Donnerstag, 28.01.2021

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Täglicher Bedarf als solide Stütze

Die Pandemie kann dem Erfolg der GRR Group, die Immobilien für den Einzelhandel entwickelt, nichts anhaben. - 03.12.2020 21:07 Uhr

Das Nahversorgungszentrum im Fürther Stadtteil „Eigenes Heim“. Der Norma-Markt wurde bereits erweitert und modernisiert, nun soll der Rewe-Markt vergrößert werden. Hier beläuft sich die Investition auf zirka zwei Millionen Euro.

03.12.2020 © Foto: Thomas Tjiang


Weil sich Nudeln, Toilettenpapier, Hefe und andere Dinge des täglichen Bedarfs auch im Lockdown bestens verkauft haben, hat der Nürnberger Immobilienspezialist GRR Group sein Geschäftsjahr 2019/20 (zum 31. Mai) positiv abgeschlossen. Denn die Unternehmensgruppe rund um die GRR AG investiert in Einzelhandelsimmobilien wie Nahversorgungszentren. Weil in diesen der Großteil der Mieter Discounter oder Supermärkte sind, konnte die Corona-Pandemie dem Geschäftsmodell nichts anhaben.

"Wir haben den Wachstumskurs der letzten drei Jahre fortgesetzt", freut sich GRR-Vorstand Martin Führlein. Die GRR kauft und entwickelt die Immobilien entweder direkt oder investiert über die eigens aufgelegten Fonds in solche Objekte. Das Geschäftsmodell – die Experten sprechen bei solchen Immobilien von "Basic Retail" – sei "sehr robust", sagt Führlein. Denn Einkaufen für den täglichen Bedarf müssen Menschen nun mal.

Die Millionenbeträge für die Fonds sammelt die GRR bei institutionellen Anlegern ein. So legen Versorgungswerke, Pensionskassen, Banken oder betuchte Familienstiftungen ihr Geld breit gestreut in Betongold an. Mieter sind überwiegend die potenten Branchenriesen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Im abgelaufenen Geschäftsjahr betreute die GRR Group bundesweit rund 500 Objekte mit einer Gesamtfläche von fast einer Million Quadratmetern. Ihr Wert belief sich zuletzt auf zirka 1,75 Milliarden Euro.

Zu den Standorten zählen das Fürther Nahversorgungszentrum im Stadtteil "Eigenes Heim" mit Norma, Rewe, Rossmann und Kik, das Fachmarktzentrum im mittelfränkischen Heßdorf mit Rewe, Aldi und fünf weiteren Mietparteien oder das Zirndorfer Fachmarktzentrum ZIM. Weitere Objekte in Mittelfranken finden sich etwa in Treuchtlingen, Heilsbronn, zweimal in Forchheim sowie Schwabach und Allersberg.

Plus von 14 Prozent

Der Umsatz der Gruppe stieg im vergangenen Geschäftsjahr um über vier Prozent auf 23,5 Millionen Euro. Unterm Strich blieben als Ergebnis 6,1 Millionen Euro übrig. Das entspricht sogar einem Zuwachs von mehr als 14 Prozent. Zum guten Geschäft haben sprunghaft angestiegene Käufe und Verkäufe von 80 Einzelhandelsimmobilien beigetragen. Sie haben sich auf 246 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Die spezifischen Kennzahlen, wie die mehrjährige Restlaufzeit der Mietverträge und eine geringe Leerstandsquote von unter 2,5 Prozent, bestätigen das Geschäftsmodell in der Basic Retail-Nische. Wie attraktiv dieses Spezialsegment auch in Pandemie-Zeiten ist, zeigt sich ferner an den Kapitalzuflüssen von institutionellen Anlegern in die Fonds. Der Wettbewerb ist laut Führleins Beobachtung eher noch gestiegen.

Im November wurde mit dem Erwerb eines Edeka-Marktes im Saarland die Investitionsphase des "GRR German Retail Fund No. 3" abgeschlossen. Damit sind drei GRR-Fonds mit insgesamt über 600 Millionen Euro eingeworbenem Eigenkapital und mehr als 1,1 Milliarden Euro Investitionssumme erfolgreich platziert und investiert.

Der im Januar aufgelegte vierte Fonds entwickelt sich deutlich über dem Plan von Führlein. Angesichts der großen Mittelzuflüsse wurde das eigentliche Kapitalziel von rund 260 auf 450 Millionen Euro kurzfristig angehoben. Die entsprechenden Nahversorgungsobjekte sollen bis spätestens 2022 gekauft sein.

Im laufenden Geschäftsjahr hat die GRR-Group erstmals das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit bei ihren Immobilien auf die Agenda gesetzt: "Wir krempeln unsere gesamten Unternehmensprozesse um." Leitlinie sind dabei die sogenannten ESG-Kriterien. E steht für Environment (Umwelt), S für Social (soziale Belange) und G für Governance (nachhaltige Unternehmensführung). In einem ersten Schritt würden 70 Objekte überprüft, ob sich auf deren Dächern Photovoltaikanlagen installieren lassen.

Mit Blühwiesen für Bienen?

Bei den Freiflächen um die Nahversorgungszentren wird derweil untersucht, ob sich dort Blühwiesen für Bienen anlegen lassen. Eine Umstellung der Objekte auf grüne Stromverträge sei aber nicht so einfach, weil die Mieter in der Regel eigene Stromlieferanten mit Sonderkonditionen hätten, erklärt die GRR-Group.

Fürs laufende Geschäftsjahr hält sich Führlein allerdings bedeckt. Er erwartet ein "positives Ergebnis, aber keine Steigerung bei Umsatz und Ergebnis." Eine der Kernaufgaben wird sein, mit den von der Pandemie besonders betroffenen Nebenmietern, wie Friseuren, Schuh- und Textilgeschäften, individuelle Lösungen zu erarbeiten. So soll die Vermietungsquote in den betreuten Beständen nachhaltig auf dem derzeit hohen Niveau gehalten werden.

Weiter geht der Vorstand davon aus, dass die Zahl seiner Mitarbeiter von zuletzt 70 auf über 100 in den nächsten zwei bis drei Jahren ansteigen wird. Die dafür notwendigen größeren Büroräume hat die GRR einen Steinwurf entfernt von ihrem jetzigen Sitz in Flughafennähe gefunden. 2022 soll dann der Umzug in ein Niedrig-Energie-Büro mit einem begrüntem Dach stattfinden.

THOMAS TJIANG

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