Startschuss für den mobilen Stadtgarten

18.5.2012, 07:59 Uhr
Parkplatz  im Wandel: Helfer transportieren die in Säcken gepflanzten Kartoffeln.

Parkplatz im Wandel: Helfer transportieren die in Säcken gepflanzten Kartoffeln. © Sippel

Fortan wachsen Petersilie, Schnittlauch und Salat auf dem ehemaligen Quelle-Parkplatz. Am Wochenende starteten die Arbeiten für den ersten mobilen Nürnberger Stadtgarten. Dabei handelt es sich um das aktuelle Projekt von Bluepingu, der vor drei Jahren gegründete Verein hat sich einer nachhaltigen und ökologischen Lebensweise verschrieben.

Nach Berliner Vorbild werden Brachflächen wiederbelebt und den Bürgern kostenfrei zugänglich gemacht. Der Verein, der die 3500 Quadratmeter große Fläche erst einmal für zwei Jahre von der Quelle-Insolvenzverwaltung gepachtet hat, stellt alles — vom Saatgut über Erde bis zu Behältern — und greift dabei auf Spenden zurück. Fortan kann jeder Interessierte dienstags und freitags von 16 bis 20Uhr sowie am Samstag zwischen 14 und 20Uhr mithelfen, den neuen Stadtgarten in der Wandererstraße zu gestalten.

Das ist nur ein Projekt, wenn auch das aktuellste, das im Rahmen der Veranstaltung den rund 30 Zuhörern vorgestellt wird. Es geht um die Umgestaltung der einstigen AEG- und Quelle-Areale, um Zwischennutzungen und den Abbau des Grünflächendefizits. Susanne Krug-Auerochs vom Umweltamt betont, dass ein hoher Bedarf bestehe, grüne Plätze zu sanieren — etwa an der Heineckestraße oder die Veit-Stoß-Anlage. Krug verweist mit dem „Grün- und Freiraumkonzept Weststadt“ darauf, dass „im Bereich der Dreieinigkeitskirche mit einer gewissen Reduzierung des Parkplatzangebots mehr Aufenthaltsqualität geschaffen werden könnte“. Sie thematisiert eine bessere Erschließung des Pegnitztals und die Entwicklung eines Süduferparks. Diese Pläne seien zwar löblich, kommentiert ein Zuhörer, aber er gibt zu bedenken, dass hier schon jetzt der Nutzungsdruck enorm sei.

Matthias Schmidt vom Bund Naturschutz betont mit Blick auf die Straßenbäume: „Die Situation in Nürnberg ist sehr schlecht, aber in der Weststadt ist sie katastrophal.“ Kommen im Schnitt 19 Nürnberger auf einen Baum, liegt diese Zahl in der Weststadt bei 28 Bürgern. Zum Vergleich: In Bremen sind es sieben, in Leipzig neun Menschen. Schmidt ergänzt in puncto Klimawandel: „Bäume sind sehr effiziente Klimaanlagen.“ Er fordert, dass in der Weststadt 500 Straßenbäume gepflanzt werden sollen — und erntet spontanen Beifall.

In der anschließenden Diskussion geht es vor allem um das Bauvorhaben der Datev auf dem Gelände der ehemaligen Möbel Quelle. Dabei entsteht auch an der Adam-Klein-Straße eine öffentliche Grünfläche. Mehrere Bürger kritisierten, dass die Stadt beim Investor eingeknickt sei und so — anders als ursprünglich geplant — „nur wenig Grün, dass wir und die Kinder hier nutzen können, entsteht und dann auch noch abends abgesperrt wird“. Derzeit laufen die Abrissarbeiten. Die Wortbeiträge spiegeln die allgemeine Unzufriedenheit und enttäuschte Hoffnungen wider. Wie auch bei der Fürther Straße: „Man hat uns versprochen, dass hier ein Boulevard entsteht, aber seit Jahren passiert nichts“, klagt eine Anwohnerin.

 

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