Unfallstatistik 2020: Wegen Corona deutlich weniger Unfälle in Mittelfranken

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Alexander Brock

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19.2.2021, 16:32 Uhr
Seit über sieben Jahren steht dieses weiße Ghostbike (Geisterrad) hier an der Kreuzung Gleißbühl-/Blumenstraße. An dieser Stelle starb 2013 eine 44-Jährige, als ein Lkw nach rechts in die Blumenstraße einbog. Seit dem sind im Nürnberger Stadtgebiet weitere Geisterräder hinzugekommen. Auch in der aktuellen Unfallstatistik nehmen Unfälle mit Radfahrern einen traurigen Spitzenplatz ein.

Seit über sieben Jahren steht dieses weiße Ghostbike (Geisterrad) hier an der Kreuzung Gleißbühl-/Blumenstraße. An dieser Stelle starb 2013 eine 44-Jährige, als ein Lkw nach rechts in die Blumenstraße einbog. Seit dem sind im Nürnberger Stadtgebiet weitere Geisterräder hinzugekommen. Auch in der aktuellen Unfallstatistik nehmen Unfälle mit Radfahrern einen traurigen Spitzenplatz ein. © Eduard Weigert, NNZ

Es war zu erwarten: Die Zahl der Verkehrsunfälle ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen - auch in Mittelfranken und in Nürnberg. Ein Grund zum Frohlocken ist das aber nicht. Zumal die Ursache bitter ist, weshalb der Verkehrsfluss und damit die Zahl der Unfälle im vergangenen Jahr zurückging: Gastronomie, Einzelhandel, Kulturorte und viele Betriebe sind (derzeit auch wieder) geschlossen. Hinzu kommen Ausgangssperren sowie Kontaktbeschränkungen in Zeiten der Pandemie. "Eine Vergleichbarkeit ist nur sehr eingeschränkt möglich", sagt Mittelfrankens Polizeivizepräsident Adolf Blöchl während einer Online-Pressekonferenz.

Zum Frohlocken gibt es aber auch aus einem anderen Grund keinen Anlass: Selbst wenn die Zahl der Unfälle, der Verletzten und Toten 2020 zurückgegangen ist, so ist jedes einzelne Leid, das durch einen Unfall entstanden ist, ein Leid zu viel.

Neun Fußgänger kamen ums Leben

Im vergangenen Jahr gab es insgesamt in Mittelfranken 45.253 Verkehrsunfälle (2019 waren es 54.107). In Nürnberg ist der Wert auf 12.388 gesunken (2019: 14.730). Betrachtet man die Gesamtzahl, so ist der Wert im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zurückgegangen. "Und das nach einem kontinuierlichen Anstieg in den vergangenen vier Jahren", betont Blöchl.

Insgesamt wurden in Mittelfranken 7555 Menschen verletzt (2019: 8954), die Zahl der Verkehrstoten sank auf 51 (2019: 67). Es starben 2020 neun Fußgänger (Nürnberg: zwei), zwölf Moped- und Motorradfahrer (Nürnberg: zwei), zwei Lkw-Insassen und neun Radler (Nürnberg: vier).

Hund verursachte tödlichen Radunfall

Eine traurige Entwicklung innerhalb der Gesamtstatistik zeichnet sich bei den Unfällen mit Radfahrern ab: Die Tendenz steigt. Radler waren in Mittelfranken an 2463 Verkehrsunfällen beteiligt (2019: 2283). Wie wenig Puffer zur Sicherheit Radfahrer haben, zeigt auch die folgende Zahl: Bei den 2463 Unfällen mit Radlern wurden 2309 verletzt und neun Menschen getötet.

Ein tragischer Fall ereignete sich am 6. Juli 2020 im Nürnberger Pegnitzgrund. Ein 51-Jähriger war mit seinem Fahrrad auf dem Süßheimweg unterwegs, als in der Kurve hinter dem Lederersteg unvermittelt ein Hund über den Radweg rannte. "Jemand warf eine Frisbee-Scheibe über den Weg, der Hund sollte die Scheibe schnappen", berichtet Werner Meier, Leiter des Sachgebiets E4 (Polizeiliche Verkehrsaufgaben). Der Radfahrer stürzte und verletzte sich dabei lebensgefährlich am Kopf. Wenige Tage später erlag der 51-Jährige seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Polizeivize Blöchl hob in diesem Zusammenhang auch die Gefahr sogenannter Pedelecs (E-Bikes) hervor. Die insgesamt 2463 Unfällen mit Rädern beinhalten auch 387 Unfälle mit Pedelecs, die eine Geschwindigkeit von 25 Kilometer in der Stunde erreichen. 371 der E-Bike-Fahrer erlitten teils schwere Verletzungen. "Wer Fahrrad fährt, sollte dringend einen Helm tragen. Als Radler hat man keine Sicherheitszone", warnt Blöchl. Warum aber ist die Zahl der Rad-Unfälle 2020 so hoch? Blöchl hat da eine schlüssige Erklärung: "Im vergangenen Jahr sind sehr viele Menschen von den öffentlichen Verkehrsmitteln aufs Fahrrad umgestiegen, um das Corona-Infektionsrisiko zu mindern. Es waren also mehr Radler auf den Straßen unterwegs."

Die Gefahr lauert auf der Landstraße

Sicher ist: Das Risiko eines Unfalls mit tödlichem Ausgang ist auf dem Land viel höher als in geschlossenen Ortschaften. "Zwei Drittel der schweren Unfälle passierten außerhalb der Ortschaften", sagt Blöchl. Von den 51 Verkehrstoten sind 16 Menschen innerhalb einer Ortschaft ums Leben gekommen und 35 außerhalb.

Die Hauptursache aller Verkehrsunfälle ist wie in den vergangenen Jahren ein mangelhafter Sicherheitsabstand gewesen. Bei den Unfällen mit Toten oder Schwerverletzten spielt jedoch weiterhin überhöhte Geschwindigkeit eine gewichtige Rolle.