Vom Schandfleck zum Zukunftsmuseum

16.12.2019, 19:18 Uhr
Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer (li.) und NN-Redakteur Jo Seuß bei ihrem Gespräch „Geschichte(n) zum Augustinerhof“ im Kuppelsaal des Planetariums.

Immobilienunternehmer Gerd Schmelzer (li.) und NN-Redakteur Jo Seuß bei ihrem Gespräch „Geschichte(n) zum Augustinerhof“ im Kuppelsaal des Planetariums. © Foto: Jürgen Petzoldt

Im Dezember 2020 soll dort das neue Zukunftsmuseum eröffnet werden. Nach Tokio, Rio de Janeiro, Berlin und Dubai ist es das fünfte seiner Art weltweit.

Ein Journalist und ein Immobilienunternehmer im Zwiegespräch: Unter der Kuppel des Copernicus-Planetariums unterhielten sich Jo Seuß von den Nürnberger Nachrichten und Gerd Schmelzer, Gründer der Alpha-Gruppe, vor ihrem Publikum über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Augustinerhofs. Die Veranstaltung bildete den Abschluss der Reihe "Geschichten vom Augustinerhof" und war mit persönlichen Erinnerungen beider Zeitzeugen und Nürnberg-Routiniers gespickt.

Schmelzer erzählt von der Versteigerung im Jahr 2007, als er das 5200 Quadratmeter große Areal erwarb – und Seuß fragt nach, zu welchem Preis. "Es waren um die acht Millionen Euro", offenbart der Unternehmer und erinnert sich: "Direkt an dem Tag, an dem ein Mitarbeiter mein Angebot nach vorn zum Auktionator gebracht hatte, hielt ich als neuer Eigentümer des Augustinerhofs den Schlüssel in den Händen."

Dann erzählt der 68-Jährige vom langen Atem, den er dann brauchte: "Zuerst der Abriss der maroden Gebäude, der erstmals die gesamte Fläche freilegte." Schon bald seien erste Ideen geboren worden, beispielsweise Altstadtwohnungen, Luxus-Altenheim, Hotel, Konzertsaal.

"Als nächster Schritt folgten archäologische Ausgrabungen, das Entsorgen von Altlasten, die Eröffnung des Parkplatzes – und schließlich die Pläne von Volker Staab." Der Berliner, auch Baumeister des Neuen Museums Nürnberg, war der Gewinner des Architektenwettbewerbs zum Augustinerhof mit zehn internationalen Büros.

Altstadtfreunde ins Boot geholt

"Es war mir klar, dass hier ein modernes Bauwerk hingehört", sagt Schmelzer. Jahre zuvor hatte er seinen Vorgänger, den persischen Kaufmann und Investor Mohammad Abousaidy, zusammen mit dem Stararchitekten Helmut Jahn scheitern sehen. Schmelzer selbst nahm einen geschickten Umweg: Neben Politikern habe er Bewohner und die Altstadtfreunde "mit ins Boot geholt".

An der Stelle erzählt der Redakteur vom Tag der Insolvenz Abousaidys 2001, als der Geschäftsmann ihn bat, in dessen 600er Mercedes einzusteigen. Drinnen habe sich Abousaidy Luft gemacht – darüber, wie tief getroffen und maßlos enttäuscht er von der Stadt sei.

Architekt Helmut Jahn sprach später vom Scheitern an "den Kleingeistern, die dem Fortschritt im Weg standen". Das im Januar 1991 erstmals vorgestellte und zuerst vom Stadtrat einhellig begrüßte Vorhaben wurde 1996 per Bürgerentscheid gestoppt. "Es war damals auch die Angst vor der Moderne in der Altstadt", bilanziert Seuß. Lange Zeit ging danach beim Areal im Herzen der Altstadt nichts voran.

Während Gerd Schmelzer und Jo Seuß bei dieser Zeitreise gemütlich beisammensitzen, um aus dem Nähkästchen zu plaudern, erzählt der Immobilienunternehmer auch noch eine Liebesgeschichte aus der Bauphase: Da entdeckte ein Kranfahrer aus exponierter Position in einem der umliegenden Fenster eine junge Frau. Hals über Kopf verliebte er sich und präsentierte ihr am darauffolgenden Tag einen Blumenstrauß, den er mit dem Kran auf ihrem Balkon ablegte. Und was tat sie? Sie rief die Polizei. Der unglücklich verliebte Mann verlor danach auch noch seinen Führerschein, weil er sich tragischerweise zuvor noch mit zu viel Alkohol Mut angetrunken hatte.

Fünf Themenfelder in der Ausstellung

Gerd Schmelzers Begeisterung für Volker Staabs architektonische Findigkeit, der das Gebäude zur Pegnitz hin großzügig geöffnet hat, stieß allseits auf großes Lob. Und als nach rund fünf Jahren des Abwartens und Verhandelns (vor allem mit einem streitlustigen Nachbarn) 2015 die Idee eines "Zukunftsmuseums" als Dependance des Deutschen Museums kursierte, sei irgendwann klar gewesen: Es soll keine kleine, sondern eine große Lösung werden. "Wenn der Söder das zahlt", hieß die Antwort aus München.

Beim Streifzug durch die Historie ging es bis tief ins 13. Jahrhundert, als dort an der Pegnitz das Augustinerkloster stand. Mit Blick auf die Gegenwart berichtete Schmelzer, dass die letzte Bauphase fast abgeschlossen sei. Das Deutsche Museum wird nun den Innenausbau für rund 29 Millionen Euro durchführen. Im "Zukunftsmuseum", das am 1. Dezember 2020 eröffnet wird, sollen fünf ausgewählte Themenfelder zur Aufführung kommen: "Arbeit & Alltag", "Körper & Geist", das "Urbane Leben", das "System Erde" sowie "Raum & Zeit".

Für die Zukunft wünscht sich Gerd Schmelzer, dass das Museum zum Publikumsmagneten wird. "Ich hoffe auf eine außergewöhnliche Attraktion." Und besonders freut er sich "auf die Erde als ein Modell, auf dem man sehen kann, was im jeweiligen Moment überall so los ist".

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