal wurde 1999 der Beschluss von Tucher gefeiert, den Firmensitz ins Nürnberg-Fürther Grenzgebiet zu verlagern. Dort steht seit 2008 das „2-Städte-Sudhaus“, wo die Stadtoberhäupter Thomas Jung und Ulrich Maly gern mal stolz auf das gute Miteinander anstoßen.

Brauereiführer Helmut Ell, 1961 in Fürth geboren, bedauert jedoch, dass dieses weltweite Unikum von den Fürthern deutlich mehr angenommen werde als seitens der Nachbarstadt, was wohl an der Fürther Adresse liege. „Einen deutschlandweit einzigartigen Minderwertigkeitskomplex“ diagnostiziert Ell bei vielen Nürnbergern, der sich letztlich darin äußere, „dass Fürth nicht groß werden darf — wir Fürther wissen dagegen, dass wir ein Nest sind, und genießen es“.

Eher locker sieht derweil der frühere Club-Meisterspieler Heiner Müller (81), dessen Sohn Bernd in Fürth kickte, das Verhältnis. „Die Fürther haben schöner gespielt, wir waren erfolgreicher“, sagt er rückblickend. Bei einem Derby spielte er trotz eines Schlüsselbeinbruchs weiter — und er erzielte sogar noch ein Tor.

JO SEUSS

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