Sonntag, 15.12.2019

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Surfwelle in Nürnberg: Heute fällt wegweisende Entscheidung

Stadtrat urteilt über Förderung - Kosten liegen bei rund 1,4 Millionen Euro - 12.07.2019 05:53 Uhr

Am Fuchsloch in der Nähe der Stadtgrenze zu Fürth soll die Welle für die Surfer entstehen. Der Verein „Nürnberger Dauerwelle“ setzt sich seit vielen Jahren für die neue Sportstätte ein. © Simulation: Verein Nürnberger Dauerwelle


Seit dem Jahr 2011 bemüht sich der Verein Dauerwelle darum, in Nürnberg einen Ort für Surfer zu schaffen. Nach längerer Suche wurde das Fuchsloch im westlichen Pegnitztal als Standort auserkoren. Die Pläne stehen längst, die Stadt betrachtete das Projekt von Anfang an mit Wohlwollen, das Umweltamt hat nach einer ganzen Reihe von Prüfungen seine Genehmigung erteilt.

Ursprünglich sollten die Kosten für den Bau der Anlage bei 750.000 Euro liegen, mittlerweile sind sie aufgrund verschiedener Auflagen auf 1,4 Millionen Euro gestiegen. In der Sitzung der Sportkommission des Stadtrats am morgigen Freitag soll die Politik entscheiden, ob sie bereit ist, den Verein mit Geld aus der Sportförderung zu unterstützen.

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Surfer-Feeling an der Noris: Nürnberg auf der Suche nach der "perfekten Welle"

Was am Eisbach in München längst eine Attraktion ist, könnte bald auch in Nürnberg möglich sein: Surfen auf dem Fluss. Die Stadt will sich überraschend doch finanziell am Bau der Anlage beteiligen. Erste Pläne gibt es auch schon.


Die Sozialdemokraten haben schon angekündigt, dass sie grünes Licht geben wollen. "Die SPD-Fraktion begrüßt das Projekt Surferwelle und setzt sich dafür ein, es auch aus städtischen Mitteln zu fördern", so Nasser Ahmed, der sportpolitische Sprecher der SPD. Die Welle wäre seiner Ansicht nach ein Highlight für Sportler und Spaziergänger und eine zusätzliche Touristenattraktion.

In seiner Vorlage für die Sitzung der Sportkommission plädiert Sportbürgermeister Klemens Gsell (CSU) dafür, den Bau der Anlage aus den Mitteln der städtischen Sportförderung zu unterstützen – nämlich mit 45 Prozent der förderfähigen Kosten, also mit rund 650 000 Euro. "Damit kann das innovative und in der Region einmalige Bauprojekt realisiert werden."

"Charmante und attraktive Einrichtung"

Wenig Begeisterung kommt angesichts dieser Pläne bei den Grünen auf. Sie loben zwar die Offenheit der Stadt für Trendsportarten. Achim Mletzko, Chef der Rathausfraktion, vermisst jedoch eine "transparente Diskussion". "Es hat den Eindruck, als sei der Entschluss bereits gefasst und die Behandlung in der Sportkommission eine reine Scheindebatte." Das Problem aus Sicht der Grünen: Der Verein Dauerwelle erfüllt derzeit noch nicht alle Förderkriterien der Stadt. Unter anderem muss ein Verein mindestens vier Jahre lang Mitglied im Bayerischen Landessportverband (BLSV) sein. Das trifft auf die "Dauerwelle" nicht zu. Die Verwaltung schlägt dem Stadtrat deshalb vor, eine Ausnahme zum machen. "Der Verein konnte nicht in den BLSV aufgenommen werden, weil es dort keinen Surfverband gibt", so Bürgermeister Gsell. Seit Mai gehöre er nun dem Fachverband "Kanu" an. Andere Förderkriterien hätten die Surfer nicht erfüllen können, weil es ihnen noch an einer Sportstätte fehle.

 

Verena Osgyan, Kandidatin der Grünen für den Posten der Oberbürgermeisterin, bezeichnet die Welle als "charmante und attraktive Sporteinrichtung". Sie betont aber: "Die Förderrichtlinien müssen für alle Vereine und Verbände dieselben sein."

"Die Fakten stimmen nicht"

250.000 Euro steuert der Freistaat bei. Die Zusage gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch in seiner Funktion als Finanzminister. Gespräche über eine Beteiligung laufen auch mit dem BLSV. Ein weiterer Teil der Summe soll über Sponsoren zusammenkommen.

"Surfen ist kein elitärer Sport", sagt Thorsten Keck, der Vorsitzende des Vereins Nürnberger Dauerwelle. "Wir sind für alle offen, für Anfänger genauso wie für Profis." Das Fluss-Surfen, da ist er sich sicher, werde weiter an Popularität gewinnen. "Andere Städte ziehen nach."

Der Künstler Karsten Neumann hat eine Online-Petition gegen den Bau der Welle gestartet. Er sieht die Natur in Gefahr. Die Diskussion im Internet bezeichnet Thorsten Keck als polemisch und unseriös. "Die Fakten stimmen nicht." Unter anderem werde der Verein keinen Parkplatz bauen. "Wir arbeiten seit Jahren hart und sehr transparent. Wir schießen nicht aus der Hüfte."

Gabi Eisenack

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