Donnerstag, 01.10.2020

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Startschuss: Nürnbergs neue U-Bahn-Züge erobern morgen die Schienen

Die frisch geschulten Fahrer sind schon jetzt begeistert - 18.08.2020 09:05 Uhr

U-Bahn-Fahrlehrerin Stefanie Kamenar steht Sven Anders mit Rat und Tat zur Seite. Anders ist seit drei Jahren U-Bahn-Fahrer und künftig mit dem neuen G1 unterwegs.

© Foto: Roland Fengler


Hier muss man erst mal den Überblick behalten: Wer Sven Anders über die Schulter schaut, sieht jede Menge bunte Knöpfe und schwarze Schalter, aber auch verschiedene Anzeigen und Bildschirme. Anders ist seit drei Jahren als U-Bahnfahrer für die VAG im Einsatz und weiß genau, was er zu tun hat, auch wenn er – wie die Anzeige "Fahrschule" an der Station Scharfreiterring verrät – gerade erst die ersten Erfahrungen mit dem G1 sammelt.

Drei Fahrzeuge der neuen Baureihe werden morgen in Nürnberg offiziell in Betrieb genommen. Die Schulungen laufen bereits seit einem Jahr, wie VAG-Ausbildungsleiter Harald Ruben erklärt. Zwei Drittel der rund 180 U-Bahn-Fahrer sind schon bestens vertraut mit den modernen Fahrzeugen und ihren technischen Neuerungen. Mit dem Aufsichtsdienst und den Mitarbeitern der Werkstatt müssen sich insgesamt etwa 250 Personen auf die neuen U-Bahnen einstellen.

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Zwei Tage dauert die Einweisung, wie Ruben erklärt. Am ersten Tag gehe es vor allem um den Regelbetrieb und das Kennenlernen. Am zweiten Tag lernen die Fahrer, was sie im Ernstfall zu tun haben, wenn Störungen auftreten.

"Die Rückmeldungen waren durchweg positiv", sagt Ruben mit Blick auf die komplett durchgängigen Wagen: "Die Fahrer sind alle heiß darauf, dass es endlich los geht." Einer von ihnen ist Michael Kimmel, der seit 15 Jahren die Bahnen in Nürnbergs Untergrund lenkt. "Bisher mache ich immer halb halb", sagt er. Richtung Fürth Hardhöhe steuert er die U1 im Sitzen, nach Langwassersüd stehend. Sonderlich bequem war das bislang offenbar nicht. Im neuen G1 dagegen lässt sich der komfortable Sitz so umdrehen, dass sich die Fahrer im Stehen bequem an ihm anlehnen können.

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"Vom ersten Gedanken bis zur ersten Fahrt sind es etwa zehn Jahre", sagt VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger. Immer wieder konnten sich Fahrer im Entwicklungsprozess mit eigenen Ideen zur Gestaltung ihres künftigen Arbeitsplatzes einbringen.

Wie Harald Ruben durfte auch U-Bahn-Fahrlehrerin Stefanie Kamenar den G1 schon im Siemens-Testcenter in Wegberg-Wildenrath steuern. Die neue Baureihe ist "modern und sieht super aus", sagt Kamenar, die den Fahrgästen als Stimme der VAG bekannt sein dürfte, sichtlich angetan.

Erstmals digitales Handbuch

VAG-Ausbildungsleiter Harald Ruben erklärt das digitale Handbuch, das jeder U-Bahn-Fahrer in den Zügen der neuen Baureihe auf seinem Tablet dabei hat.

© Foto: Roland Fengler


Wirklich große Umstellungen gegenüber den Vorgänger-Modellen müssten die Fahrer nicht bewältigen. "Ein paar Dinge sind aber durchaus neu", wie Kamenar betont. Und falls die Fahrer doch einmal Fragen haben oder sich bei einer Sache nicht hundertprozentig sicher sein sollten, können sie zu ihrem Tablet greifen. Ein erstmals digitales Handbuch, an dem Kamenar selbst mitgewirkt hat, erklärt detailliert und mit zahlreichen Videos, wie etwa Störungen behoben werden können. Außerdem können die Fahrer über eine App bequem ihren Dienstplan aufrufen.

Läuft alles glatt, soll die neue Baureihe die älteren Modelle sukzessive ablösen und bis zu 40 Jahre im Einsatz bleiben. Eine einheitliche Flotte wiederum, erklärt Harald Ruben, würde auch den Ausbildungsbetrieb deutlich entlasten. Bislang galt es, neue U-Bahn-Fahrer mit bis zu fünf verschiedenen Fahrzeugtypen vertraut zu machen. "Das war ein Riesenaufwand", wie Ruben, der seit 20 Jahren Fahrer ausbildet, aus eigener Erfahrung weiß. Nun richten sich alle Blicke auf den kommenden Mittwoch, wenn es endlich losgeht.

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