"Wöhrder See parkrun": Läufer trotzen Minusgraden

Johannes Handl
Johannes Handl

Lokalredaktion

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26.1.2020, 17:40 Uhr
Und los geht‘s: Jeden Samstag um Punkt 9 Uhr begeben sich die Teilnehmer des „Wöhrder See parkrun“ auf den fünf Kilometer langen Kurs.

Und los geht‘s: Jeden Samstag um Punkt 9 Uhr begeben sich die Teilnehmer des „Wöhrder See parkrun“ auf den fünf Kilometer langen Kurs. © Foto: Stefan Hippel

Wolfgang Schweigert hat kein Problem damit, der ewige Zweite zu sein. Egal wie schnell er läuft: Söhnchen Luca Noel hat stets die Nase vorn. Er erreicht sogar im Schlaf die Ziellinie. Gerade fünf Wochen ist der Kleine alt – und ganz schön clever. Die gesamte Strecke lässt er sich von seinem Vater schieben. "Noch keine drei Monate und schon schneller als ich" – diese Erkenntnis stimmt auch Benjamin Skoda nachdenklich. Er ist der Laufleiter des "Wöhrder See parkrun", an dem am Samstag wieder mehr als 50 (Hobby-)Sportler teilgenommen haben.

Viele Menschen nutzen ein Wochenende, um endlich mal auszuschlafen und in aller Ruhe zu frühstücken. Andere dagegen pfeifen auf Minusgrade und schnüren trotz Eiseskälte die Laufschuhe. Dazu zählen nicht nur ambitionierte Sportler, sondern auch Nordic Walker und Spaziergänger. Selbst Jogger mit angeleinten Hunden gehen regelmäßig auf den fünf Kilometer langen Kurs.

Während der erste ehrenamtliche Helfer bereits um 7.30 Uhr die Strecke abfährt und seine Kollegen später den Start- und Zielbereich präparieren, begrüßt Laufleiter Skoda die "Parkrunner" um kurz vor 9 Uhr vor dem Café Tante Noris am See. Auch bei der 94. Nürnberger Auflage sind Neulinge dabei. Marek Helak aus Polen etwa ist schon in München und Köln gelaufen, heute stellt er sich am Wöhrder See dem Kampf gegen die Uhr.

Läufer wollen Kontakte knüpfen

Gregor Jungheim ist eher auf der Zehn-Kilometer-Distanz zu Hause und radelt viel. Erst vor kurzem ist er aus Norddeutschland nach Sulzbach-Rosenberg gezogen. Beim parkrun läuft er deshalb auch mit, um neue Kontakte zu knüpfen. Das wiederum dürfte kein Problem sein. Die Stimmung ist ausgelassen. Hier kommt jeder mit jedem ins Gespräch.

Kamen Seite an Seite als Erste ins Ziel: Sascha Lorenz (links) und Florian Lang.

Kamen Seite an Seite als Erste ins Ziel: Sascha Lorenz (links) und Florian Lang. © Foto: Stefan Hippel

Nach dreizehneinhalb Minuten kann man erstmals das Führungsduo auf der anderen Seite des Sees sehen. Die Helfer im Start- und Zielbereich winken ihm zu. Wenig später passieren Florian Lang und Sascha Lorenz vom Team FitterTec mit einer Siegerzeit von 17 Minuten und 55 Sekunden die Ziellinie. Es folgt ihnen David Voll, der den Lauf nutzt, um seinen Schützling Moritz Rossner auf die Saison vorzubereiten. Der 16-Jährige geht auf die Bertolt-Brecht-Schule und gehört dem Bundeskader der Mountainbiker an.

Ohne ehrenamtliche Helfer gäbe es den parkrun, der 2004 in London seinen Ursprung hatte, nicht. Das Nürnberger Kernteam besteht derzeit aus fünf Leuten, insgesamt wechseln sich rund 30 Freiwillige ab. Schließlich möchte jeder auch mal selbst laufen.

"Wollen langsamer werden"

Während Michael Sailer die Zeit nimmt, drückt Hajo Fuhrmann jedem Sportler im Ziel die jeweilige Platzierungsnummer in die Hand. "Jetzt gibt es Stress", scherzt er, weil erneut mehrere Läufer gleichzeitig zum Schlussspurt ansetzen. Die "Parkrunner" haben sich vorab auf der Homepage registriert und einen Barcode erhalten, den Susann David nach dem Lauf scannt. So können alle ihre Resultate online nachlesen und erfahren, wer eine persönliche Bestleistung erzielt hat.

Nürnberg zählt bundesweit zu den schnellsten der fast 30 Standorte. Doch die Zeit steht nicht im Vordergrund. Im Gegenteil: "Wir versuchen noch langsamer zu werden", sagt Standortleiterin Zehra Karakas. Ein Satz, den man von keiner Sportlerin erwarten würde. Natürlich sollen ambitionierte Läuferinnen und Läufer weiter versuchen, ihre Bestleistungen zu knacken. Karakas, die diesmal nicht selbst vor Ort ist, hätte aber gerne noch mehr Nordic Walker und Spaziergänger im Teilnehmerfeld. Damit gar nicht erst das Gefühl aufkommt, abgehängt zu werden, gibt es einen begleitenden Schlussläufer.

Die Zeit spielt für viele Läufer nur einen untergeordnete Rolle. Beim parkrun darf sich jeder als Sieger fühlen, der am Samstagmorgen die Ziellinie passiert.

Die Zeit spielt für viele Läufer nur einen untergeordnete Rolle. Beim parkrun darf sich jeder als Sieger fühlen, der am Samstagmorgen die Ziellinie passiert. © Foto: Stefan Hippel

Ein parkrun lohnt sich laut Karakas immer – und das nicht nur mit Blick auf die Gesundheit: "Wenn du gut drauf bist, kommst du vorbei. Und wenn du nicht gut drauf bist, kommst du auch. Denn dann bist du danach gut drauf." Dabei hatte sie selbst Anlaufschwierigkeiten. "Laufen polarisiert. Die einen hassen es unglaublich, die anderen lieben es. Ich habe am Anfang auch eher zur ersten Kategorie gezählt", sagt die 34-Jährige. Doch als sie im Internet vom parkrun gelesen hatte, der nur unweit ihres Zuhauses stattfindet, raffte sie sich doch einmal auf – und fand prompt Gefallen daran.

Spendenaktion für Australien

Im Schnitt sind etwa 50 Läufer am Start. Am 18. Januar waren es sogar deutlich mehr, als sich die Teilnehmer an einer Spendenaktion für die Opfer der australischen Buschfeuer beteiligt hatten.

Karakas gefällt vor allem das Miteinander der Gruppe. Und so ein Frühstück am Samstagmorgen lässt sich ja auch nachholen. Im Anschluss an jeden Lauf gehen viele Teilnehmer gemeinsam ins Café Noris am See, das für die Sportler samstags extra eine Stunde früher öffnet.

Weitere Infos zum Lauf gibt es unter www.parkrun.com.de/woehrdersee

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