Steht das Langseebad vor dem Aus?

VON ALEXANDER BROCK

Lokales Nürnberg

20.12.2011, 19:26 Uhr
Eine Perle in der Stadt: Das natürliche Langseebad, das der TSV 1846 seit anno 1925 betreibt.

© Eduard Weigert Eine Perle in der Stadt: Das natürliche Langseebad, das der TSV 1846 seit anno 1925 betreibt.

Als einen „Sargnagel“ für das Langseebad im Stadtteil Ebensee bezeichnet Robert Kreutzer die vorgesehene Badebucht, die rund drei Kilometer entfernt am Norikus-Hochhaus entstehen soll (siehe Bericht unten). „Wir befürchten, dass damit Badegäste fern bleiben“, so der Vorsitzende der Schwimmabteilung des TSV 1846. Er wisse gar nicht, ob das Langseebad mit Beginn der nächsten Saison eröffnen wird.

Doch nicht alleine die Bucht bereite dem Vorstand Kopfzerbrechen. Ein großes Problem ist laut Kreutzer, dass dem Verein immer weniger Ehrenamtliche zur Verfügung stehen. „Wir sind alle berufstätig“, sagt er. Und die Arbeitslast im Traditionsbad, das der TSV im Jahre 1925 übernahm, verteile sich nur noch auf wenige Schultern.

Der Vorstand klopfte bereits an verschiedenen Türen der Stadt an, um von der Not des Vereins zu erzählen. Jürgen Thielemann, Leiter des SportService der Stadt, bestätigt das. Er glaubt zwar nicht an einen wachsenden Konkurrenzdruck durch die Badebucht, nimmt die Signale des Vereins wegen des Mangels an Ehrenamtlichen aber ernst.

Die Zukunft des Naturbades mit FKK-Bereich sieht für ihn so aus: „Entweder wird das Bad freigegeben oder es findet sich ein anderer Verein, der die Trägerschaft übernimmt.“ Unter „freigeben“ versteht er, dass Badegäste die Anlage weiterhin nutzen, aber ohne Bad-Personal. Als Beispiele nennt Thielemann das Naturbad Dechsendorfer Weiher bei Erlangen, den Rothsee oder den kleinen Dutzendteich in Nürnberg.

Joachim Lächele ist zwar der Ansicht, dass das Langseebad „eine Institution“ in Nürnberg ist und einen großen Fan-Kreis hat. Doch der Hoffnung, dass die Stadt den TSV finanziell unterstützt, erteilt er eine Absage: „Ich kann die Ängste des Vorstandes verstehen. Wir können aber nur helfen, einen Nachfolger zu finden“, sagt der technische Leiter von Nürnberg-Bad. Noch vor Weihnachten soll ein entsprechender Brief an alle Nürnberger Vereine rausgehen.

Warum hat die Stadt selbst kein Interesse an einer Trägerschaft? „Es gibt im Osten mit dem Langseebad drei Freibäder auf verhältnismäßig engem Raum“, antwortet er. Die Stadt käme in Argumentationsnöte, zumal es in anderen Ortsteilen wie Gebersdorf gar keine Bäder gebe.

Noch näher an der vorgesehenen Badebucht liegt das Freibad von Bayern 07. Der Vorsitzende des Vereins, Roman Stich, nimmt die Pläne gelassen: „Kann schon sein, dass einige Badegäste wegbleiben. Aber deswegen werden wir unseren Betrieb nicht aufgeben.“  

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