Weiße Taube als Wahrzeichen im Nordstadt-Schaufenster

28.7.2014, 08:59 Uhr
Mit weißer Taube, roter Rose und Aufrufen zu Aktionen ohne Waffen: Das Schaufenster des Frie­densmuseums in der Kaulbachstraße bietet viel zum Entdecken.

Mit weißer Taube, roter Rose und Aufrufen zu Aktionen ohne Waffen: Das Schaufenster des Frie­densmuseums in der Kaulbachstraße bietet viel zum Entdecken. © Peter Romir

Freundlich grüßt die weiße Friedenstaube die Passanten in der Kaulbachstraße. Über der Silhouette der Burg schwebend ist sie das Wahrzeichen des 1998 eröffneten Nürnberger Friedensmuseums. Dieses besteht aus einem einzigen großen Raum mit zwei Schaufenstern, in denen gleich mehrere Schilder mit der Aufschrift „WOW!“ prangen. Dieser Ausruf der Begeisterung ist die Abkürzung für die aktuelle Ausstellung „Wirksam ohne Waffen“.

Sie stellt gewaltfreie Alternativen zum Krieg vor – beginnend bei Abdul Ghaffar Kahns 1929 aufgestellten „Rothemden“, die zum Vorbild für Gandhis Friedensarmee wurden, und geht bis zu aktuellen Versuchen, in Konflikte schlichtend einzugreifen. Vorgestellt werden religiöse und weltliche, staatliche und private Initiativen aus aller Welt.

„Uns geht es dabei nicht um Slogans“, meint Birgitta Meier vom Friedensmuseum, welche die Ausstellung mitgestaltet hat. „Sondern wir wollen tiefer gehen und auch zeigen, was funktioniert und was nicht.“ So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Schlichtungsversuche während laufender Kriege fast immer scheitern. Doch vor oder nach dem Ausbruch von Gewalt habe es schon oft geholfen, wenn es eine dritte neutrale Partei gibt, die sich einmischt.

Birgitta Meier gehört seit lan­gem zu den Aktivposten im Frie­densmuseum.

Birgitta Meier gehört seit lan­gem zu den Aktivposten im Frie­densmuseum. © Peter Romir

„Manchmal reicht es auch schon, wenn Fremde anwesend sind“, erklärt Meier. „Das ist etwa das Prinzip der Organisation ,Witness for peace‘, die von Anschlägen bedrohte Personen dadurch schützte, dass sich viele Ausländer in ihrer Nähe aufhielten.“

Die meisten Besucher des Museums sind Schulklassen oder kommen zu den immer wieder stattfindenden Themenabenden. Trotzdem gibt es aber auch eine Art „Laufkundschaft“, die spontan hereinschaut: „Dass direkt gegenüber ein Bioladen liegt, ist nicht von Nachteil“, sagt Meier. „Aber es kommen auch erstaunlich viele Touristen aus Asien zu uns. Das liegt daran, dass wir eines der wenigen Museen sind, die auch am Montag offen haben – und wenn die in ihre Reiseführer gucken, stehen wir da natürlich drin.“

Damit die nicht nur Bahnhof verstehen, gibt es auch einige grundlegende Informationen auf Englisch. „Wir hatten früher auch Texte auf Englisch, Italienisch und Türkisch auf unserer Website“, erzählt Meier. „Aber das immer aktuell zu halten, ist mit unseren wenigen Leuten nicht zu schaffen.“

Im Moment teilen sich etwa zwölf ehrenamtliche Mitarbeiter die vielfältigen Aufgaben: von der Gestaltung der Ausstellungen über die Werbung bis hin zum Umgang mit Schülern. „Die sind oft begeistert von der Friedensidee“, hat Meier festgestellt, „gehen dann aber lieber zu Demonstrationen oder Mahnwachen. Die Recherche-Arbeit für eine Ausstellung wollen dagegen nur wenige junge Leute auf sich nehmen.“

Wer die Ausstellung sehen will muss sich beeilen: Am 30. Juli verabschiedet sich das Friedensmuseum mit einem Sommerfest ab 17 Uhr in die Sommerpause. Ab 18. September wird es eine neue Ausstellung „Stimmen gegen den Krieg – Zeitenwende 1914“ geben, die sich mit den Friedensaktivisten in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg befasst.

Friedensmuseum, Kaulbachstr. 2, Tel. 3 60 95 77, www.friedensmuseum.odn.de

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