Bereitschaft Sulzbach-Rosenberg

Die Bergwacht im Mittelgebirge: Darum ist sie wichtig

Andrea Pitsch
Andrea Pitsch

Redakteurin

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4.9.2022, 06:00 Uhr
Die ehrenamtlichen Bergwachtler helfen überall dort, „wo der Landrettungsdienst im unwegsamen Gelände an seine Grenzen stößt“.

© Bergwacht Die ehrenamtlichen Bergwachtler helfen überall dort, „wo der Landrettungsdienst im unwegsamen Gelände an seine Grenzen stößt“.

Dabei ist es die Aufgabe der Ehrenamtlichen, überall dort zu helfen, „wo der Landrettungsdienst im unwegsamen Gelände an seine Grenzen stößt“. Ausgenommen das Wasser, erklärt der stellvertretende Bereitschaftsleiter in Sulzbach-Rosenberg; für das sei die Wasserwacht zuständig. Aber auch hier ergibt sich manchmal eine Zusammenarbeit – wie vor allem mit den Kollegen aus Amberg, Lauf-Hersbruck und den Rettungsdienstlern. Denn oft überschneiden sich die Gebiete bei den „typischen Einsätzen“, wie Höfler sie nennt.

So zum Beispiel bei verunglückten Wanderern im Bereich Happurg/Pommelsbrunn oder am Höhenglücksteig. „Viele unterschätzen den dritten Abschnitt und haben dann keine Kraft mehr.“ Skifahrer müssen sie am Brennberg in Etzelwang versorgen oder sie unterstützen die Kollegen in Osternohe. Auch den Monte Caolino müssen sie immer wieder anfahren. Und Unfälle bei Waldarbeiten oder mit dem MTB gehören ebenfalls zum Alltag. „Wir sind aber auch schon mal zu einem Reitunfall und einer verletzten Bärlauchsammlerin ausgerückt.“

Sogar beim Waldbrand

Selbst da, wo man sich die Bergwacht vielleicht noch nicht vorstellen kann, wird sie inzwischen gerufen: So könne zum Beispiel die Luftrettungsgruppe der Region Frankenjura auch überörtlich alarmiert werden. Bei einem Waldbrand kollabierte ein Feuerwehrmann an höchster Stelle und musste gerettet werden. Auch für die Absicherung waren die Ehrenamtlichen da und hatten ihr Quad dabei. „Diese Art von Einsätzen wird mehr.“

Vor der Pandemie mussten sie das so zehn bis 15 Mal im Jahr tun; in den vergangenen beiden Jahren waren es jeweils 50 bis 60 Einsätze. Denn gerade im unwegsamen Gelände – so wie zum Beispiel bei Vermisstensuchen nachts im Wald – sind Mensch und Material der Bergwachtler gefragt. Als unterstützende Bereitschaft verfügen die Sulzbacher über einen VW-Bus mit Blaulicht: „Wenn man damit nachts unterwegs ist, wird man immer wieder für die Polizei gehalten“, erzählt Höfler lachend. Seitdem sie aber die Gebirgstrage aufs Dach geschraubt hätten, würden sie leichter erkannt.

Auf einen Amarok, mit dem man einen Patienten liegend fahren kann, müssen sie verzichten. Dafür stehen zwei dieser Fahrzeuge in den Nachbarbereitschaften Amberg und Lauf-Hersbruck. Stattdessen haben die Oberpfälzer ein Quad mit großen Raupenketten im Winter samt Schlitten. Und sie können sozusagen auf den Hubschrauber zurückgreifen. „Ob der angefordert wird und inwiefern dieser für die Rettung zum Einsatz kommt, entscheidet der Einsatzleiter, der für unser Gebiet rund um die Uhr da ist.“ Alarmiert wird er über den Notrufs 112. „Viele wissen gar nicht, wie man uns erreicht …“

Die Ausrüstung ist speziell für die Hauptaufgabe der ehrenamtlichen - Nämlich die Rettung von Verletzten aus dem unwegsamen Gelände - konzipiert. Hat es die Bergwacht hier bei der Materialbeschaffung schwerer als die Kollegen in den Bergen? „Die Grundausstattung bekommen wir alle von der Bergwacht Bayern“, erläutert Höfler. Finanziert wird das über den bayerischen Staatshaushalt und die Krankenkassen. „Für alles, was wir noch an Ausrüstung haben wollen, brauchen wir Spenden.“
Doch die heimischen Bergwachtler punkten neben einigen Gerätschaften vor allem mit einem: ihrer Erfahrung im Gelände. „Wir müssen im Einsatz jede Person sichern und sind für den Abtransport des Patienten zuständig.“
Mit „wir“ meint Höfler die zwölf aktiven Einsatzkräfte, von denen mindestens zwei zu einem Einsatz fahren müssen. „Das mit der Bereitschaft ist wie bei der Feuerwehr.“ Nur am Wochenende macht einer Bereitschaft von zuhause aus; der nimmt das Auto mit, damit er schnell los kann, gibt Höfler einen Einblick in die Arbeitsweise. Eine Hilfsfrist wie bei der Wehr gibt es bei der Bergwacht nicht: „Wir haben hier weite Strecken zu fahren.“

Respekt gehört dazu

Höfler macht dabei einen Unterschied zu den Alpen klar: „Wir haben bei uns mehr die Anforderung, schnell am Patienten zu sein und den Rettungsdienst hinzubringen, um eine bestmögliche Versorgung sicher zu stellen. Vor allem weil es flacher ist, wir meist gut mit dem Auto fahren können und zur Not kann der Hubschrauber einfacher fliegen.“ Wenn das in den Bergen halt nicht geht, „dann dauert ein Einsatz schon mal einige Stunden“.

So wie vor ein paar Jahren bei einer dramatischen Rettungsaktion am Watzmann. In die gerieten zwei Sulzbacher Kollegen von Höfler hinein, als sie privat unterwegs waren. Wie ist es dann, im Hochgebirge gefordert zu sein, in dem man sonst nie arbeitet, sondern nur Ausbildung und Schulungen absolviert? „Sie hatten Respekt vor dem Gelände“, verrät Höfler. Nur ohne spezielles Material seien sie an „gewisse Grenzen geraten“. Abseilen, sichern und Erste Hilfe – das konnten sie leisten.

Dank einer fundierten Ausbildung, die im kürzesten Fall zwei Jahre dauert. Bestehen die Anwärter die Eignungstests im Klettern und Skifahren, dürfen sie zu Einsätzen mit. Eingreifen ist ihnen erst nach Notfallmedizin-, Luftrettungslehrgang, Naturschutzprüfung und Bergrettung im Sommer und Winter erlaubt. „Man braucht Ehrgeiz bei der Ausbildung und sollte schon einige Vorkenntnisse in Sachen Skifahren und Klettern mitbringen!“

Rein in den Hubschrauber

Bergrettung, das ist ein umfangreiches und spezifisches Fachgebiet, betont Höfler. Über Bekannte kam er mit 16 Jahren als Anwärter dazu, weil „mich Skifahren und Klettern schon immer interessiert haben“. Seitdem er 19 ist, ist Höfler, der 23-Jährige, aktiv dabei. „Es macht Spaß, weil man neue Leute kennenlernt und auch viel Eigenverantwortung trägt.“

Nach der Grundausbildung gibt es auch einige spezielle Fortbildungen, wie die Luft- und Höhlenrettung sowie das Kriseninterventionsteam (KIT) zur Notfallseelsorge. Die Luftrettung ist für ihn eine besondere Herausforderung; er und ein Kamerad sind im Bereich Frankenjura – wie ein weiterer Kollege in Sachen Höhlenrettung – aktiv.

Wenn er über den Stellenwert der Bergwacht in der Region nachdenkt, sagt er: „Der ist in den vergangenen Jahren gestiegen, aber viele Wissen immer noch nicht, was unsere Aufgaben hier im Mittelgebirge sind.“ So haben beim Königsteiner Kletterfestival viele gefragt, warum sie denn hier seien. Ganz einfach: „Weil wir gebraucht werden.“

Wer für die Bergwacht Sulzbach-Rosenberg spenden möchte: Sparkasse Amberg-Sulzbach, IBAN DE69 7525 0000 0380 1018 99. Weitere Infos zu Ausbildung und mehr unter https://www.bergwacht-bayern.de/sulzbach-rosenberg.html

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