Tagestipp: „Lauder su Schbrich“

4.12.2014, 20:57 Uhr

Wo steht geschrieben, dass Mundart — oder besser Dialeggd — altbacken sein muss? Dabei braucht sich das gar nicht zu reimen um jeden Preis, und schon gar nicht zu heimattümeln.

Lothar Kleinlein (74), der im Zivilberuf Germanist und Kunsthistoriker in Aachen war, hat eine solide Sozialisation in Schwaig (Schwaach) bei Nürnberg durchlaufen. Seine radikal-phonetischen Gedichte treffen die fränkische Mentalität so punktgenau, als hätte er die Stadt nie verlassen.

Alle im Verlag Nürnberger Presse erschienenen Kleinlein-Bände hat Jules Stauber illustriert. Naheliegend also, dass der Autor in der Stauber-Ausstellung „Zusammenspiel“ bei Atzenhofer aus seinem jüngsten Buch liest. Eines der schönsten Gedichte daraus ist der

laingschmaus

wouer doch edds sai sach/ endli erwéng/ banander hädd, edds/ machder ersúer wår/ obber schäi homms blousn/ und des bissler reeng/ des khärd derzou.

Wer meint, an Kleinleins strikt phonetischer Schreibweise zu scheitern, dem sei das laute Lesen empfohlen. So erschließen sich die herb-süßen Alltagsgeschichten, die „lauder su schbrich“ oder „sainerzaid“ überschrieben sind.

Älter, aber in die Jahreszeit passend, ist Kleinleins wunderbares „wennder bulzer kummd“:

waddner/ bou/ wennder bulzer kummd/ der baggdi bain gnagg/ gschaid baidln douderdi/ wallsd immer ned barriersd/ der nimmdi mihd / in saim sohg/ dou konnsd dann schraier/ dou horchder gohrned drauf.

Die Lesung von Lothar Kleinlein in der Galerie Atzenhofer in Nürnberg, Maxplatz 46 a, findet am Samstag, 6. Dezember, um 16.30 Uhr statt. Der Eintritt ist frei.

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