Tiergarten: Gorilla-Baby Kato entwickelt sich prächtig

17.2.2020, 12:40 Uhr
Gorilla-Baby Kato fasziniert Tiergarten-Mitarbeiter und Besucher gleichermaßen.

© Erika Daum Gorilla-Baby Kato fasziniert Tiergarten-Mitarbeiter und Besucher gleichermaßen.

Die Tür zum Affenhaus schwingt auf – es ist ungewöhnlich ruhig. Unwillkürlich bewegt man sich vorsichtig und versucht, leise aufzutreten. "Pschschscht!" Eine ältere Dame ermahnt ihren unruhigen Enkel – die Atmosphäre erinnert an ein Kinderzimmer, in dem das Baby in der Wiege beäugt wird. Hier geschieht das weitaus öffentlicher, ist der aktuelle Star des Zoos am Schmausenbuck doch nur durch dicke Scheiben von den vielen Fans getrennt.

Ein Obst-Snack für Papa Thomas aus der Hand von Ramona Such.

Ein Obst-Snack für Papa Thomas aus der Hand von Ramona Such. © Foto: Anabel Schaffer

Die Bänke sind belegt, viele Besucher stehen, Kinder halten die Hand von Mama oder Papa, und alle blicken in eine Richtung: zu Kato. "Wie süß!" Das hört man ständig. Von jungen wie älteren Stimmen: andächtig, fasziniert oder romantisch entzückt.


Nachwuchs im Tiergarten: Gorilla-Baby zeigt sich der Öffentlichkeit


Ramona Such kennt das alles. Und mehr noch, als die Besucher: "Er ist auch so unglaublich flauschig!" Lässt sich Kato doch durch die Gitterstäbe kraulen. Die Revierleiterin und ihr Team schweben im Gorilla-Glück: "Es läuft einfach traumhaft!" Und Katos Mutter Habibu mache den Eindruck, "als hätte sie fünf Kinder gehabt oder drei Säuglingskurse besucht; dabei ist es ihr erstes".

Wacklig auf allen Vieren

Wie das kommt? "Man merkt deutlich, dass sie in einer sozialen Gruppe aufgewachsen ist und ihre Mutter ebenfalls ranghoch war", schildert Such mit Blick auf das Familienidyll – hinter der Scheibe nähert sich gerade Papa Thomas, um bei Mutter und Kind nach dem Rechten zu sehen. "Auch er wuchs in einer super Gruppe in Rotterdam auf; die ersten sechs bis sieben Jahre sind die wichtigsten für Gorillas, ähnlich wie bei uns." Und davon will keine Sekunde verloren sein, denkt sich wohl Kato, und rutscht von Mamas Schoß.

"Bei Mama sitzen ist inzwischen todbringend langweilig", erklärt die Revierleiterin schmunzelnd. "Seit eineinhalb Wochen krabbelt er auf allen vieren, ist noch etwas wackelig, beginnt aber schon zu laufen. Alles ist spannend – und was er zu greifen bekommt stopft er sich in den Mund." Die Schneidezähne sind bereits da. "Wie Kinder, die zahnen, hatte er vermutlich Schmerzen und daher immer etwas im Maul."

Zwar wird Kato ausschließlich gesäugt, "doch muss er nun an allem herumlutschen, was Mama frisst. Und macht Kato auch nur ,Piep‘, sind alle da!" Ein fasziniertes Strahlen huscht über das Gesicht der 52-Jährigen. Ja, es kümmere sich wirklich die gesamte Gruppe um Klein-Kato. Sorgen? "Muss man sich überhaupt nicht machen. Alle sind vorsichtig mit ihm und Luna, die ihr eigenes Baby durch eine Frühgeburt verloren hat, macht als Tante eine vorbildliche Figur, wenn Habibu mal Ruhe braucht."

Tags wie nachts ist die Mutter schließlich gefordert, kann den Nachwuchs nie in ein Bettchen legen, muss ihn immer tragen und achtgeben, dass er nirgends herunterfällt. "Habibu war vor Katos Geburt die Queen, die ranghöchste Dame – ihr Leben hat sich von jetzt auf nun verändert: Kato lutscht seine Mama halt aus", beschreibt Such bildhaft. Auch Affenliebe hat also Grenzen. So erlitt Habibu tatsächlich einen Schwächeanfall. Zusätzliche Vitamine und Eisen brachten sie jedoch rasch wieder ins Lot.

Kameraobjektive sind der Feind

Papa Thomas hat andere Ängste. Bislang erschrak er und zog sich zurück, wenn sich riesige Objektive auf ihn richteten und Blitzlicht aufzuckte. "Nun überwindet er diese Angst für seinen Sohn – und springt mit seinen 180 Kilogramm frontal an die Panzerglasscheibe. Das ist weder für ihn, noch für uns ein Spaß. Und wir wollen auch nicht, dass Kato das lernt", betont Such ernst.

Ein normales Handyfoto sei ok. "Wer mit einer großen Kamera anrückt, möchte bitte bis zum Sommer warten." Im Freien hat Silberrücken Thomas mit der Jagd nach dem besten Bild nämlich kein Problem. Für Baby Kato könnte sich in der Außenanlage eine andere Schwierigkeit ergeben: "Wir hoffen, dass er bis zum Frühjahr so fit ist, hoch in die Bäume zu können." Etwaige Stürze wären hier reichlich tief.

Bislang sehen das die Tierpfleger entspannt: "Hier und da wird der Kleine künftig schon mal abstürzen, doch das tun die Gorilla-Kinder in der Natur auch", erläutert die Revierleiterin die aktuelle Entwicklung von Kato, versuche er doch schon, an den Gittertüren hochzukrabbeln. "Er zieht auch mal alleine los, seine Kreise werden größer; er greift gezielt, nimmt die Umwelt wahr, beobachtet Besucher und untersucht absolut alles!" Ruhig in der Ecke liegen? Passé! Ramona Such grinst. "Wie bei uns!"

Glücklich über die pure Harmonie in der Gorilla-Gruppe ist auch der stellvertretende Tiergartenchef Helmut Mägdefrau: "Es macht einfach nur Freude, zusehen zu dürfen. Mich hat besonders berührt, als der Papa den Kleinen erstmals in den Arm genommen hat. Dieser Riesenkerl, mit so vorsichtigen, behutsamen Bewegungen – unglaublich!"

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